Maker Spaces FabLabs in Deutschland: Mehr als nur eine Bewegung

Autor / Redakteur: Nadja Weber* / Vivien Deffner

Ob individuell angefertigte Orthesen oder 3D-gedruckte Schutzvisiere in der Covid-19-Pandemie – FabLabs stellen die Weichen für innovative Produktentwicklungen und agile Fertigungsprozesse. In Deutschland werden die Strukturen der FabLabs trotz des Potenzials bis jetzt noch selten genutzt.

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In FabLabs enstehen neue Technologien und Ideen. Adriana Cabrera arbeitet bereits mehrere Jahre in FabLabs in Deutschland.
In FabLabs enstehen neue Technologien und Ideen. Adriana Cabrera arbeitet bereits mehrere Jahre in FabLabs in Deutschland.
(Bild: matrix GmbH)

FabLabs zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Synthese von Wissenschaft und Praxis aus und gelten als Impulsgeber für grundlegende Erneuerungen in der Wirtschaft. Die Fabrikationslabore – auch MakerSpaces genannt – verstehen sich als offene High-Tech-Werkstätten, in denen Ideen verwirklicht werden können, von der Konstruktionsskizze bis hin zu einem fertigen Prototyp. Hierfür stehen Material und eine entsprechende Ausstattung wie 3D-Drucker, 3D-Scanner und Laser Cutter zur Verfügung. Durch die Gestaltungsmöglichkeiten im FabLab werden herkömmliche Produktionsprozesse aufgebrochen. Interessierte, Studierende, Gründerinnen und Gründer sowie Geschäftsleute jeder Branche erhalten einen Einblick und Zugang zu moderner Fertigungstechnologie und somit die Möglichkeit, an Entwicklungen teilzuhaben und diese aktiv mitzugestalten. Mithilfe neuer, digitaler Technologien entstehen in der FabLab-Gemeinschaft oftmals Projekte von gesellschaftlichem Nutzen und Relevanz.

Innovationen, die Menschen im Alltag unterstützen

Adriana Cabrera engagiert sich seit vielen Jahren in der Maker-Bewegung und in mehreren FabLabs in Deutschland. Die Industriedesignerin arbeitet dort mit der Community zusammen und war unter anderem am Aufbau des FabLabs an der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort beteiligt. Sie ist in den Bereichen Healthcare sowie der Forschung zu intelligenten Textilien und Materialien aktiv. Ihr besonderes Interesse gilt den sogenannten Soft Robotics, weiche Roboter, die aus weichen Materialen hergestellt sind und die auf die Umgebung reagieren: „Sie unterstützen Menschen in ihrem Alltag und bei der Arbeit, können dazu beitragen, ein freundliches Arbeitsumfeld zu schaffen und ermöglichen ihnen, schwere und besonders komplizierte Tätigkeiten auszuüben.“ Die Einsatzgebiete sind vielfältig, von der Industrie über die Gesundheitswirtschaft und Landwirtschaft bis hin zur Freizeit.

Neben der Entwicklung innovativer Produkte und nachhaltiger Lösungen zeichnet sich die FabLab-Community durch den Austausch und den Netzwerkgedanken aus. Cabrera gibt ihr Wissen als Dozentin für Soft Robotics in der Fab Foundation weiter und leitet die Fabricademy in Deutschland – eine transdisziplinäre Fortbildung rund um die Themen Soft Robotics, Wearables, E-Textiles und BioFabricating Materials, die durch ein globales Netzwerk in 15 Ländern parallel durchgeführt wird: „Im FabLab habe ich einen Ort gefunden, in dem ich meine Fragen, meine Ideen und mein Wissen mit Menschen aus vielen Kulturen und einer weltweiten Community teilen kann. Gemeinsam suchen wir nach neuen technologischen Lösungen, die Menschen wirklich weiterbringen können.“

Die Innovationskraft von FabLabs lokal nutzen

Die FabLab-Community ist international, mit dem Ziel, durch die globale Zusammenarbeit lokale Entwicklungen zu unterstützen. Gerade für KMU (kleine und mittlere Unternehmen), die über keine eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen verfügen, ist die Zusammenarbeit mit FabLabs von besonderem Interesse. In Zeiten der digitalen Transformation gewinnen praktische Fragen rund um neue Werkstoffe, neue digitale Konstruktions- und Fertigungstechniken sowie neue Produktideen und Produktgestaltungen an Bedeutung.

Über FabLabs erschließen sich die KMU ein weltweites Netzwerk an meist jungen Kompetenzträgern, die zu den besten in ihren jeweiligen Disziplinen gehören. Das ist über die FabLab-Strukturen und ihre Partner einfach, wird jedoch noch selten genutzt. Die Idee, global verfügbares Wissen für lokale Fragestellungen zu erschließen ist in der Community als „Glocalisation“ bekannt: Die Welt als ein Dorf begreifen.

FabLabs bieten neben einem Raum für neue Technologien auch Platz für den Wissenstransfer. „Durch die jahrelange Arbeit in der FabLabs Community, insbesondere in Deutschland, gibt es hier eine außergewöhnliche Fertigungskultur. Sie basiert auf der Tradition der sogenannten ,Meister‘, die auf einem jahrtausendealten Wissen über Spitzenleistungen in der handwerklichen Fertigung beruht“, betont Cabrera, die für die matrix GmbH & Co. KG als Senior Consultant in der Produktentwicklung tätig ist. Mit dem Anspruch, mit gleicher Ambition Vorreiter bei zukunftsweisenden Spitzentechnologien zu sein, wollen FabLabs in Deutschland junge Menschen, ältere Generationen und Unternehmen an einem Ort erreichen.

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Durch ihre Atmosphäre des gemeinsamen und freien Schaffens ist die FabLab-Community nicht nur für die Wirtschaft von wachsendem Interesse. Sie arbeitet an den Schnittstellen, an denen die rasante Entwicklung von Hardware und digitalen Technologien die Umwelt und den Menschen stark beeinflussen. Dadurch birgt sie das Potenzial als Mittler zwischen verschiedenen Welten zu fungieren: der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Politik.

* Nadja Weber arbeitet im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Marketingkommunikation bei der matrix GmbH & Co. KG.

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