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Expertenbeitrag

Robert Frodl

Robert Frodl

Director DACH Region Customer Development for Engineering Solutions, Plexus Deutschland GmbH

Electronics Manufacturing Services (EMS)

EMS-Dienstleister: Auf dem Weg zur Smart Factory

| Autor/ Redakteur: Robert Frodl / Redaktion IoT

Das IoT setzt auf branchenübergreifendes Know-how, um vernetzte und smarte Systeme zu realisieren. Gefragt ist daher ein Partner, der von jeher mit unterschiedlichen Technologien vertraut ist.

Smart Factory ist für EMS doppelt interessant.
Smart Factory ist für EMS doppelt interessant.
( Quelle: istock/Fertnig )

Alles ist vernetzt von der Waschmaschine, über Ampelanlage und Self-Service-Kassen im Supermarkt bis zur Industrieanlage und der Boeing 747. Um ihre Hardware IoT-fähig zu machen sind Hersteller auf einen Digitalisierungs-Partner angewiesen,  an dessen Know-how sie partizipieren können. Dabei geht es nicht nur um die Fertigung allein, sondern um den kompletten Value Stream – vom Design und Entwicklung über die ersten Prototypen und der Überführung in die Volumenfertigung bis zur Markteinführung und den Aftermarket Services.

Schnittstelle im IoT

Je mehr die Fertigung von Low-Volume-High-Mix und die Komplexität von Maschinen und Anlagen zunimmt, desto wichtiger wird ein branchenübergreifende Know-how. Hier lohnt sich die Zusammenarbeit mit einem EMS-Dienstleister: Sie unterstützten in der Regel Kunden aus unterschiedlichen Branchen bei der kundenspezifischen Realisierung von Produkten und sind daher mit der Entwicklung und Fertigung verschiedener Lösungen und Ansätze vertraut – bei der Hardware, bei der Software und bei ihrer Vernetzung. Damit sind sie oft die Schnittstelle zwischen Hersteller und Bauteilezulieferer, können weltweite Supply Chain-Expertise einbringen, bei der Auswahl der Technologien beraten und Produktions- und Qualitätskosten besser steuern.

So gesehen verwundert es nicht, dass heute Kunden in Sachen IoT auf EMS-Dienstleister setzen, die vor fünf oder zehn Jahren an eine solche Zusammenarbeit nicht einmal gedacht hätten. Dazu gehören der Bereich Automotive genauso wie die Medizintechnik. Hier setzen Hersteller und ihre Tier-1-Lieferanten vermehrt auf einen IoT-Entwicklungspartner, um Elektronik und Software in ihre Fahrzeuge und Geräte zu integrieren. Für multimediale In-Dash-Infotainment-Systeme beispielsweise sind zunächst dieselben Technologien gefragt wie in der Computerindustrie. Das gilt auch für Kameramodule und Sensoren, die ursprünglich für andere Branchen entwickelt und gefertigt, nun für Einparkassistenten oder autonome Fahrzeuge benötigt werden.

In der Medizintechnik war Konnektivität lange Zeit ein Tabuthema, vor allem was Fragen zur Sicherheit und Datenschutz anbelangt. Heute ist das IoT einer der Megatrends bei medizinischen Geräten. Computer, Tablets und Smartphones sind fester Teil unseres Alltags und haben die Erwartungen an bequeme, mobile und intuitiv bedienbare Geräte im Gesundheitsbereich in die Höhe geschraubt. Mobile Health, also medizinischen Verfahren und Anwendungen, die auf drahtlose Gerätefunktionen zurückgreifen, versprechen Kosteneinsparungen für das überstrapazierte Gesundheitswesen, aber auch mehr Patientenkomfort und bessere Behandlungsmöglichkeiten. Für Gerätehersteller eröffnet das neue Kundenkreise und Geschäftsmodelle, legt aber auch die Messlatte für das Design höher. EMS-Dienstleister können hier ihre Erfahrungswerte in Sachen Wi-Fi-Technologien einbringen und wichtige Aufgaben hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit übernehmen, um die strengen regulatorischen Hürden zu meistern.  

Smart Factory – Doppelt interessant

Das IIoT (Industrial Internet of Things) ist für EMS-Dienstleister in zweifacher Hinsicht spannend. Zum einen stellt die Smart Factory mit Maschinenbauern und Herstellern ein profitables Kundensegment dar. IoT-fähige Sensoren, Equipment, Geräte und industrielle Steuerungen sowie Cloud-Gateway, Datenverarbeitung und -management sind zentral, damit Maschinen und Anlagen standortübergreifend miteinander kommunizieren können. Hier können EMS-Dienstleiser ihr langjähriges Wissen, beispielsweise im Bereich Kommunikationstechnologie, gewinnbringend einsetzen.

