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Dieser Beitrag ist im Rahmen des Themenspecials "Industrie 4.0" erschienen.

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AR-Brille Fahrerlose Transportsysteme intuitiv mit Gesten und Blicken steuern

| Redakteur: Katharina Juschkat

Forscher des Fraunhofer IPH haben eine Software entwickelt, mit der sich fahrerlose Transportsysteme intuitiv und ohne Vorkenntnisse steuern lassen. Warum das vor allem für den Mittelstand interessant ist.

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Blick durch die AR-Brille: Mit einem virtuell eingeblendeten Joystick kann der Logistikmitarbeiter das FTS bewegen.
Blick durch die AR-Brille: Mit einem virtuell eingeblendeten Joystick kann der Logistikmitarbeiter das FTS bewegen.
(Bild: Fraunhofer IPH, Florian Kreutzjans)

Fahrerlose Transportsysteme (FTS) sind natürlich vorrangig dazu gedacht, selbstständig und ohne menschliches Eingreifen durch die Lagerhallen zu fahren. Wenn es aber zu Störungen oder unerwarteten Hindernissen kommt, muss manuell eingegriffen werden – das ist jedoch oft schwieriger als es klingt. Deshalb haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Produktion Hannover (IPH) jetzt eine intuitive Steuerung entwickelt, für die es lediglich eine AR-Brille braucht.

Wenn ein FTS nicht weiter kommt

Bleibt ein FTS an einem Hindernis stehen oder sind unerwartete Transportaufträge zu erledigen, muss ein Mitarbeiter manuell eingreifen. Das geschieht in der Regel manuell über die Leitsteuerung. Die Leitsteuerung legt fest, welches Fahrzeug auf welcher Route welche Aufträge in welcher Reihenfolge erledigt. Um hier einzugreifen, sind Fachkenntnisse notwendig sowie spezielle Zugriffsrechte, die aus Sicherheitsgründen normalerweise nur ein oder zwei Mitarbeiter im Betrieb besitzen. In kleinen Unternehmen kann es sein, dass niemand auf die Leitsteuerung zugreifen kann und bei jeder Störung der Hersteller des FTS angerufen werden muss.

FTS mit der AR-Brille steuern

Entwickler Florian Kreutzjans zeigt, wie die Steuerung per AR-Brille funktioniert.
Entwickler Florian Kreutzjans zeigt, wie die Steuerung per AR-Brille funktioniert.
(Bild: Fraunhofer IPH, Susann Reichert)

Das Fraunhofer IPH hat eine Software-Lösung entwickelt, die FTS mit einer AR-Brille intiutiv und mobil steuerbar macht – ohne spezielle Ausbildung.

Mobil heißt, dass der Mitarbeiter irgendwo in der Fabrik in Sichtweite des Fahrzeugs stehen kann, statt weit entfernt an einem Computer zu sitzen. Und intuitiv heißt, dass der Mitarbeiter mit den Fahrzeugen über Blickkontakt, Sprache und Gesten kommuniziert.

Dazu setzt sich der Logistikmitarbeiter die AR-Brille auf und kann sich anschließend einen dreidimensionalen Joystick einblenden lassen. Damit steuert er das Fahrzeug mit wenigen Handbewegungen beispielsweise um Hindernisse herum oder zu Stationen, die nicht einprogrammiert sind, etwa bei chaotisch abgestellten Lieferungen im Wareneingang. Auch bei außerroutinemäßigen Transportaufträgen kann eine manuelle Steuerung sinnvoll sein. Fahrerlose Fahrzeuge dürfen nur Waren transportieren, die bestimmte Maße nicht überschreiten. Bei übergroßen oder sperrigen Gütern kann ein Logistikmitarbeiter das Fahrzeug manuell steuern und schauen, dass es nirgendwo hängen bleibt.

Alternativ zur Gestensteuerung kann der Mitarbeiter auch die Sprachsteuerung aktivieren, einzelne FTS auswählen und ein Fahrtziel vorgeben, beispielsweise: „AGV 3, go to station 5.“ AGV steht für „Automated Guided Vehicle“. Die Sprachsteuerung eignet sich für außerplanmäßige Transportaufträge. Damit könnten FTS wesentlich flexibler eingesetzt werden – was bisher oft zu aufwändig ist.

Vor allem für Mittelständler interessant

Besonders für kleine und mittlere Unternehmen soll die intuitive Steuerung eine Erleichterung sein, da ihnen häufig die Fachkenntnisse fehlen, um über die Leitsteuerung Störungen zu beheben oder außerplanmäßige Transportaufträge zu erteilen. Aus diesem Grund sind FTS auch häufig noch nicht bei Mittelständlern vorzufinden – sie sind bisher zu unflexibel.

Zu kaufen gibt es das System derzeit noch nicht, dafür fehlt den Wissenschaftlern noch ein Industriepartner, der es gemeinsam mit ihnen zur Marktreife entwickelt. Allerdings kann man den Demonstrator, der im Forschungsprojekt entstanden ist, im IPH ausprobieren.

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