Kollaboration im IoT

Fehlende Interoperabilität bremst die Evolution des IoT

| Autor / Redakteur: Axel Godoy / Sebastian Human

Obwohl es die Technik längst zuließe, schrecken viele IT-Entscheider vor Projekten für echte Interoperabilität bislang zurück.
Obwohl es die Technik längst zuließe, schrecken viele IT-Entscheider vor Projekten für echte Interoperabilität bislang zurück. (Bild: Pexels / CC0)

Das Internet der Dinge hat das Potenzial, völlig neue Geschäftsmodelle zu kreieren. Doch dafür müssen Lösungen gefunden werden, die über die Verbindungen zwischen zwei Parteien hinausgehen.

Das Internet ist heute so alltäglich wie unverzichtbar. Wir sind mehrfach täglich online – viele sogar durchgehend. Das gilt neben Laptop und Smartphone auch für Fitnesstracker, Kleidung, Autos oder auch Haushaltsgeräte, die Informationen ins Netz senden und empfangen. Tendenz steigend: Laut einer Studie des Bitkom verfügt inzwischen etwa jeder vierte Bundesbürger über eine Smart-Home-Anwendung. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich dabei Lösungen für die Beleuchtung und Videoüberwachung.

Was für die Verbraucher gilt, trifft auf Unternehmen in weit größerem Maße zu. Doch die vollständige digitale Transformation ist heute noch ebenso Vision wie autonomes Fahren oder humanoide Roboter. Unternehmen setzen bereits auf digitale Strukturen, Tools und Ressourcen, doch sie sehen sich auch vielfältigen Herausforderungen ausgesetzt.

Netz der begrenzten Möglichkeiten?

Das gilt auch und vor allem für das Internet of Things (IoT), in dem sich Geräte untereinander verständigen und interagieren können. Über das IoT ist bereits viel geschrieben und gesagt worden, Chancen wurden identifiziert und Perspektiven ausformuliert. Tatsächlich nutzen viele Unternehmen bereits IoT-basierte Lösungen – und suchen doch nach Möglichkeiten, sich das volle Potenzial zu erschließen.

Besonders relevant wird das im Zusammenhang mit erweiterten Produkten über das eigene Portfolio hinaus. Einerseits wollen und müssen die IoT-Anbieter dem Wunsch der Verbraucher nach umfassender Vernetzung nachkommen, andererseits sind sie sich auch der Grenzen ihrer eigenen Handlungsfähigkeit bewusst.

Silolösungen blockieren Entwicklung

Das Problem: Faktisch gibt es das Internet der Dinge (noch) gar nicht. Vielmehr sind es viele kleine, geschlossene Ökosysteme, die mehr oder weniger nebeneinander existieren. Das sind Silolösungen, in denen die Vorteile nahtloser Interoperabilität nicht genutzt werden. Genau das aber steht im klaren Gegensatz zum eigentlichen Wesen des IoT, nämlich die Kombination verschiedener, teils traditioneller Angebote, mit neuen Funktionen.

Dieses Silodenken führt zu zahllosen so genannten Single-Case-Anwendungen, die nicht miteinander verbunden sind und damit den potentiellen Nutzen erheblich einschränken. Das allseitig prognostizierte starke Wachstum vernetzter Geräte könnte damit im schlechtesten Fall zur Makulatur werden. Nahtlose Konnektivität wird dagegen künftig ein Qualitätsmerkmal und Kaufargument sein.

Konnektivität bedeutet Aufwand

Dabei ist das Ganze keine Frage der Technik, denn die ist in weiten Teilen vorhanden und verfügbar. Vor Projekten für echte Interoperabilität schrecken IT-Entscheider dennoch zurück, weil sie Aufwand und Kosten scheuen. Auch die dafür notwendige Expertise stellt manche Unternehmen vor Herausforderungen. Doch diese Argumente kann man diskutieren. Entscheidend ist, eine mentale Hürde zu überwinden: Wir müssen Kollaboration und „Shared Economy“ neu denken. Dafür braucht es Gespräche und Vertrauen, eine Abkehr von Eins-zu-eins-Lösungen hin zu Multi-Partner-Strategien und eine wirtschaftliche Lösung für materielle und zeitliche Aspekte.

Die Lösung ist naheliegend: Mit einer IoT-Plattform im Hintergrund werden die einzelnen Akteure von den Aufgaben und Herausforderungen einer weiter gefassten Vernetzung entlastet. Eine solche Plattform macht den Weg frei für ein unternehmens- und branchenübergreifendes IoT, vor allem aber für neue Geschäftsmodelle mit mehr vernetzten Geräten und Services. Der erste Schritt zu einer Shared Economy und einer kollaborativen Marktstrategie wäre damit getan.

Mehr als Interoperabilität: Marktplatz für Kollaboration im IoT

Ein kombiniertes Angebot aus Plattform, Marktplatz, Use Case Designer und Matchmaking erfüllt die dafür nötigen Voraussetzungen: Skalierbarkeit, Multi-Cloud-Fähigkeit, maximale Flexibilität und das Zusammenbringen potentieller Partner. Wie eine IDG-Studie zeigt, spielt insbesondere die Skalierbarkeit eine zentrale Rolle, denn die Zahl der IoT-Geräte nimmt weiter zu. Neben den APIs legen die Studienteilnehmer auch erhöhten Wert auf die Unterstützung möglichst vieler Kommunikationsprotokolle, eine gesicherte Interoperabilität sowie ebenfalls vielfältige Schnittstellen zu Drittsystemen.

Die Ergebnisse zeigen, dass Sicherheit und Flexibilität die maßgeblichen Eckpunkte im Leistungsspektrum einer IoT-Plattform bilden sollten. Das Modell einer Platform-as-a-Service (PaaS) bietet beides. Sie vernetzt Geräte, Dienstleistungen und Daten in der Cloud und erlaubt damit einen sicheren und umfassenden Datenaustausch – die Basis für Interoperabilität.

Neue Geschäftsmodelle, neue Wertschöpfung

Diese Vernetzung erweitert nicht nur vorhandene IoT-Anwendungsszenarien. One-to-many-Konnektivität schafft vielfältige Kollaborationsmöglichkeiten für gänzlich neue Use Cases, Produkte und Services. Neue Ideen lassen sich so schneller und kostengünstig verwirklichen. Wenn dann immer mehr Geräte mit immer mehr Services sprechen, profitiert davon letztlich der Verbraucher in seinem zunehmend smarten Alltag.

Wie eine Studie von Deloitte deutlich macht, haben die privaten Anwender sehr konkrete Vorstellungen. Über 80 Prozent der jüngeren Studienteilnehmer wünschen sich eine Erweiterung von Smart Home-Systemen. Die Mehrheit möchte zudem ihre Smart Devices generell nahtlos mit Geräten andere Anbieter verbinden können. Im Vordergrund steht hier, sich die persönliche smarte Lebenslandschaft individuell zusammenstellen zu können. Mithilfe der richtigen IoT-Plattform können die Anbieter nicht nur die Konnektivität eigener Produkte erhöhen, sondern auch völlig neue, innovative Lösungen anbieten. Denn der Erfolg liegt künftig nicht mehr nur im Absatz von Geräten, sondern vor allem in den angebotenen Services, die auf Basis bestimmter Daten Mehrwerte für den Kunden liefern.

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