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20 Best-Practice-Beispiele

Fraunhofer IAO erarbeitet "New-Work-Landkarte"

| Redakteur: Jürgen Schreier

Was sind die Erfolgsfaktoren einer Arbeitswelt 4.0? Diese und andere Fragen untersucht das Fraunhofer IAO in einem Projekt, das vom Bundesarbeitsministerium gefördert wird. Auf Basis erfolgreicher Praxisbeispiele und einer "New-Work-Landkarte" gibt das Forschungsteam Umsetzungstipps für die Arbeitsgestaltung.

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Flexible Arbeitsumgebungen sind vielfältig. Sie umfassen fallweise mobile Arbeit von unterwegs oder vom Kunden aus genauso wie die standortübergreifende Integration von Arbeits- und Projektteams.
Flexible Arbeitsumgebungen sind vielfältig. Sie umfassen fallweise mobile Arbeit von unterwegs oder vom Kunden aus genauso wie die standortübergreifende Integration von Arbeits- und Projektteams.
( Bild: Pixabay / CC0 )

Die grenzenlosen Möglichkeiten, die neue Technologien und damit einhergehende flexible und agile Strukturen in der Arbeitswelt 4.0 eröffnen, schüren hohe Erwartungen. Die Verwirklichung von "New Work" verheißt etwa zeitliche und räumliche Flexibilisierung sowie Partizipationsmöglichkeiten. Andererseits droht eine Intensivierung von Arbeit und das Verschwinden der Grenze zur Freizeit.

Formen der Arbeitswelt-Flexibilisierung
Formen der Arbeitswelt-Flexibilisierung
( Bild: Fraunhofer IAO )

Flexible Arbeitsumgebungen sind vielfältig. Sie umfassen fallweise mobile Arbeit von unterwegs oder vom Kunden aus genauso wie die standortübergreifende Integration von Arbeits- und Projektteams. Auch Teleheimarbeit erfährt durch neue technische Möglichkeiten eine ungeahnte Renaissance. Verstärkte Abwesenheitszeiten machen zudem Desk-Sharing Modelle, also die Nutzung von Büroarbeitsplätzen durch mehrere Mitarbeiter-/innen, attraktiver.

Arbeitnehmer bewerten mobile Arbeit positiv

Nach der IAO-Studie "Mobile Arbeit - Eine Analyse des verarbeitenden Gewerbes auf der Basis der IG-Metall-Beschäftigtenbefragung 2017" fällt die Gesamtbeurteilung mobilen Arbeitens fällt sehr positiv aus, wobei auch Risiken gesehen werden. 90 Prozent aller Befragten beurteilt mobiles Arbeiten grundsätzlich als positiv.

86 Prozent der Teilnehmer/innen, die mobil arbeiten können, sieht in dieser Form des Arbeitens eine Möglichkeit zur besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben. Die Gefahr der Entgrenzung und die Angst, mehr leisten zu müssen, weil die Arbeitsleistung nicht wahrgenommen wird, ist jedoch bei einigen Beschäftigten mit der Möglichkeit mobilen Arbeitens präsent. Etwa 30 Prozent dieses Teilnehmerkreises haben Angst, mehr leisten zu müssen, weil sie nicht darauf vertrauen, dass ihre Arbeitsleistung in mobiler Arbeit wahrgenommen wird. Heraus resultiert für sie die Gefahr ausufernder Arbeitszeiten.

Erfolgsbeispiele für neue Arbeitskonzepte

Neben den offenkundigen Veränderungen, die die digitale Transformation mit sich bringt, wie etwa ein hohes Maß an Virtualisierung von Arbeitsmitteln, die Vernetzung von Personen und die Flexibilisierung von Arbeitsorten und -zeiten, sind es vorwiegend weiche Faktoren wie Beteiligung, Selbstständigkeit oder Sinnstiftung durch die Arbeit, die ganz neue Anforderungen an Führungskräfte und -systeme stellen: Weg von der Hierarchie hin zu einem eher coachenden, lateralen und unterstützenden Führungsverständnis.

Um einen Überblick über erfolgreiche und übertragbare Umsetzungs- und Ausgestaltungsformen von "New Work" in Unternehmen zu schaffen, führt das Fraunhofer IAO nun im Rahmen eines vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) geförderten Projekts eine Bestandsaufnahme durch. Mit insgesamt 20 Best Practices erstellt das Projektteam eine aktuelle Landkarte des New Work in Deutschland und fasst die wesentlichen erfolgskritischen Umsetzungshinweise zusammen. Gleichzeitig sollen auf Basis der Praxisbeispiele bestmögliche Wege zu einer erfolgreichen Arbeitsgestaltung aufgezeigt werden.

Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung von New Work

"Aus unserer Forschung und vor dem Hintergrund unserer Beratungserfahrungen wissen wir: Der Grundgedanke von New Work, welcher mit mehr Sinnstiftung, Freiheiten und Selbstbestimmung bei der Arbeit einhergeht, kann in der Praxis nur unter bestimmten Bedingungen erreicht werden", erläutert Dr. Josephine Hofmann, Projektleiterin am Fraunhofer IAO.

So unterscheiden sich die Wege und Erfolgsfaktoren der Unternehmen bei der Umsetzung und Ausgestaltung von Arbeit massiv, etwa im Ausmaß der Beteiligung der Mitarbeitenden, im Umfang der sozialpartnerschaftlichen Gestaltung und Regelungsdichte, in der Anwendung der Arbeitsformen auf verschiedene Belegschaftsgruppen oder in der Umfänglichkeit, mit der Mitarbeitende wie Führungskräfte darauf vorbereitet und begleitet werden.

Das Projekt wird durch Zukunftsworkshops unter der Moderation der Universität der Künste Berlin ergänzt und durch die Webpräsenz der betrieblichen Lern- und Experimentierräume des BMAS begleitet. Eine Abschlussveranstaltung mit Ergebnisvorstellung ist für März 2018 geplant.

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