Gastkommentar Fünf Cloudtrends für 2022 – native, composable und anywhere

Von Maximilian Hille*

Spätestens seit dem jüngsten Digitalisierungsschub in 2020 ist die Cloud nicht mehr wegzudenken. Welche Cloud-Technologien und -Trends Unternehmen im Jahr 2022 konkurrenzfähiger machen, sie aber auch fordern werden.

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Nach der kurzfristigen Cloud-Einführung während der Pandemie müssen Unternehmen nun nachhaltige sowie umsetzungsorientierte Cloud-Strategien finden und dafür die notwendigen Fähigkeiten und Skills entwickeln.
Nach der kurzfristigen Cloud-Einführung während der Pandemie müssen Unternehmen nun nachhaltige sowie umsetzungsorientierte Cloud-Strategien finden und dafür die notwendigen Fähigkeiten und Skills entwickeln.
(Bild: gemeinfrei // Unsplash)

In den vergangenen zwei Jahren mussten sich Unternehmen teilweise sprunghaft und weitaus früher als gedacht mit dem produktiven Einsatz von Cloud-Lösungen auseinandersetzen. Für die Resilienz des Geschäftsbetriebs war es oft notwendig, sich kurzfristig und mit einer nicht optimalen Strategie in die technische Umstellung zu begeben. So haben sich auch einige 1-zu-1-Migrationen ergeben, die allgemein bekannt wenig Mehrwert bieten, in diesen Fällen aber oft notwendig schienen. Dies gilt sowohl für SaaS-Angebote, als auch für die gesteigerte Nutzung von Cloud-Infrastrukturen und -Plattformen. Viele Unternehmen haben mittlerweile jedoch die Chance genutzt und damit begonnen, über Cloud-Architekturen eine Harmonisierung ihrer IT-Landschaft voranzutreiben.

Für 2022 bedeutet diese Entwicklung, dass gewonnene Erkenntnisse in langfristig orientierte Investments und Projekte einfließen werden. Unternehmen werden neu bewerten, welche Cloud-Strukturen (Infrastruktur, Container, Serverless-Dienste, Plattformen) noch relevant und wirtschaftlich sind. Gleichzeitig werden sie die ersten Früchte neuer Business-Modelle ernten und ihren Kunden neue Dienste und Apps zur Verfügung stellen können, die auf der neuen Architektur basieren.

Diese fünf Cloud-Trends werden 2022 prägen:

1. Cloud-native Plattformen: Cloud Native 2.0

Ein reines Rehosting von alten Anwendungen in der Cloud wird durch Cloud-native Plattformen abgelöst. Diese kombinieren Infrastruktur, Container, Services und APIs individuell. Unternehmen werden versuchen, den drohenden Vendor Lock bei den Services – nicht jede Cloud-Plattform bietet die gleichen Dienste an – durch Open-Source-Tools möglichst gering zu halten. Dazu gehört auch eine Validierung der zahlreichen verschiedenen Plattform-Dienste auf Relevanz fürs eigene Business. Ein Lock-in lässt sich selten im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit und Komplexität vermeiden. Unternehmen gehen daher zunehmend bewusst, aber nicht übereifrig, größere Lock-in-Risiken ein.

2. Composable Enterprise über API-Architekturen

Auch heutzutage hängen viele neue Produkte und Business-Modelle von langjährig etablierten Prozessen, Anwendungen und Business-Logiken ab. Bevor die Unternehmen ihre Backend-Logiken aber aufwendig spiegeln und komplett in der Cloud ersetzen, helfen APIs und Abstraktionsebenen dabei, sie für Dienste und Microservices zugänglich zu machen. Sie bilden einen zentralen Hub, der Enterprise-Anwendungen und Cloud-Lösungen miteinander verbindet. So können Integration und Digitalisierung vorangetrieben werden, ohne in die Kernprozesse der traditionellen IT eingreifen zu müssen.

