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Die dritte Dimension

Experten-Roundtable: AR, VR und MR im Maschinenbau

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Sondermaschinenbauer wie Optima profitieren von den Erfahrungen großer OEMs im Automobil- und Flugzeugbau, die mit beträchtlichen Ressourcen Mitte der 1990er Jahre mit VR-, AR- und Mixed-Reality-Methoden zu experimentieren begannen. Davon ist Dr. Christoph Runde, Leiter des Virtual Dimension Center (VDC) in Fellbach überzeugt. „Im Produktentwicklungsprozess sind dort bereits virtuelle Quality Gateways festgeschrieben. So weit ist die mittelständisch geprägte Maschinenbau-Branche noch nicht, auch wenn etliche Firmen bereits VR-Methoden zur Entwicklungsunterstützung nutzen.“

Mit dem digitalen Zwilling zum virtuellen Prototypen

Dies bestätigt Gustav Marwitz aus dem Optima Engineering: „Wir nutzen VR, um uns unsere Konstruktionen im Detail anzuschauen. So entdecken wir Möglichkeiten, sie zu verbessern, bevor sie in Stahl gegossen sind. Mit dem sogenannten digitalen Zwilling sichern wir beispielsweise Zugänglichkeiten für die Instandhalter bereits am virtuellen Prototypen ab.“

Seit Dezember 2015 können die Planer dazu die Virtual Wall (Powerwall) im VR Center des Vereins Packaging Valley Germany in Schwäbisch Hall verwenden. „Vor fünf Jahren haben wir begonnen, uns mit der Logiksimulation zu beschäftigen. Doch die Werkzeuge waren damals für den Maschinenbau noch nicht wirklich geeignet, zum einen die Kostenstruktur, zum anderen die Anwendbarkeit betreffend“, so Entwickler Marwitz. Seitdem ist jedoch viel passiert. Im Engineering fokussiert sich Optima nicht ausschließlich auf den reinen Entwicklungsprozess; in der Opportunity-Phase werden Kunden ebenso virtuell mit einbezogen wie bei Design-Reviews. VDC-Chef Runde bekräftigt: „Alles, was man vor dem eigentlichen Bau einer Anlage erledigen kann, kostet um ein Vielfaches weniger als das Nacharbeiten mit der Flex.“

Nicht zu unterschätzen seien die neuen Techniken als Motivator, glaubt man bei Optima. Das gelte intern, aber auch extern. Die Optima-Kundenbetreuer berichten von begeisterten Reaktionen der Kunden, wenn sie "ihre" Anlage im VR Center erstmals virtuell erleben. Die Bereitschaft sei da, sich mit Detailfragen aus dem Blickwinkel eines Operators oder des Instandhaltungspersonals bereits in der Planungsphase zu beschäftigen.

Arne Sanwald beobachtet den Motivationseffekt vor allem bei der jüngeren Generation. Man könne einfach mal eine HoloLens ins Entwicklerbüro stellen, dann würden sich die Mitarbeiter ganz automatisch mit den Möglichkeiten auseinandersetzen. Sanwald rechnet mit einer deutlichen Verbesserung der Technik, die Marwitz heute immerhin schon "zufriedenstellend" findet. AR/VR-Experte Runde hält es sogar für möglich, dass die Neuauflage der zwischenzeitlich totgesagten Google-Glasses mit Fokus auf Industrieanwendungen frischen Wind in diesen Markt bringen könnte. Auch eine nächste Version der HoloLens werde es geben. „Die Brille ist als weiteres Interface nicht mehr wegzudenken, um an Daten und Informationen zu gelangen, wenn der Operator oder Maintenance-Mitarbeiter in der Maschinenhalle oder Anlage unterwegs ist“, sagt Runde.

Ohne gute Netzinfrastruktur kein AR/VR/MR

Dennoch gelte es eine Hürde zu nehmen. „Der Nutzen für unsere Kunden steht und fällt mit der Bandbreite der Datenübertragung“, so Gustav Marwitz vom Optima Engineering mit Blick auf die Einbindung in Industrie 4.0-Anwendungen. Die technische Infrastruktur - zum Beispiel ein leistungsfähiges WLAN - sei eine Investition in die Zukunft. da waren sich die Roundtable-Teilnehmer einig. Auch die Bereitschaft zu Cloud-Anwendungen sowie Investitionen in die Security werden von den Diskutanten als notwendig erachtetet. „Dann sind derartige Services künftig auch für Sondermaschinen machbar – mit dem entsprechenden Payback, etwa über reduzierte Stillstandzeiten oder die schnellere Inbetriebnahme“, meint Wratschko.

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