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Das Auto als kollektive Idee EDAG entwickelt Roboter-Car live auf der IAA 2017

| Redakteur: Edgar Schmidt

Zum Start der IAA 2017 wird der Stand des Entwicklungsdienstleisters EDAG zunächst ziemlich leer daherkommen. Kein Concept Car, keine neuen technischen Spielereien - nichts! Denn die Messebesucher sollen selbst aktiv an der Entwicklung eines neuen Konzeptfahrzeugs mitarbeiten.

EDAG ist bekannt für extravagante Studien wie beispielsweise das hier abgebildete Modell Soulmate aus dem Jahr 2015.
EDAG ist bekannt für extravagante Studien wie beispielsweise das hier abgebildete Modell Soulmate aus dem Jahr 2015.
(Bild: EDAG)

Der Entwicklungsdienstleister EDAG will seinen Messestand auf der IAA 2017 (14. bis 24. September, Halle 5.1, Stand B04) als Labor für ein Live-Engineering-Projekt nutzen. Mitarbeiter des nach eigenen Angaben weltweit größten unabhängigen Automobilentwicklers wollen während der IAA-Messetage ein Fahrzeugkonzept live mit der so genannten Scrum-Methodik entwickeln und am Tag 12 als Weltpremiere präsentieren.

IAA-Besucher entwickeln mit

Dabei sollen die Besucher die Entwickler nicht nur live beobachten, sondern direkt vor Ort oder über Social-Media-Kanäle interaktiv bei der Konzeptphase mitwirken. Am letzten Messetag soll dann als Ergebnis dieses Experiments ein Konzept für schwarmintelligente Roboterfahrzeuge stehen, die autonom, elektrisch und vernetzt die Mobilität bereichern. Denn die Zukunft der automobilen Entwicklung liegt nach Ansicht von EDAG im kollektiv-vernetzten Arbeiten.

EDAG will mit dem „#collectivio“ genannten Projekt auch zeigen, dass automatisiert Fahren weiter gedacht werden kann. Die Autos sollen nicht nur automatisiert fahren, sondern im Kollektiv mehr leisten. Dass ein selbsttätiges Fahrzeug letztlich zum persönlichen Assistenten geeignet ist und sich neben dem Transport der Fahrgäste auch um die Organisation des Tagesablaufs und ähnliche Dinge kümmern kann, liegt im Zuge der Vernetzung aus Sicht des Dienstleisters nahe.

Wenn aber Mobilität bald wichtiger als Besitz sei, könne eine ganze Flotte an Fahrzeugen weitaus mehr für den mobilen Menschen leisten als ein einzelnes Auto. Nach Ansicht der Entwickler könnte die Vernetzung von Fahrzeugen zum Schwarm all das ermöglichen, was wir uns von Mobilität der Zukunft wünschen und erwarten: nämlich die Entlastung des Verkehrs, die effizientere Nutzung von Ressourcen und mehr Komfort für alle durch punktgenauen, immer verfügbaren Transport über intelligentes Car-Sharing, erweiterten Nutzen durch Aufgabenteilung beim Waren- und Personenverkehr sowie garantierte Intermodalität, egal an welchem Ort. Denn ein Verkehrsszenario, das als Kollektiv für den Menschen rund um die Uhr im Dienst sei, schafft Raum – nicht nur in den heute noch vollgeparkten Städten.

Das Designmodell kommt aus dem 3D-Drucker

Auch wenn die grobe Zielrichtung für das Projekt #collectivio bereits vorgegeben ist, sind die EDAG-Entwickler gespannt auf die konkrete Umsetzung. Denn wie eine Flotte schwarmintelligenter Fahrzeuge genau aussehen wird, wollen die Spezialisten aus sechs unterschiedlichen Fachbereichen an den zwölf Messetagen ja gemeinsam mit den Messebesuchern erarbeiten.

Über die EDAG-Social-Media-Kanäle dürfen Interessierte während der zwölftägigen Konzeptphase ihre Anforderungen, Ideen und Wünsche an die Entwickler senden und sich somit aktiv in die Entwicklung einbringen. Der Hashtag „#collectivio“ dient dabei als Ideenpool für die Ingenieure – alle Einreichungen, Kommentare und Beiträge werden live auf eine Social-Media-Wall übertragen und von den Spezialisten bewertet und bestenfalls mit eingearbeitet.

Am Ende des Live-Engineering-Projekts auf der IAA soll zusätzlich zum ausgearbeiteten Fahrzeug- und Mobilitätskonzept ein generativ gefertigtes Maßstabsdesignmodell zu sehen sein, das die Idee sichtbar zum Leben erweckt.

Scrum geht schnell

Damit die Spezialisten von EDAG flexibel und spontan auf den Zuschauerinput reagieren können, nutzen sie die Arbeitsmethode Scrum, die eigentlich aus der Softwarewelt stammt. Sie dient dazu, in immer schnelleren Zyklen Produkte zu entwickeln. Allerdings wurde diese Methode laut EDAG im klassischen Automobilentwicklungsprozess bisher weniger beachtet, unter anderem auch, weil die Denk- und Prozessmuster dieser Branche aktuell noch eher starr seien. Für künftige Entwicklungsprozesse müsse aber auch das Engineering die Sprache des Aufbruchs sprechen, ist sich der Dienstleister sicher.

Scrum beschreibt einen Prozess, bei dem das Team in kurzen Abständen (meist täglich) zusammenkommt, den Arbeitsfortschritt bespricht und sich austauscht. Auch die Kommunikation mit dem Kunden erfolgt schneller; neue Anforderungen und Kundenwünsche werden in kürzeren Abständen aufgenommen, in kleine Arbeitspakete – sogenannte Sprints – zusammengefasst, priorisiert und eingearbeitet.

Gerade in der Konzeptphase für ein radikal neues Fahrzeug- und Mobilitätskonzept wie #collectivio, das vor allem auf den unmittelbaren Input der späteren Nutzer angewiesen ist, sei Scrum genau der richtige Ansatz, um zu zeigen, wie auch der Engineeringprozess in Zukunft besser werden kann.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal kfz-betrieb erschienen.

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