Expertenbeitrag

 Rafaela Sieber

Rafaela Sieber

Fachteamlead AR/VR, T-Systems Multimedia Solutions

XR Collaboration in der Industrie Extended Reality: Potenziale für Zusammenarbeit nutzen

Autor / Redakteur: Rafaela Sieber / Sebastian Human

Wenn XR Collaboration Tools in der Industrie zum Einsatz kommen, dann bisher meist für Wartung und Instandhaltung. Dabei bergen die Technologien noch ganz andere Potenziale.

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XR-Anwendungen, zu denen auch Virtual Reality zählt, werden bislang primär zu Wartungszwecken eingesetzt, doch hier ist noch lange nicht das Ende potenzieller Einsatzmöglichkeiten erreicht.
XR-Anwendungen, zu denen auch Virtual Reality zählt, werden bislang primär zu Wartungszwecken eingesetzt, doch hier ist noch lange nicht das Ende potenzieller Einsatzmöglichkeiten erreicht.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Augmented, Virtual oder Mixed Reality-Anwendungen sind in der Industrie keine Fremdwörter mehr, sondern kommen in vielen Unternehmen bereits zum Einsatz. Am häufigsten finden diese Technologien bei der Wartung und Instandhaltung von Anlagen und Maschinen Verwendung. Mit den Beschränkungen, die dieses Jahr aufgrund der Covid-19-Pandemie notwendig sind, haben sich jedoch noch weitere Einsatzgebiete für XR Collaboration Tools als lohnenswert herausgestellt.

Besonders in Bereichen, in denen soziale Nähe, Interaktion und Kommunikation ausschlaggebend für effizientes (Zusammen-)Arbeiten sind, können XR Collaboration Tools in Zeiten von Social Distancing Abhilfe schaffen. Das betrifft zunächst einmal generell alle Teams, die standortübergreifend remote zusammenarbeiten – sei es in der Konstruktion, im Einkauf oder im Marketing. In nahezu allen Unternehmensbereichen können zum Beispiel Meetings in VR eine sinnvolle Ergänzung zu den mittlerweile gebräuchlichen Videokonferenzen sein.

Besser zusammenarbeiten dank vollständiger Immersion

In einem VR-Meeting finden sich die Teilnehmenden als digitale Avatare in einem virtuellen Raum ein und nehmen dort sich selbst und andere räumlich, visuell und akustisch wahr. Genau wie in einem physischen Raum können sie aufeinander zu und voneinander weg gehen oder sich in kleinere Gruppen in verschiedene Räume aufteilen. Je nach Standort innerhalb des virtuellen Raums und Distanz zueinander, hören sie die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer lauter, leiser oder gar nicht. Zudem werden Gestik, Kopfbewegungen und Augen- und Mundbewegungen auf den Avatar übertragen und imitiert. Die Technologien werden kontinuierlich weiterentwickelt, sodass in Zukunft noch weitere Bestandteile der Mimik auf die Avatare übertragen werden können.

All das führt dazu, dass die Teilnehmenden vollständig in die virtuelle Welt eintauchen. Diese Immersion sorgt für eine intensive soziale Nähe, die wiederum eine wesentlich angenehmere und effizientere Zusammenarbeit als traditionelle Video- oder Telefonkonferenzen ermöglicht. Neben Team-Besprechungen, Meetings und Scrums eignen sich XR Collaboration Tools daher insbesondere auch für die virtuelle Durchführung von Workshops, Schulungen und Trainings, bei denen Interaktion und Effektivität gefragt sind.

Die virtuellen Räume selbst können ganz nach dem Zweck des Meetings, den Anforderungen und Wünschen der Teilnehmenden gestaltet werden. So lässt sich beispielsweise ein virtuelles Whiteboard aufstellen, an dem gemeinsam gearbeitet oder eine Präsentation projiziert und gehalten werden kann. Für informellere Zusammenkünfte und Networking kann ein Meeting kurzerhand an einen Strand in der Südsee oder ein schickes Hotel-Foyer verlegt werden.