Zum anderen ist die Smart Factory eine Möglichkeit für EMS-Dienstleister, ihre eigene Fertigung und Wertschöpfungskette effizienter zu gestalten. Sind Prozesse, Lieferanten und Kunden miteinander vernetzt, lässt sich zum Beispiel eine durchgehende Rückverfolgbarkeit gewährleisten. Je stärker diese Vernetzung, desto höher die Transparenz und desto besser die Planbarkeit und Steuerung von Prozessen. Das bringt Vorteile auf ganzer Linie, so etwa bei der Materialwirtschaft, Lageroptimierung, Logistik und Risikominimierung. Kommt es beispielsweise zur Reklamation eines Produkts von Seiten des Endanwenders, sind EMS-Dienstleister häufig in der Beweispflicht und müssen genau angeben können, wo letztendlich die Fehlerursache zu finden ist. Gleichzeitig lässt sich über die intelligente Fabrik Massenware zu vernünftigen Preisen fertigen, so dass die Produktion wieder lokal zum Kunden zurückkehren kann.

Daten entlang des kompletten Produktlebenszyklus

Durch die zunehmende Vernetzung im IIoT entwickelt sich die Datenaufbereitung zum nächsten großen Thema – sowohl für EMS-Dienstleister als auch für ihre Kunden. Wer Daten sendet, muss sicher sein, dass die Daten auch empfangen, gesammelt, ausgewertet und sinnvoll genutzt werden können. Ansonsten bleibt ein Meer von Daten ohne echten und umsetzbaren Mehrwert. Das Sammeln, Auswerten und Nutzen von Maschinenkennzahlen, Produktinformationen und Prozessdaten – zum Beispiel im Bereich Compliance – ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Smart Factory und wird wohl in Zukunft zum Servicepaket von EMS-Dienstleistern gehören. Schon jetzt können Hersteller über Fernzugriff auf die Daten einer Maschine zu greifen, den Status eines Produkts überprüfen, die Auslastung einer Anlage analysieren und kontrollieren, ob der Terminplan zur Auslieferung eingehalten werden kann. Lassen die Zahlen ungenutztes Potential erkennen, können Prozesse optimiert, Produktionsstrecken verlegt und damit Kosten eingespart werden. In diesem Sinne werden EMS-Dienstleister auch zu Big Data-Dienstleistern, bei denen die Daten zusammenfließen und wieder zurück gespielt werden. Solche zusätzliche Dienstleistung im Rahmen von Aftermarket Services können dann zum Beispiel Predictive und Prescriptive Maintenance, Remote-Steuerungen von Anlagen oder automatisierte Bedarfsprognosen einschließen.

Mehr als nur Fertiger

Wie auch immer das zukünftige Produktportfolio eines EMS-Dienstleisters aussehen mag, eines ist klar: Im IIoT endet die Zusammenarbeit mit dem Hersteller längst nicht mehr mit der Auslieferung des Produkts. Vielmehr geht es um das ganzheitliche Product Lifecycle Management. Das ist insbesondere bei Wi-Fi-Technologien entscheidend. Denn während bei klassischen Consumer-Produkten wie Smartphone oder Tablet Jahr für Jahr neue, verbesserte Wireless-Lösungen auf den Markt gebracht werden, ist der Produktlebenszyklus von Geräten in anderen Branchen deutlich länger. Bei medizinischen Geräten liegt dieser bei durchschnittlich sieben, im Automotive Bereich bei bis zu zehn Jahren. Auch Industrieanlagen müssen dem schnellen Innovationsrhythmus idealerweise folgen können, um das Potential neuester Technologien für die Smart Factory voll auszuschöpfen. Dabei muss sichergestellt werden, dass sich die Systeme einfach und kosteneffizient um weitere Funktionsmerkmale ergänzen lassen.  

EMS haben sich hier schon lange vom reinen Auftragsfertiger zu Servicedienstleistern für die Entwicklung und für die Aftermarket Services gewandelt. Schon heute geben viele Kunden ihren Reparatur Service, die Ersatzteillogistik, die Auftragsverwaltung aber auch den Vertrieb und Lagerhaltung an einen Partner weiter, um sich besser auf das Kerngeschäft konzentrieren zu können und ihre Ressourcen innerhalb von Forschung und Entwicklung zu bündeln. Umso wichtiger ist es daher, Prozesse zu standardisieren und die gleiche Terminologie zu verwenden – ganz unabhängig ob man von IIoT, Smart Factory oder eben Industrie 4.0 spricht. Gelingt es hier eine einheitliche Plattform zu schaffen, um mit allen Beteiligten über Kernpunkte sprechen zu können, sind enorme Synergien möglich, die in der digitalen Welt langfristig Erfolg versprechen.

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Director DACH Region Customer Development for Engineering Solutions, Plexus Deutschland GmbH