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"Vetteldämmerung" Formula Student Driverless - Ohne Pilot auf die Piste

| Redakteur: Jürgen Schreier

Der beliebte Konstruktionswettbewerb Formula Student Germany hat eine neue Wettbewerbsklasse: die Formula Student Driverless. Über die Rennstrecke brausen nun fahrerlose, autonome Rennwagen.

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Automes Fahren bei der Formula Student Germany 2017
Automes Fahren bei der Formula Student Germany 2017
(Bild: FSG/Elena Schulz)

Die 13. Formula Student Germany (FSG) läuft auf Hochtouren. 115 Teams aus 24 Nationen zeigen auf der Strecke am Hockenheimring, was ihr selbstgebauter Bolide alles kann. Und weil sich auch die Racing-Welt neuen Mobiltätskonzepten wie dem autonomen Fahren nicht mehr entziehen kann, ist die neue Wettbewerbsklasse Formula Student Driverless (FSD) mit am Start. Rund 4000 Studierende ringen erstmalig in drei Wettbewerbsklassen um den Sieg: in der Formula Student Combustion (FSC), dem traditionellen Wettbewerb mit Verbrennungsmotoren, in der Formula Student Electric, in der die Studierenden auf Elektroantriebe setzen, und in der Formula Student Driverless.

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Gesamtleistung der Studierendenteams entscheidend für den Sieg

15 Teams gehen bei der FSD-Premiere an den Start. In dem zukunftsorientierten Wettbewerb entwickeln die Studierenden einen Rennboliden, der ohne Fahrer im autonomen Modus oder mit Fahrer im manuellen Modus fahren kann. Die Fahrzeuge müssen dabei den technischen Anforderungen einer der beiden schon bestehenden Wettbewerbsklassen entsprechen.

Welcher fahrerlose Renner am Ende den Pokal gewinnt, wird allerdings nicht nur auf Basis der reinen Autonomisierung entschieden. Wie bei der FSG üblich, ist die Gesamtleistung der Studierendenteams entscheidend für den Sieg. So fließen - wie in den bisherigen Wettbewerbsklassen - auch statische und dynamische Disziplinen in die Wertung mit ein. Ludwig Vollrath aus dem FSG-Board erklärt: „Autonomes Fahren wird in Zukunft zum zentralen Baustein der Mobilität. Wir machen den Nachwuchs somit fit für die Karriere in der Industrie. Wir bieten ihnen die Möglichkeit, sich in einem sicheren Umfeld mit den Anforderungen des autonomen Fahrens zu beschäftigen. So können sie sich später im Beruf kompetent in die Entwicklungen zum Thema einbringen.“

Neue Klasse bietet Studierenden der Informatik oder Robotik Chancen

FSD-Experte Steffen Hemer - im "Zivilleben" wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Informatik der TU Kaiserslautern - engagiert sich seit 2015 bei der FSG und hat die neue Wettbewerbsklasse mit initiiert. „Die neue Wettbewerbsklasse soll auch Studierenden zum Beispiel aus den Bereichen Informatik oder Robotik die Möglichkeit bieten, interdisziplinäre Projekterfahrung zu sammeln.“

Der Akademische Motorsportverein Zürich (AMZ), der seit 2006 mit Herzblut bei der FSG dabei ist, ist sofort auf die neue Driverless-Kategorie angesprungen. „Wir wollten von Anfang an bei der Entwicklung dabei sein“, erklärt Fabio Meier, Projektleiter des Teams AMZ Driverless. Er sieht die neue Wettbewerbskategorie FSD als Chance, denn er glaubt: „Mobilität wird sich in den nächsten Jahrzehnten stark verändern. Die Autonomie der Fahrzeuge ermöglicht hier komplett neue Konzepte.“

Reiner Friedrich ist Vice President im Bereich Autonomous Driving bei BMW und als Mitglied in der VDI-Fachgesellschaft Fahrzeug und Verkehrstechnik im Fachbeirat Automatisierung und Vernetzung tätig. Auf der FSD ist er als Juror aktiv. Seiner Meinung nach „verbessert automatisiertes Fahren die individuelle Mobilität – und das von jung bis alt. Hierbei werden viele Technologien angewendet. Dabei gilt für uns natürlich safety-first.“

Auch für Bernhard Bihr, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bosch Engineering GmbH, ist die FSG jedes Jahr ein Highlight. „Als Unternehmen sind wir bereits seit vielen Jahren aktiv dabei und unterstützen hochmotivierte und interdisziplinär arbeitende Teams bei ihrer Arbeit. Dass mit dem Reglement der Formula Student Driverless nun auch das Thema des hochautomatisierten Fahrens Einzug hält, begrüße ich sehr.“

Das böte jungen Nachwuchskräften einmal mehr die Chance, sich mit den Herausforderungen der Praxis zu beschäftigen und das in einem der vielleicht zukunftsträchtigsten Felder der Automobilindustrie. Weltweit arbeiten fast 3000 Bosch-Entwickler an der Weiterentwicklung von Fahrerassistenzsystemen und damit am automatisierten Fahren.

Es zählen Leistungsbereitschaft, Teamgeist, Disziplin und Sachverstand

Die Formula Student ist mehr als nur Geschwindigkeit. Leistungsbereitschaft, Teamgeist, Disziplin und Sachverstand: Auf diese Eigenschaften kommt es nicht nur während der FSG an, sondern auch im späteren Berufsleben. Für alle Studierenden, die am Anfang ihrer Ingenieurkarriere stehen, ist die FSG ein perfektes Sprungbett. Denn die Teilnehmer müssen nicht nur ingenieurwissenschaftliches Geschick beweisen, sondern ein anspruchsvolles Gesamtpaket abliefern. Neben den drei statischen Disziplinen werden die Fahrzeuge in den fünf dynamischen Disziplinen auf ihre Praxistauglichkeit beim Rennen geprüft.

Die Studierenden führen bei den statischen Disziplinen der Jury ihre Konstruktionen (Engineering Design), Kostenplanung (Cost Analysis) und das Geschäftsmodell (Business Plan Presentation) vor. Zu entwerfen und zu bauen ist ein Prototyp für eine mögliche Serienproduktion mit dem nicht-professionellen Wochenendrennfahrer als Zielperson.

Mit jeder dynamischen Disziplin werden unterschiedliche Eigenschaften des Autos getestet. Bei „Acceleration“ wird beispielsweise gemessen, wie schnell das Auto aus dem Stand beschleunigt werden kann. Weitere Tests stehen im Skid Pad/Wet Pad, Autocross, Fuel/Energy Efficiency und im Endurance-Rennen an. Letzteres stellt die Hauptdisziplin mit der höchsten erreichbaren Punktzahl dar. Am Sonntagabend entscheidet sich dann, welche Teams in diesem Jahr in der FSD, der FSE und in der FSC als Gewinner hervorgehen.

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