Stammdaten eCl@ss: Der 20-Fuß-Container für den globalen Datentransfer

Redakteur: Jürgen Schreier

Der automatisierte Austausch großer Datenmengen ist die Lebensader der Digitalisierung. Genau das ermöglicht der Stammdatenstandard eCl@ss. Und eCl@ss kann noch mehr: Der Stabdard optimiert viele Prozesse im CAx – von der Entwicklung bis zur automatisierten Produktion komplexer Produkte.

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Im Industrie-4.0-Umfeld sollen Fertigungsprozesse sollen noch stärker automatisiert ablaufen als bisher. Voraussetzung dafür ist ein bestmögliches Datenmanagement.
Im Industrie-4.0-Umfeld sollen Fertigungsprozesse sollen noch stärker automatisiert ablaufen als bisher. Voraussetzung dafür ist ein bestmögliches Datenmanagement.
(Bild: Pexels / CC0 )

eCl@ss: Das ist ein branchenübergreifender internationaler Datenstandard, mit dem sich sowohl Produkte als auch Dienstleistungen eindeutig klassifizieren und vor allem beschreiben lassen. eCl@ss "übersetzt" quasi alle wichtigen Details und Eigenschaften eines Produkts in standardisierte Daten. „Am Ende steht für jedes Produkt, von der einzelnen Schraube bis zum komplexen Bauteil, ein eindeutiger Nummernschlüssel mit einer eindeutigen Beschreibung“, erklärt Thorsten Kroke, Leiter der Geschäftsstelle des Vereins eCl@ss e.V. in Köln.

Doch wozu ist das das gut? „Unser Datenstandard erleichtert den Datenaustausch zwischen Kunden und Lieferanten auch über Sprach- und Branchengrenzen hinweg“, erläutert Kroke. eCl@ss - bildlich gesprochen der der 20-Fuß-Container der digitalisierten Wirtschaft – treibt den globalen Datentransfer ebenso an, wie es der Container mit dem Welthandel tut. er Fungiert als standardisierte Verpackung, die Transport und Verarbeitung erheblich vereinfacht.

Phoenix-Contact schlüsselt mit eCl@ss Produkte bis ins kleinste Detail auf

Mittlerweile nutzen rund 3500 in- und ausländische Unternehmen den eCl@ss-Datenstandard - darunter zahlreiche Global Player wie Pepperl + Fuchs, ABB, Siemens oder Phoenix Contact. Am Stammsitz im westfälischen Blomberg produziert Phoenix Contact Verbindungs- und Automatisierungstechnik. „Rund 60.000 Produkte in 13 Business Units umfasst unser Portfolio, unsere Produkte kommen in der Verkehrsinfrastruktur, der Elektromobilität, in der Wasser- und Energieversorgung zum Einsatz“, erläutert Josef Schmelter, der als Master Specialist Classification bei Phoenix Contact die Datenbereitstellung der Produktdaten verantwortet. Ein Großteil der Phoenix-Produkte steckt in Schaltschränken. „Überall dort, wo Daten, Signale oder Energie übertragen und konditioniert werden“, erklärt Schmelter.

Die Lösungen des Unternehmens sind überaus komplex. Bisweilen weisen sie eine dreistellige Zahl von Merkmalen auf – und alle müssen eindeutig beschrieben werden. „Unsere Kunden verlangen hier standardisierte Daten“, so Schmelter, „und genau hier hilft uns eCl@ss.“ Alle Phoenix-Contact-Produkte lassen sich somit bis ins allerkleinste Detail aufschlüsseln.

Das fängt bei Basismerkmalen wie Höhe, Breite oder Tiefe an. Und führt schließlich bis zu einem kompletten mechanisch-elektrischen Abbild – dem digitalen Produkt: Welche Spannung halten die Komponenten aus, wie können sie geschaltet werden, in welche Richtung kann man sie anschließen, welche Funktion haben sie im Fertigungsprozess? „Alle für die Kunden erforderlichen Informationen werden durch eCl@ss verfügbar gemacht“, erklärt Schmelter.

Auch komplexe Funktionalitäten und Strukturelemente in eCl@ss beschreibbar

eCl@ss ist mittlerweile mehr als ein reiner Beschaffungsstandard. Er kommt nicht nur im Warengruppenmanagement oder in Kataloganwendungen zum Einsatz, sondern auch im CAx-Bereich. „Auch in anderen Use Cases wie im Engineering oder der automatisierten Fertigung leistet uns eCl@ss wertvolle Dienste“, bestätigt Phoenix-Contact-Experte Schmelter.

