Autonomes Fahren Ford will autonomes Fahrzeug bis 2021 in Serie produzieren

Redakteur: Katharina Juschkat

Der Autohersteller Ford plant die Großserienproduktion eines voll autonomen Autos, das schon ab 2021 auf den Straßen fahren soll. Das Fahrzeug soll für Anbieter digitaler Mobilitätsdienstleistungen wie Ride Sharing entwickelt werden. Dafür startet Ford mit vier Technologie-Unternehmen Kooperationen und Beteiligungen.

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Ein autonom fahrender Ford Fusion Hybrid, Versuchsträger auf den Straßen von Dearborn. In diesem Jahr noch will das Unternehmen seine Flotte an autonomen Testträgern verdreifachen.
Ein autonom fahrender Ford Fusion Hybrid, Versuchsträger auf den Straßen von Dearborn. In diesem Jahr noch will das Unternehmen seine Flotte an autonomen Testträgern verdreifachen.
(Bild: obs/Ford-Werke GmbH)

Ford plant, ein voll autonomes Fahrzeug zu entwickeln, das ab 2021 in Großserie produziert werden soll. Es wird weder Lenkrad noch Pedale besitzen und dem Autonomie-Level 4 auf der fünfstufigen Skala der Society of Automotive Engineers (SAE) entsprechen. Ford will das Fahrzeug konkret für den Einsatz bei digitalen Mobilitätsdienstleistern entwickeln, die das Fahrzeug für Dienste wie Ride Sharing und Robotaxi einsetzen können und es in Großserie fertigen. Um die Entwicklung des autonomen Fahrens zu beschleunigen, investiert das Unternehmen in Technologieunternehmen und startet Kooperationen. Das eigene Entwicklerteam im Silicon Valley soll um 100 % aufgestockt, die Fläche des Palo Alto Campus soll nahezu verdoppelt werden.

Autonomes Fahrzeug soll ab 2021 mehr Sicherheit im Straßenverkehr bringen

„Das nächste Jahrzehnt steht im Zeichen der Automatisierung des Autos. Wir glauben, dass autonome Fahrzeuge erhebliche Bedeutung für die Gesellschaft erlangen werden – ähnlich wie die Erfindung der Fließbandfertigung durch Henry Ford vor 100 Jahren“, sagt Mark Fields, Präsident und CEO der Ford Motor Company. „Wir sind entschlossen, ein autonomes Fahrzeug auf die Straße zu bringen, das die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht und Lösungen für aktuelle gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen bietet. Das gilt für Millionen von Menschen und nicht nur für solche, die sich Luxusautos leisten können.“ Die Entwicklung eines selbstfahrenden Autos bis 2021 ist Bestandteil des Smart-Mobility-Plans von Ford. Er soll das Unternehmen zum Marktführer für autonome Fahrzeuge und deren Konnektivität machen.

Das erste voll autonome Fahrzeug von Ford basiert auf dem Wissen aus etwa zehn Jahren Forschung und Entwicklung im Bereich der selbstfahrenden Autos. Das für Mobilitätsdienstleister entwickelte Fahrzeug mit dem SAE-Autonomie-Level 4, das weder über Lenkrad noch Pedale verfügen soll, soll in hohen Stückzahlen auf den Markt kommen.

„Ford entwickelt und erprobt jetzt seit mehr als zehn Jahren autonome Fahrzeuge“, erklärt Raj Nair, Ford Executive Vice President, Global Product Development und Chief Technical Officer. „Damit sind wir in der Lage, Software und Sensortechnologien mit fortschrittlichen Entwicklungslösungen und qualitativer Fahrzeugfertigung zu verknüpfen. Durch diese Kombination wollen wir ein selbstfahrendes Auto für Millionen von Menschen rund um den Globus Wirklichkeit werden lassen.“

Autonomes Fahrzeug fährt bei völliger Dunkelheit

In diesem Jahr will das Unternehmen seine Flotte an autonomen Testträgern verdreifachen. Mit rund 30 Autos verfügt Ford dann nach eigenen Angaben über die meisten autonomen Fahrzeuge. Im kommenden Jahr soll die Testflotte voraussichtlich erneut verdreifacht werden.

