Expertenbeitrag

Dipl. -Ing. Thomas Drilling

Dipl. -Ing. Thomas Drilling

IT-Consultant, Trainer, Freier Journalist

Gartner-Studie „IoT und Geschäftsprozesse“ Fünf Prognosen zum Internet der Dinge

Analysten von Gartner sagen dem Internet der Dinge einen stark zunehmenden Einfluss voraus. Mit teils unerwarteten Folgen für den Alltag.

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Die Analysten von Gartner erwarten bis 2020 bis zu 25 Milliarden vernetzte Geräte.
Die Analysten von Gartner erwarten bis 2020 bis zu 25 Milliarden vernetzte Geräte.
(Bild: © fotohansel - Fotolia)

Laut Gartner-Aussage nimmt der Einfluss des IoT auf Geschäftsmodelle und das Leben der Menschen immer weiter zu. Gleichzeitig sinken die Kosten für das Bereitstellen von IoT-Infrastrukturen, also das Ausstatten von Geräten mit Sensoren sowie für die Vernetzung von Geräten, Systemen und Menschen. Es gibt aber auch unerwartete Auswirkungen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Predicts 2016: Unexpected Implications Arising From the Internet of Things“.

„Die Nutzung des IoT – bisher noch mehr oder weniger kompliziert – wird bis 2020 dramatisch einfacher und viel praktikabler werden“, meint W. Roy Schulte, VP und Distinguished Analyst bei Gartner. „Das IoT ist für nahezu jede Branche und jeden Industriezweig relevant, nicht aber für jede Anwendung. Es wird keine speziellen IoT-Anwendungen geben.“

Allerdings würden viele Anwendungen dem IoT in kleineren oder größeren Aspekten zum Durchbruch verhelfen. „Das bedeutet letztlich, dass Business-Analysten und Entwickler von informationsorientierten Prozessen die Expertise und die Tools benötigen, um diejenigen IoT-Aspekte zu implementieren, die in ihren Systemen eine Rolle spielen.“

Viele IoT-Projekte werden den Zeitrahmen sprengen

Nach Ansicht der Gartner-Experten werden drei von vier IoT-Projekten den gesetzten Zeitrahmen sprengen, mit der Konsequenz, dass der geplante Kostenrahmen nicht eingehalten wird. Je ambitionierter die Projekte, desto wahrscheinlicher und höher werde das Überschreiten des Zeitrahmens sein.

Bei einigen Projekten könnten Kompromisse zwar helfen, den gesteckten Zeitrahmen einzuhalten, diese führten aber zu signifikanten Schwächen in der Performance, Sicherheit oder bei der Integration in existierende Prozesse. Mittelfristig erforderten solche Kompromisse ein Refakturieren der IoT-Projekte, vielleicht müssten einige davon sogar komplett neu ausgerollt werden. „Produktorientierte Organisationen werden am ehesten betroffen sein“, so Alfonso Velosa, Research VP bei Gartner.

„Sie werden danach streben, immer smartere ,verbundene Produkte‘ auf den Markt zu bringen, obwohl das taktisch oft bedeutet, auch konkurrierende Produkte zu adressieren“, so Veloso weiter. Unternehmen, die interne Projekte durchführen, etwa zur Kostenreduktion, bekämen Probleme mit ihren Mitarbeitern, etwa im Rahmen der normalen Einweisung in die neuen Technologien. Kompliziert werde es zudem, wenn Geschäftsmodelle auftauchen, die wesentliche Änderungen der Prozesse oder gar kulturelle Veränderungen nach sich ziehen. „Beide Aspekte können dazu führen, dass der Zeitrahmen überschritten wird.“

Bis 2020 wird sich ein Sensor-Schwarzmarkt etablieren

Laut der Studienautoren liegt es in der Natur von IoT-Lösungen, dass diese – je nachdem, wie sie ausgerollt und welche Art Daten generiert und konsumiert werden – völlig neue Sicherheits- und Privacy-Implikationen mitbringen, um die sich Organisationen kümmern müssen. Das bedeute ein hohes Risiko für Unternehmen, weil die damit in Zusammenhang stehende Komplexität den meisten Geschäftsführern und IT-Managern derzeit noch fremd sind.

„Das enorme Potenzial des IoT liegt im kontinuierlichen Sammeln von Daten unserer gesamten Umgebung“, meint Ted Friedman, VP und Distinguished Analyst bei Gartner. „Die Integrität dieser Daten wird für Personal- und Geschäftsentscheidungen enorm wichtig sein, von der medizinischen Diagnose, über den Schutz und die Überwachung der Umgebung bis zu Befehlen, die die Identifikation und Autorisierung des physischen Zugangs zu Maschinen und Geräten steuern. “

Daher werde sich ein Schwarzmarkt für ,gefakte' oder korrumpierte Sensoren und gefälschte Videos etablieren. Daten könnten nach Belieben ersetzt oder manipuliert werden. Das könnte zu einer extensiv geführten öffentlichen Diskussion über die Zukunft von Privatsphäre insgesamt führen. Auch die Rolle von Technologie und Politik gerieten bei diesem Szenario mehr in den Fokus.

Die Sicherheitskosten fürs IoT werden steigen

IoT-Geräte werden immer stärker genutzt werden, damit steigen aber auch die Anforderungen an IoT-Architekturen, inbesondere im Hinblick auf das Design und die Implementation in den verschiedensten Industrie-Segmenten. Im Ergebnis bedeutet das, so Gartner, dass das durchschnittliche Sicherheit-Budget für IT, operationale Technologie und IoT von einem Prozent 2015 auf 20 Prozent im Jahr 2020 ansteigt.

„Führende Cybersecurity-Hersteller und Service Provider liefern bereits Roadmaps und Architekturen für IoT Security, obwohl der Markt derzeit noch nicht danach verlangt”, so Earl Perkins, Research VP bei Gartner.

Kleine Start-ups liefern Nischenprodukte und Services der ersten Generation für IoT Security, etwa in Bereichen wie Network-Segmentation, Device-to-Device-Authentication oder Datenverschlüsselung, einschließlich Cloud-basierter Lösungen. Große Sicherheitshersteller haben ebenfalls begonnen, einige dieser Start-ups zu übernehmen, um ihre eigenen Roadmaps und Portfolios frühzeitig mit solchen Nischenprodukten bestücken zu können.

Der Artikel ist ursprünglich auf dem Portal unserer Schwesterpublikation IP-Insider erschienen.

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