Manchmal liegt Europa näher

EU-Förderprogramme für Industrie-Unternehmen

| Autor: Thomas Schröter

Die EU fördert Innovation und Forschung.
Die EU fördert Innovation und Forschung. (pixabay.com / CC0 Public Domain)

Der Weg in die Industrie 4.0 ist gespickt mit Herausforderungen. Wer nicht nur Mitläufer sein will, sondern die Digitalisierung als Chance begreift, braucht Mut – und Investitionskapital. Denn die Entwicklung innovativer Verfahren, Produkte oder Dienstleistungen kostet Zeit und Ressourcen. Öffentliche Fördermittel können bei der Finanzierung solcher Projekte eine wertvolle Unterstützung sein. Dabei lohnt es sich, über Deutschland hinaus zu denken.

Das Schwert ist zweischneidig: Traditionell ist es eine Stärke mittelständischer Industrie-Unternehmen nachhaltig zu wirtschaften. Langfristiges Denken steht im Vordergrund. Die Investitionen übersteigen den erwirtschafteten Überschuss in aller Regel nicht. Ein Hauptgrund, warum viele dieser Unternehmen über Jahrzehnte hinweg erfolgreich am Markt agieren. Doch große, disruptive Strategiesprünge in eine digitale Geschäftswelt sind dabei kaum umsetzbar. Zumindest nicht mit eigenen Mitteln.

Dennoch stehen die Zeichen gerade im Mittelstand auf Innovation. Und die EU unternimmt einige Anstrengungen, um kleinen und mittelständischen Unternehmen finanziell unter die Arme zu greifen. Sie hat verschiedene Förderprogramme aufgelegt, die innovative Technologie-Projekte unterstützen. Dadurch erweitern sich die Möglichkeiten, an finanzielle Unterstützung zu kommen, deutlich: Die vergebenen Budgets fallen auf europäischer Ebene oft höher aus, als das bei lokal aufgelegten Förderprogrammen der Fall ist. Doch meist sind die Anforderungen auch höher: Das bekannteste EU-Förderprogramm Horizon 2020 verlangt beispielsweise in vielen seiner Ausschreibungen die Mitarbeit von mindestens zwei Projektpartnern aus zwei anderen EU-Mitgliedsstaaten. Zudem möchten die Geldgeber aus Brüssel eine europäische Herangehensweise fördern und bewerten die Projekte nach ihrer Relevanz für den EU-Binnenmarkt. Umfangreiche Antragsformulare, die in Englisch auszufüllen sind, machen die Sache nicht leichter.

Förderprogramme der EU – eine Auswahl

Horizon 2020 ist das Rahmenprogramm der EU für Forschung und Innovation. Es soll eine wissens- und innovationsgestützte Gesellschaft fördern und helfen, eine wettbewerbsfähige, europäische Wirtschaft aufzubauen. Die Bewerbungsbedingungen sind anspruchsvoll und schrecken viele kleine und mittelständische Unternehmen ab. Die EU erschuf deshalb das „SME Instrument“, gewissermaßen als vereinfachtes Programm innerhalb von Horizon 2020.

Kurzüberblick über das SME Instrument

SME Instrument richtet sich an kleine und mittelständische Unternehmen, die Ideen mit hohem Marktpotenzial und Innovationsgrad verwirklichen wollen. Die Bewerber müssen gewinnorientiert wirtschaften, ihren Sitz in der EU haben und ihr Geschäft international (mindestens im europäischen Sinne) ausgerichtet haben. Im Gegensatz zu Horizon 2020 fördert das SME Instrument auch Einzelunternehmen und senkt die Hürde damit deutlich.

