Expertenbeitrag

 Rafaela Sieber

Rafaela Sieber

Fachteamlead AR/VR, T-Systems Multimedia Solutions

AR/VR Extended Reality erreicht Massentauglichkeit

Autor / Redakteur: Rafaela Sieber / Sebastian Human

Der Einsatz von Virtual und Augmented Reality kann mit teuer Hardware einhergehen, muss es aber nicht. Insbesondere AR kann bereits über aktuell verfügbare und weit verbreitete Smartphones verwendet und damit in der Breite genutzt werden.

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Mit holografischen Annotationen in Remote Support-Anwendungen für das Smartphone können Anwenderinnen und Anwender von Fachleuten auch aus der Ferne präzise angeleitet und unterstützt werden.
Mit holografischen Annotationen in Remote Support-Anwendungen für das Smartphone können Anwenderinnen und Anwender von Fachleuten auch aus der Ferne präzise angeleitet und unterstützt werden.
(Bild: Telekom Deutschland GmbH)

Seit 2019 benennt der Gartner Hype Cycle Augmented Reality nicht mehr als „Zukunftstechnologie“. Es ist eine ausgereifte Innovation, die in der Breite genutzt werden kann und sollte. Immer mehr Unternehmen investieren in Extended-Reality-Technologien (XR) bestehend aus Augmented, Virtual oder Mixed Reality, vor allem in inhärent innovativen Bereichen.

Die Hauptmotivation dahinter ist zumeist der Wunsch, Prozesse zu optimieren und Kosten zu sparen. Und trotzdem wird das Potenzial der Technologie von vielen immer noch klar unterschätzt. Dabei birgt gerade der Bereich Service und Wartung viel Potenzial und direkte Einsatzmöglichkeiten, gerade für Augmented Reality.

XR-Einsatz in der Industrie: Hemmschuhe sind passé

Ein großes Hindernis, XR im eigenen Unternehmen einzuführen, sind oftmals die Kosten. Am Anfang eines jeden Projekts steht die Frage „Was kostet die Hardware?“. Dabei gilt es eine genaue Unterscheidung zwischen AR und VR zu treffen. VR-Hardware, wie etwa die Oculus Quest, ist im Vergleich zu dedizierter AR-Hardware, wie zum Beispiel der Microsoft Holo-Lens, welche oft im Enterprise-Bereich zum Einsatz kommt, verhältnismäßig günstig. Doch die einmaligen Kosten für die Hardwareanschaffung lohnen sich oft schon nach kurzer Zeit, etwa weil Reisekosten minimiert werden.

Hinzu kommt, dass es bereits günstigere Lösungen gibt, mit denen etwa Remote Support möglich wird, ohne dass in teure Hardware investiert werden muss: Verschiedene Remote-Support-Lösungen brauchen nur ein Smartphone, das die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohnehin haben, und die monatlichen Kosten belaufen sich auf unter 10 Euro pro Person. In Zukunft wird der Markt noch viele weitere solcher Lösungen hervorbringen und auch die Hardware wird günstiger werden.

Auch beim Thema Datensicherheit und der Frage „Wo sind meine Daten gehostet?“ können Unternehmen mittlerweile selbst entscheiden. Heute sind jegliche Individuallösungen möglich: Ein Unternehmen kann seine Daten in einer unternehmenseigenen Cloud hosten oder On-Premise speichern ebenso wie bei europäischen oder amerikanischen Hosting-Diensten.

Die dritte Sorge der Vergangenheit war oft die vermeintliche Komplexität von XR-Projekten. Schließlich wollen Unternehmen zumeist nicht ihre kompletten IT-Systeme und die etablierte Infrastruktur überwerfen und neu ordnen müssen. Vielmehr wollen sie mithilfe von XR-Anwendungen bestehende Prozesse optimieren und Kosten sparen. Neben Individuallösungen gibt es auch hier längst intuitive App-Lösungen, gerade im Service-Bereich, die eine schnelle und unkomplizierte Ergänzung zur bestehenden Infrastruktur darstellen und keine aufwändige Installation oder Schulung erfordern.