Als erster Automobilhersteller testete das Unternehmen autonome Autos in „Mcity“ – bei diesem groß dimensionierten Freiluftlabor der University of Michigan/USA handelt es sich um eine Nachstellung von urbanen Strukturen mit Gebäudeattrappen und einem acht Kilometer langen Straßennetz inklusive Kreisverkehr, Ampeln, einem Tunnel, Baustellen, Fußwegen, einer Brücke sowie Fahrbahnen mit unterschiedlichen Oberflächen. Darüber hinaus forcierte der Autohersteller die Entwicklung autonom fahrender Autos mit Testfahrten im Schnee. Zuletzt testete das Unternehmen das erste autonome Fahrzeug, das bei Nacht in völliger Dunkelheit fahren kann. Mit der Lidar-Sensortechnologie fuhr der Versuchsträger selbstständig ohne Einsatz der Scheinwerfer auf einer Wüstenstraßen in den USA.

Die Technologien und Partnerschaften von Ford

Velodyne: Ford investiert in Velodyne, Marktführer in der Entwicklung von Lidar-Sensoren. Der Hersteller nutzt die Sensoren bereits seit etwa einem Jahrzehnt für das autonome Fahren sowie bei der Erstellung hochauflösender 3D-Umgebungskarten. In Zukunft soll diese Technik auch in Serienmodellen von Ford zum Einsatz kommen.

Saips: Ford hat das israelische Unternehmen gekauft, das fortschrittliche Technologien im Bereich der künstlichen Intelligenz konstruiert. Saips entwickelt Bilderkennungs- und Videoverarbeitungsalgorithmen, Signalverarbeitung und -klassifizierung, die dem System selbständiges Lernen ermöglichen. Dieses Wissen soll dazu beitragen, dass sich autonome Fahrzeuge künftig besser auf Veränderungen in der Umgebung einstellen und anpassen.

Nirenberg Neuroscience LCC: Ford sicherte sich die Lizenz an den Produkten von Nirenberg Neuroscience. Die Neurowissenschaftlerin und Firmengründerin Dr. Sheila Nirenberg knackte den neuronalen Code, mit dem unsere Augen das Gesehene an unser Gehirn übertragen. Basierend auf diesen Erkenntnissen entwickelte die Wissenschaftlerin unter anderem eine Vorrichtung, die Patienten mit Netzhauterkrankungen die Sehkraft zurückgibt. Zu den weiteren Errungenschaften Nirenbergs zählt auch eine Bildverarbeitungstechnologie, die Objekte und Gesichter erkennen kann. Mithilfe dieser Technik sollen Navigationsanwendungen und Assistenzsysteme ein neues Level erreichen.

Civil Maps: Ford hat in das Unternehmen aus dem kalifornischen Berkeley investiert, das sich durch die Erstellung hochauflösender 3D-Karten einen Namen gemacht hat. Mit skalierbarer und hoch effizienter 3D-Kartentechnik hat Civil Maps Pionierarbeit geleistet und wird die Umgebungsscanner der autonomen Fahrzeuge von Ford weiter verbessern.

Ford baut Präsenz im Silicon Valley und auf dem Hightech-Campus Palo Alto aus

Gleichzeitig investiert das Unternehmen in seinen Standort im Silicon Valley, in der Hightech-Hauptstadt Palo Alto. Das im Januar 2015 eröffnete Research and Innovation Center in Palo Alto soll um zwei neue Gebäude mit insgesamt 14.000 m2 an Labor- und Arbeitsräumen erweitert werden. Parallel zur Erweiterung des Campus bis Mitte 2017 will Ford die Belegschaft in Palo Alto bis Ende 2017 annähernd verdoppeln.

„Unsere Präsenz im Silicon Valley ist wichtig, um schneller zu lernen und Projekte des Smart-Mobility-Plans in Produkte umzusetzen”, sagt Ken Washington, Ford Vice President Research and Advanced Engineering. „Wir wollten Teil dieser lebendigen Forschungslandschaft werden. Heute arbeiten wir mit mehr als 40 Start-ups zusammen und arbeiten aktiv mit vielen Firmengründern zusammen. Auf diese Weise beschleunigen wir die Entwicklung von Technologien und Dienstleistungen.” (kj)

Dieser Beitrag erschien zunächst auf unserem Partnerportal KONSTRUKTIONSPRAXIS

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