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Künstliche Intelligenz

Forscher wollen Betriebssystem für Fabriken entwickeln

| Redakteur: Katharina Juschkat

Um künstliche Intelligenz besser in die Produktion einbinden zu können, entwickelt ein Forschungsprojekt ein eigenes Betriebssystem für Fabriken.

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Fabriken brauchen ein flexibleres Betriebssystem, wenn Anwendungen der künstlichen Intelligenz funktionieren sollen. Daran forschen jetzt Wissenschaftler.
Fabriken brauchen ein flexibleres Betriebssystem, wenn Anwendungen der künstlichen Intelligenz funktionieren sollen. Daran forschen jetzt Wissenschaftler.
(Bild: Universität Stuttgart IFF / Fraunhofer IPA, Rainer Bez, Heike Quosdorf)

Trotz aller Technologietrends und neuartiger Verfahren: Manche Dinge brauchen ihre Zeit, bis sie in der Industrie umgesetzt werden. So auch die künstliche Intelligenz (KI), über die zwar immer wieder viel zu lesen ist, die aber selten in der Produktion auch angewendet wird. Dafür gibt es zwei wichtige Gründe.

Warum KI noch nicht in der Produktion angekommen ist

Zum einen ist die Produktionstechnik vor allem darauf ausgerichtet, ihre Kernaufgabe zuverlässig zu erfüllen: Sie fertigt Ware. Das Sammeln von Daten geschieht dabei meist ohne zugehörigen Kontext. Die Produktionsdaten nachträglich einem maschinellen Lernverfahren zugänglich zu machen, wäre sehr aufwendig. „Die Systemlandschaft in der Produktion ist aktuell immer noch sehr heterogen und unflexibel“, sagt Daniel Stock vom Kompetenzzentrum Digitools am Fraunhofer IPA.

Zum anderen ist die Furcht vieler Unternehmen, unbedacht Daten für KI-Anwendungen bereitzustellen, groß und teilweise berechtigt: Anbieter von Cloud- oder KI-Dienstleistungen könnten die anfallenden Produktionsdaten für ihre eigenen Zwecke nutzen. „Etablierte Plattform-Anbieter aus dem Ausland könnten sich so das einmalige Prozesswissen der deutschen produzierenden Unternehmen aneignen und dieses Alleinstellungsmerkmal angreifen“, warnt Stock. „Deutsche Unternehmen müssen ihre digitale, technologische Souveränität schützen und in die Lage gebracht werden, eine eigene Infrastruktur für KI zu entwickeln und zu nutzen.“

Offene, echtzeitfähige IT-Architektur für Werker wie Datenanalytiker

Deshalb wollen 26 Forschungspartner im Forschungsprojekt „Fabos“ ein Betriebssystem für die Produktion entwickeln, das eine einheitliche Einbindung von Produktionstechnik sowie Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) ermöglichen soll. Damit soll die Produktions- und Automatisierungstechnik genauso flexibel werden wie die IKT heute schon ist. „Momentan sind das zwei getrennte Welten“, sagt Stock, „aber hochwertige Daten für KI-Anwendungen und die nötigen Synergieeffekte in der Anwendung erhalten wir nur, wenn wir beide zusammenbringen und harmonisieren.“ Den Forschern schwebt deshalb eine Plattform für Werker und Datenanalytiker gleichermaßen vor, die eine offene, verteilte, echtzeitfähige und sichere IT-Architektur besitzt.

Sie soll die wandlungsfähige Automatisierung von Fabriken ermöglichen und die Grundlage eines Ökosystems für datengetriebene Dienste und KI-Anwendungen bilden. Entsprechend den Prinzipien bekannter Betriebssysteme für Computer oder Smartphones, Hardware mit Apps und Programmen zu verknüpfen, soll Fabos eine Plattform für Maschinen, Infrastruktur und KI-Dienste einer kompletten Fabrik werden. Um zu verhindern, dass sich Industrieunternehmen von einem Hersteller abhängig machen, wollen die Forscher teilweise Open-Source-Komponenten und Ansätze von Community- und Crowdsourcing in Fabos integrieren.

Bisher ist das aber noch Zukunftsmusik: Die Partner nehmen im Frühjahr 2020 die Arbeit am Forschungsprojekt auf, das drei Jahre später fertiggestellt werden soll.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal weAutomate erschienen.

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