3. Spezielle Industrie-Cloud-Services

Viele Unternehmen suchen nach speziell zugeschnittenen Cloud-Angeboten, die die Besonderheiten der jeweiligen Branche berücksichtigen. Bis dato haben gerade die großen Anbieter nur Bundles bestehender Standard-Services als ‚Industrie-Angebote‘ verkauft. In diesem Jahr wird jedoch die Nachfrage nach Industry Clouds und standardisierten Lösungen für spezifische Einsatzbereiche wieder wachsen. Auch im Umfeld von Gaia-X gibt es einige Ansätze, wie beispielsweise Catena-X, die genau in diese Richtung gehen. Hyperscaler, Industrie-Software-Anbieter, aber auch Anwendergemeinschaften werden diese Entwicklung vorantreiben.

4. Cloud-Services ersetzen Hardware-Investitionen

Eigene IT-Infrastrukturen und Systeme in Hardware aufzubauen, ist häufig kostenintensiv, komplex und derzeit zusätzlich durch die Chip- und Halbleiterknappheit erschwert. Daher werden Unternehmen vor allem Services von Cloud-Hostern nutzen, um Skaleneffekte zu erzielen. Davon profitieren auch spezialisierte und regionale Service-Anbieter. Diese Verlagerung gilt ebenso für Cybersecurity-Anwendungen, bei denen Zero Trust und ähnliche Konzepte, die mehr auf Software und Governance als auf Hardware setzen, deutlich an Relevanz gewinnen. IT-Sicherheit wird 2022 weniger technisch und reaktiv, sondern stärker kulturell verankert und proaktiv (zunehmend auch durch KI) sein.

5. Anywhere Computing

Die Datenverarbeitung an einem zentralen Ort ist ein Modell von gestern. Vernetzte Fahrzeuge und Maschinen im IoT-Netz erzeugen beispielsweise sekündlich große Datenmengen, die in Echtzeit verarbeitet werden müssen. Anwendungen und Services müssen daher in der Lage sein, an jedem Ort und zu jeder Zeit eine hohe Verarbeitungsleistung anbieten zu können. Dies gelingt nur mit Cloud-Infrastrukturen und Edge Computing, die ortsunabhängig die notwendige Performance zur Verfügung stellen.

Unternehmen sind gezwungen, jetzt zu handeln

Unternehmen müssen 2022 nach der kurzfristigen Krisenbewältigung zu einer langfristigen, nachhaltigen und umsetzungsorientierten Cloud-Strategie finden und dafür die notwendigen Fähigkeiten und Skills entwickeln. Für den Aufbau einer reifen Cloud-Technologielandschaft ist eine Fokussierung auf die eigenen Stärken wichtig – und im Bedarfsfall die Einbindung von externen Dienstleistern. So können Firmen zeitnah auf Veränderungen am Cloud-Markt reagieren.

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Unternehmen sollten dabei nicht abwarten, sondern proaktiv investieren und darauf achten, nicht nur Teile der Organisation weiterzuentwickeln. Dafür ist im Cloud- und Service-Kontext ein hoher Grad an Eigenverantwortung und Geschwindigkeit notwendig.

Ein besonderes Augenmerk in der Cloud-Strategie sollen CIOs und andere Digitalentscheider darauf richten, keine reinen Migrationen vorzunehmen. Vielmehr gilt es, genau auf die Anwendungsfälle und Ziele zu schauen und dafür auf spezifische Cloud-Lösungen in unterschiedlichen Ausprägungen (Private, Public, Hyperscaler, Open-Source) zu setzen.

Die richtige Cloud-Strategie für die nahe Zukunft

Um sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und technisch State-of-the-Art zu sein, sollten Unternehmen ihre IT-Architektur intensiv unter die Lupe nehmen. Entscheidend in der Zukunft wird sein, wie flexibel die Organisation auf Veränderungen reagieren kann. Gleichzeitig sollte sie sich auf ihre Differenzierungsmerkmale fokussieren. Das erfordert Mut und den Willen, bewusst die Komfortzone zu verlassen, um Cloud-Services einzusetzen. Geschickt agieren dabei Entscheider, die auch Budget für Erfahrungen und Rückschläge einkalkulieren.

* Maximilian Hille ist als Head of Consulting bei Cloudflight tätig.

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