XR Collaboration für Design, Konstruktion und Präsentation

Rafaela Sieber, Fachteamlead AR/VR bei T-Systems Multimedia Solutions, nutzt XR Collaboration täglich für die Zusammenarbeit mit ihrem Team.
Rafaela Sieber, Fachteamlead AR/VR bei T-Systems Multimedia Solutions, nutzt XR Collaboration täglich für die Zusammenarbeit mit ihrem Team.
(Bild: T-Systems Multimedia Solutions)

Das Zusammenarbeiten im virtuellen Raum eröffnet darüber hinaus Chancen, bestimmte Arbeitsprozesse nicht nur effizienter als in Video-Meetings, sondern sogar einfacher als in der realen Welt zu gestalten. So entwerfen etwa Konstrukteure und Designteams ihre 3D-Modelle für Maschinen und Anlagen herkömmlicherweise an einem 2D-Bildschirm. Arbeiten sie hingegen in einer AR- oder VR-Umgebung, können sie mithilfe eines 3D-Stiftes direkt am 3D-Modell arbeiten. So ist es für alle an der Entwicklung Beteiligten einfacher, sich die Anlage in der Realität vorzustellen, Feedback zu geben und Anpassungen vorzunehmen.

Ein weiterer Vorteil: Soll die Anlage den Kunden vor Abnahme präsentiert werden, kann das ganz ohne logistischen Aufwand geschehen. Insbesondere bei großen, nicht ohne Weiteres tragbaren Produkten, wie etwa kompletten Produktionsanlagen, lassen sich dadurch zusätzliche Einsätze von Technikern und Maschinenbauern nach Lieferung vermeiden. Mit Augmented Reality lässt sich die Anlage mühelos an ihren vorgesehenen Standort in der Fabrikhalle platzieren, skalieren, verschieben, drehen und anpassen. Das spart beiden Seiten Zeit und Ressourcen.

In Anbetracht der in diesem Jahr größtenteils ausgefallenen oder in die virtuelle Welt verlagerten Messen, die besonders für das Geschäft von B2B-Unternehmen enorm wichtig sind, stellen solche Produktpräsentationen in AR-Umgebung zudem auch für Sales-Abteilungen eine echte Chance dar. Sie bieten Unternehmen die Möglichkeit, gänzlich standortunabhängig und kosteneffizient ihr Angebot maßstab- und realitätsgetreu potenziellen Auftraggeberinnen auf der ganzen Welt vorzuführen. Verkaufs-, Auswahl- und Planungsprozesse werden dadurch nicht nur erleichtert, sondern können für die umworbene Kundschaft im Gegensatz zur Messeumgebung stark individualisiert und personalisiert werden.

Alternativen mit Mehrwert für Unternehmen, Mensch und Umwelt

Zu siebt gleichzeitig an einem 3D-Modell arbeiten: XR macht es möglich.
Zu siebt gleichzeitig an einem 3D-Modell arbeiten: XR macht es möglich.
(Bild: T-Systems Multimedia Solutions)

Auch wenn Meetings, Schulungen und Messen wieder in gewohnter Form stattfinden können, bieten XR Collaboration Tools für die Industrie also echte Alternativen zu traditionellen Arbeitsprozessen. Durch standortübergreifende Zusammenarbeit in virtuellen Welten und digitale Messeformen mit AR-Präsenz werden viele Geschäftsreisen verzichtbar. Damit ist nicht nur der Umwelt geholfen, sondern es spart auch dem Unternehmen bares Geld und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Zeit und Energie, die sie anderweitig gewinnbringend einsetzen können. Eine Win-Win-Win-Situation.

So vielfältig die Möglichkeiten für Industrieunternehmen sind, XR Collaboration Tools bei sich einzusetzen, so wichtig ist es auch, sich vorher genau zu informieren, welche Lösung(en) für einen selbst sinnvoll und richtig sind. Denn das variiert natürlich je nach Unternehmenstyp, Produkt- oder Serviceangebot, Organisationsstruktur, Zielen und Anforderungen. Fehlt Expertise für Auswahl und Implementierung der geeigneten Tools im eigenen Unternehmen, ist es ratsam sich dafür im Zweifelsfall externe Unterstützung ins Boot zu holen, um den größtmöglichen Nutzen aus den Technologien für sich rauszuholen.

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