Remote Support aus der App

Ortsunabhängige Zusammenarbeit wird immer wichtiger. Während im Büroalltag Web-Conferencing-Lösungen bereits Routine sind, führen vergleichbare Aufgabenstellungen in Industrie und Service oft zu Ratlosigkeit. Dabei ist es vielleicht nur eine Kleinigkeit, die von Ingenieurinnen oder Ingenieuren vor Ort selbst behoben werden kann.

2018, als AR noch Teil des Hype Cycle war, entstanden bereits erste Initiativen, um Produkte für Remote Support zu entwickeln, die sowohl Premium Features bieten als auch kostengünstig sind. Der Ansatz von Anwendungen wie dem AR Field-Advisor ist es, mittels Video- und Audioübertragung innerhalb einer App und mit Augmented Reality die Wartung und den Service insbesondere bei komplexeren Anlagen aus der Ferne möglich zu machen und mit visuellen Annotationen zu erleichtern.

Diese ermöglichen es, vor Ort mittels holografischer Darstellung exakt zu zeigen, an welchen Stellen welche Arbeitsschritte ausgeführt werden müssen. Die Möglichkeit, Dokumente wie Konstruktionspläne zu teilen und die gesamte Session zu Dokumentations- oder Trainingszwecken aufzuzeichnen, runden eine solche Lösung ab.

Video-Fernwartung mit AR in Action: Spezialisten können in das von der Smartphone-Kamera in Echtzeit übertragene Bild räumliche Markierungen und visuelle Hinweise einfügen, die auch bei Bewegung die Position halten.
Video-Fernwartung mit AR in Action: Spezialisten können in das von der Smartphone-Kamera in Echtzeit übertragene Bild räumliche Markierungen und visuelle Hinweise einfügen, die auch bei Bewegung die Position halten.
(Bild: Telekom Deutschland GmbH)

Durch visuelle Unterstützung in Echtzeit bringen Fachleute ihr technisches Know-how genau dorthin, wo es gebraucht wird: Zu Beschäftigten im Außendienst, die durch holografische Annotationen und Hinweise genau wissen, welche Arbeitsschritte an welcher Stelle ausgeführt werden müssen. Auch unternehmensexterne Menschen können sich mittels Support Tokens, die vom Lizenzinhaber erworben werden, in die App einwählen. So können auch Personen, die die Lösung nicht selbst für sich lizenziert haben, in den Remote Support miteinbezogen werden. Auf diese Weise können beispielsweise Unternehmen ihren Kunden Support bei Anliegen bieten, für die sonst Fachleute aus dem Service zu ihnen vor Ort kommen müssten.

Die Zukunft ist jetzt

Auch wenn es vielen noch nicht bewusst ist: AR-Technologie ist bereits heute massentauglich. Das aktuelle iPhone beispielsweise hat bereits einen Lidar-Scanner, der standardisierte Augmented-Reality-Anwendungen möglich macht. Lidar ist eine dem Radar verwandte Technologie. Anstelle von Radiowellen werden von einem 3D-Scanner Laserpulse ausgesendet, die, für das menschliche Auge unsichtbar, auf Objekte treffen und reflektiert werden.

Die Devices werden in Zukunft immer kleiner, leichter und günstiger, sodass sie nicht nur im Consumer-, sondern auch im Unternehmensbereich immer weiter Verbreitung finden werden. Auch die Software wird stetig weiterentwickelt und verbessert. Zusätzlich ergeben sich immer neue Use Cases und werden in die Praxis umgesetzt. Manche Unternehmen sehen nach der Einführung eines ersten XR-(Test-)Projekts sogar Potenziale, neue Unternehmensbereiche aufzumachen und zu etablieren. So entstehen durch die Technologie gänzlich neue Geschäftsmodelle.

Die Corona-Pandemie hat die Verbreitung und Weiterentwicklung von XR-Anwendungen beschleunigt und vor allem auf den XR Collaboration-Bereich großen Einfluss gehabt. Das Ende der Corona-Pandemie wird keineswegs das Ende dieser Entwicklung sein. Viele Unternehmen reduzieren physische Standorte, die Menschen wollen mehr remote arbeiten und auch das Endkundenverhalten hat sich nachhaltig verändert. XR wird in allen diesen Bereichen eine entscheidende Rolle einnehmen.

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