Thematisch ist das Programm weitergehend offen und unterstützt die Unternehmen phasenweise entlang des Innovationszyklus‘. Dafür unterscheidet das Programm drei Phasen: die Machbarkeitsstudie, die Umsetzung und die Markteinführung. Für die ersten beiden Phasen können Fördergelder beantragt werden. Wichtig ist allerdings, dass das Projekt nicht mehr ganz am Anfang steht: Forschungsergebnisse und ein Prototyp sollten bei Antragstellung bereits vorliegen. Neben der Förderung von bis zu 50.000 Euro für die Erstellung eines Businessplans (Phase 1) und einer Unterstützung von bis zu 2,5 Millionen Euro für alle für die Umsetzung notwendigen Maßnahmen (Phase 2) haben geförderte Unternehmen die Möglichkeit, sich durch Experten coachen zu lassen. Solche Coaches unterstützen dann unter Umständen auch die Markteinführung (Phase 3).

Die Bewerbungen können laufend eingereicht werden, die Bewertung erfolgt aber zu vier Stichtagen im Jahr. Kern des Antrags auf Förderung in Phase 1 ist ein etwa zehnseitiger, vorläufiger Business-Plan, in Phase 2 soll der Business Plan geprüft und konsolidiert auf maximal 30 Seiten dargestellt werden. Anhand vorab definierter Kriterien erstellen die zuständigen EU-Begutachter eine Rangliste an förderwürdigen Vorhaben und verteilen die vorhandenen Mittel so auf mehrere Projekte.

Weitere EU-Förderprogramme

    • COSME

      COSME ist die Abkürzung für „Programme for the Competitiveness of Enterprises and SMEs 2014-2020“. Das Programm zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu verbessern. Mit der Initiative möchte die EU die Unternehmenskultur in Europa fördern und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen nachhaltig erhöhen. Der Zugang zu Finanzmitteln und neuen Märkten innerhalb der EU soll erleichtert werden. Für die Antragstellung benötigen Unternehmen allerdings einen Mittler, etwa eine Bank oder eine Wirtschaftskammer. Die Förderung kommt dann aber dem Unternehmen direkt zugute.

    • Eurostars

      Das Ziel von Eurostars ist es, mittelständische Unternehmen verstärkt für eine europäische Zusammenarbeit in Forschungs- und Entwicklungsprojekten zu motivieren. Das Förderprogramm ist innerhalb EUREKA aufgehängt, einer Initiative zur Stärkung der europäischen Wirtschaftskraft. Eurostars ist technologieoffen und unterstützt die Entwicklung eines neuen Verfahrens, Produktes oder einer Dienstleistung. Das Projekt muss von mindestens zwei Partnern aus dem EUREKA-Raum durchgeführt werden, so genannte forschende Unternehmen – also solche die etwa 10 Prozent ihrer Ressourcen in Forschung und Entwicklung investieren – werden bevorzugt.

    • Europa-Förderung für Internet-of-Things-Projekte (IoT)

      Die Europäische Union arbeitet gemeinsam mit Industrie, verschiedenen Organisationen sowie den EU-Mitgliedsstaaten aktiv an der Entwicklung und Umsetzung von IoT-Technologien. Zusätzlich zu den IoT-Forschungs- und Innovationszielen, die das laufende Horizon2020-Programm abdeckt, rief die Europäische Kommission eine Reihe von unterstützenden, strategischen Maßnahmen ins Leben. Im Rahmen eines ersten Projektaufrufes im Oktober 2015, können sich Unternehmen derzeit noch für die Teil-Ausschreibung „IoT Integration und Plattformen“ bewerben. Das Programm fördert Kooperationsprojekte mit einem Umfang von 3 bis 5 Millionen Euro zu 100 Prozent. Der Einreichungsstichtag ist der 25. April 2017.

Ob der europäische Horizont näher liegt als der regionale, entscheiden schließlich der Charakter des Projektes und die involvierten Partner. Insgesamt bewerben sich natürlich mehr Unternehmen bei den EU-Förderinstitutionen um das ausgeschriebene Geld. Doch wenn das Projekt die Vorgaben der Förderer trifft, stehen die Chancen gut, Unterstützung zu erhalten. Eine gute Vorbereitung und eine valide Recherche vorab – zum Beispiel mit Unterstützung einer Fördermittelberatung – sind dabei die Grundvoraussetzung. 

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