Innovationsfähigkeit

Festgefahren oder Querdenker - wie sich die deutsche Wirtschaft jetzt verändern muss

| Autor / Redakteur: Dr. Christoph Schlünken / Sebastian Human

Innovationen als Team voranzutreiben, ist ein Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg.
Innovationen als Team voranzutreiben, ist ein Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg. (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Die digitale Zukunft eines Landes entscheidet sich über Innovationsfähigkeit. Doch im weltweiten Wettbewerb laufen deutsche Unternehmen Trends oft genug hinterher. Sind wir technologisch fit genug? Drei Vorschläge für die Zukunft des Innovationsmotors Deutschland.

Sich auf bereits verdienten Lorbeeren auszuruhen, ist selten ein Weg zu langfristigem Erfolg. In Zeiten der Digitalen Transformation kommt der Fähigkeit – oder wichtiger, der Bereitschaft – zu Innovationen daher noch immer essentielle Bedeutung zu.

1. „Old Economy meets new Economy“ = Innovation „Made in Germany“

Deutsche Unternehmen rufen nach Fortschritt, scheuen jedoch Veränderungen. Doch Traditionen kippen. Den Aufstieg als Wirtschaftsnation verdankt Deutschland den traditionell starken Industriezweigen Automobil, Maschinenbau und Chemie – wir müssen deren hochspezialisierte Hightech- und Schlüsseltechnologien trotz aktueller Krisen miteinander verbinden, um die Zugkraft dieses Technikvorsprungs auszuschöpfen. Dabei können wir auf eine hohe Markt- und Produktintelligenz bauen, um den Standort Deutschland mit Internationalität zu entwickeln.

Doch wir tun das nur bedingt: Das Investment deutscher Konzerne in hiesige Startups hat sich in den vergangenen fünf Jahren verfünffacht, so eine aktuelle Studie des Bundesverbands Deutscher Startups. Doch beunruhigend sind drei Ergebnisse: Nur 23 Prozent dieser Investitionen haben das Ziel, innovative Produkte zu entwickeln, bei allen anderen geht es um neue Geschäftsmodelle. Da verwundert es nicht, dass mit nur 14 Prozent an vierter Stelle eine einzige Branche des verarbeitenden Gewerbes vertreten ist – die Automobilindustrie (nach Telekommunikation, Finanzdienstleistungen, Medien). Investment in Innovation muss künftigen Lösungen und Anwendungen gelten, wie sie aktuell die gedruckte Elektronik und der Digitaldruck erfolgreich abbilden. Deren Kapazität muss durch die unterschiedlichen Branchen genutzt und für die Zukunft aufgestellt werden.

Und der Mittelstand? An dem klassischen Rückgrat und Alleinstellungsmerkmal der deutschen Wirtschaft, so Bitkom e.V., geht das Thema weitgehend vorbei.

Internationale Wettbewerbsfähigkeit werden wir aber nur erhalten, indem wir innovative Produkte und qualitativ hochwertige Verfahren auf der Basis bewährter Technik entwickeln.

2. Innovation braucht Kulturwandel. Und Geld.

Wer in Zukunft investiert, muss bereit sein, Risiken in Kauf zu nehmen – das gehört zwingend zur Innovationsfähigkeit. Dieser Mut fehlt hierzulande häufig. Doch erfolgreiche Innovationskultur funktioniert nur mit Offenheit, Transparenz und Transformation. Diversität ist ebenso essentiell wie ein qualitativ orientiertes Recruiting von Experten, Partnerschaften zwischen Wirtschaft und Bildung, kluges Wissensmanagement und Grundlagenforschung.

Einerseits wissen wir um unser Potential, andererseits setzen wir es aber nicht mutig genug ein, zumindest mit Blick auf die disruptiven Technologien des 21. Jahrhunderts. Dieser Widerspruch setzt sich im Investitionsverhalten für Innovationen fort: Deutschland investiert zu wenig in die Ideen von morgen.

Das zeigte auch bereits der „Industrie-Innovationsindex 2017“, eine Umfrage der ALTANA AG unter 500 Führungskräften und Berufseinsteigern großer deutscher Unternehmen. Dabei gaben zwar 46 Prozent der Befragten an, mehr in Innovation investieren zu wollen, aber in Sachen Kooperationsmaßnahmen für Innovation landete das Thema „Start-up Investment“ auf dem letzten Platz. Auch die High Potentials von morgen urteilen skeptisch: Weniger als die Hälfte der befragten Berufseinsteiger glauben an die Risikobereitschaft ihres Arbeitgebers.

3. Auf die Talente kommt es an

Innovation braucht Querdenker, Experten, Generationenaustausch. Wir müssen nicht nur in die naturwissenschaftliche (Aus-)Bildung in Schule und Universität investieren, sondern Berufsbilder wie Ingenieur, Chemiker, Physiker, Maschinenbauer für junge Leute attraktiver machen, also an die Herausforderungen von heute anpassen. Wesentlich wird es sein, die Digitalisierung in die Ausbildung und Wissenschaft einfließen zu lassen. Nur so können wir im globalen Wettbewerb des „War of Talents“ punkten.

In der Chemieindustrie sehen wir täglich, wie rasant sich Berufsbilder und Qualifikationen verändern; heute brauchen wir den Chemiker mit Know-how in Sachen Polymere, morgen mit Kenntnissen im Metalldruck. Digitalisierung und Automatisierung lassen althergebrachte Grenzen verschwimmen, die jeweils innovativste Anwendung gibt den Takt vor.

Aber Deutschland bietet beste Voraussetzungen, um diese Herausforderung zu bewältigen: unser duales Bildungs- und offenes Universitätssystem, die Expertise unserer Wissenschaft und starke Unternehmen.

Innovation muss neue Pfade wagen und an das Unmögliche glauben. Als Vorreiter und Unternehmer müssen wir diese Offenheit und diesen Mut haben und damit Zuspruch und Ansporn für den Standort Deutschland geben.

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