Im CAx-Bereich kommt an dieser Stelle eine Weiterentwicklung namens eCl@ss-Advanced ins Spiel. Mit dieser Struktur lassen sich auch komplexe Funktionalitäten und Strukturelemente der Produkte beschreiben. „In eCl@ss-Advanced sind die Inhalte des eCl@ss-Standards so weiterentwickelt worden, dass man nun über standardisierte Schnittstellen beispielsweise auch verschiedene Engineering-Tools der Kunden mit Daten versorgen kann“, so Phoenix-Contact-Experte Schmelter. So lassen sich beispielsweise die exakten Positionen von Bohrlöchern an einem Produkt festlegen und via eCl@ss-Advanced beschreiben. „Ein entsprechendes rechnergestütztes Fertigungsgerät in der Produktion kann diese Informationen dann später aufnehmen und entsprechend ausführen.“

Die Vorteile für alle Beteiligten liegen für Schmelter dabei klar auf der Hand. „Alle erforderlichen Prozesse, von der Entwicklung über das Engineering bis hin zur rechnergestützten Fertigung in der Produktion werden durch eCl@ss-Advanced optimiert.“ Zudem würden Prozesse deutlich beschleunigt, Fehlerquellen effektiv trockengelegt.

VDMA: Standardisierte Semantik ist unerlässlich für Industrie 4.0

Zu Ende ist die Weiterentwicklung des Datenstandards eCl@ss aber noch lange nicht. Ähnlich wie eine Sprache passt sich eCl@ss stetig den sich wandelnden Gegebenheiten an. „In Zusammenarbeit mit den Experten der Industrie entwickelt unser Team den Standard ständig weiter, von Jahr zu Jahr, von Release zu Release kommen neue Branchen, neue Sachgebiete und Produktgruppen hinzu“, sagt eCl@ss-Geschäftsstellenleiter Thorsten Kroke.

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Gut zwei Dutzend Branchen vom Automobilbau bis zum Büromaterial werden bereits abgedeckt, zuletzt sind die Möbelbranche, die Pharmazie und die Sport- und Freizeitgeräte neu hinzugekommen. Rund 41.000 Produktklassen und mehr als 17.000 Merkmale garantieren den eCl@ss-Kunden dabei größtmögliche Detailtiefe bei der Beschreibung ihrer Produkte. „Vielfach fordern Unternehmen von ihren Lieferanten bereits ein Stammdatenmanagement in eCl@ss“, berichtet Kroke. Für Anbieter könne es im globalen Wettbewerb also entscheidend sein, ihre Produkte entsprechend zu präsentieren.

Diese Entwicklung könnte sich vor dem Hintergrund von Industrie 4.0 zukünftig noch erheblich verstärken. Maschinen, Werkzeuge und Bauteile sollen sich in der digitalen Zukunft punktgenau und über Betriebe hinweg verstehen; Fertigungsprozesse sollen noch stärker automatisiert ablaufen als gegenwärtig. Voraussetzung dafür ist in den Augen der Experten: bestmögliches Datenmanagement. „Die standardisierte Semantik, also die einheitliche Bedeutung der Daten, ist für das Gelingen von Industrie 4.0 unerlässlich“, hebt Christian Mosch vom Forum Industrie 4.0 beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hervor. Nur so, meint Mosch, könnten Produkt- und Produktionsinformationen von Unternehmen, Anlagen und Prozessen auch weltweit verstanden werden.

„Industrie 4.0 ist für unser System eine riesige Chance“, zeigt sich Kroke optimistisch. „Gebraucht wird eine Datensprache, in der sich Maschinen miteinander unterhalten und sich verstehen können. Und genau das bieten wir an.“

5 Gründe, warum Sie sich für eCl@ss interessieren sollten

Der eCl@ss-Standard für Stammdaten genießt weltweit Akzeptanz und wird innerhalb von Unternehmen, aber auch gegenüber Abnehmern und Lieferanten eingesetzt. Auf diese Weise stärkt er die Wettbewerbsposition und die Zukunftsfähigkeit aller Beteiligten.

ERTRAGSSTEIGERUNG: Sie erschließen bedeutende Absatzpotenziale durch elektronische Kataloge und die Bedienung virtueller Marktplätze, in denen Ihre Produkte sofort gefunden werden.

KOSTENSENKUNG: Sie rationalisieren Einkauf, Warenwirtschaft und Vertrieb, indem Sie Volumina bündeln und Portfolios straffen.

ZEITERSPARNIS: Sie können Beschaffung und Lieferantenmanagement effektiver abwickeln und stärken die betrieblichen Abläufe.

PRODUKTIVITÄT: Durchlaufende Prozesse, automatische Schnittstellen und standardisierte Produktinformationen erhöhen Performance, ROI und Time-to-Market.

PLANUNGSSICHERHEIT: Sie verbessern die strategische Entscheidungsbasis, weil Daten harmonisiert, aussagefähig aufbereitet und mit Kunden und Partnern ausgetauscht werden.

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