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Robotik Drohnenhersteller profitieren von der Corona-Pandemie

| Redakteur: Jürgen Schreier

Ob für Last-Mile-Lieferungen, zum Überwachen von Ausgangssperren oder zur Kriminalitätsbekämpfung: Für professionelle Drohnen gibt es (nicht nur) in der Corona-Pandemie vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Nach einer Prognose von ABI Research wird die Drohnenindustrie deshalb ihre Auslieferungen bis 2025 kräftig steigern können.

Drohnen fungieren häufig als Kameraträger.
Drohnen fungieren häufig als Kameraträger.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Entwickler und Hersteller von Robotern können seit Ausbruch der Corona-Pandemie den Nutzen einer flexibleren Automatisierung demonstrieren. So unterstützen autonome Flugroboter Lieferungen auf der letzten Meile oder reinigen und desinfizieren Gebäude und öffentliche Infrastruktur.

Insbesondere Drohnen für zivile Einsätze dürften sich langfristig einer steigenden Nachfrage erfreuen, prognostiziert ABI Research. So werden sich die Auslieferungen ziviler Drohnen 2020 auf rund 13.400 fast verdoppeln. Im Jahr 2025 sollen fast 80.000 Drohnen ausgeliefert werden.

Öffentliche Nachfrage nach Drohnen soll steigen

In seinem neuen Whitepaper "Robotics and COVID-19: Challenges and Opportunities" zeigt das Marktforschungs- und Technologieberatungsunternehmen ABI Research auf, wie Covid-19 der Katalysator für Veränderungen in der Roboterindustrie war, und untersucht, ob und wie die Branche gerüstet ist, um die erwartete Nachfrage nach Robotern zu befriedigen.

"Wer hätte zu Jahresbeginn voraussagen können, dass einmal mehr als ein Viertel der Welt einen Lockdown erleben würde", sagt Rian Whitton, Senior Analyst bei ABI Research.

Drohnen fungieren im Wesentlichen als Plattform für Kameras zur Gesichtserkennung und zur Kontrolle von "Menschenmengen". Einige sind mit Infrarotkameras zur Temperaturmessung ausgestattet. "Tatsächlich haben wir gesehen, wie die Bestellungen einiger Hersteller von Infrarotkameras in die Höhe geschossen sind, weil Unternehmen die Temperatur ihrer Mitarbeiter überprüfen wollen, bevor sie zur Arbeit kommen", so Whitton.

Viele Drohnen werden mit Lautsprechern zur Durchsetzung von Ausgangssperren und zur Überwachung von Bereichen zu Sicherheitszwecken eingesetzt. Das sei eine große Chance für die Luft- und Raumfahrtindustrie, aber auch für spezialisierte Drohnenunternehmen, den Verkauf solcher Fluggeräte an Regierungsbehörden zu steigern.

Lieferdrohnen gewinnen an Bedeutung

Auch Transport- bzw. Lieferdrohnen haben während der Krise ebenfalls an Bedeutung gewonnen. In China unternahmen Lieferdrohnen mehr als 3000 Flüge mit elf Tonnen Versorgungsgütern nach Wuhan. Anfang Februar 2020 begann die US-Luftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration) mit der Schaffung von Sicherheitsstandards für bestimmte Drohnenmodelle und beschleunigte die Erprobung und eventuelle Kommerzialisierung in den Vereinigten Staaten. ABI Research geht davon aus, dass der Markt für die Lieferung kleiner Drohnen bis 2030 ein Volumen von 10,4 Milliarden US-Dollar erreichen wird.

Die Drohnenhersteller konnten 2019 Investments in Höhe von 281 Millionen US-Dollar einsammeln; Drohnendienste erhielten 497 Millionen US-Dollar. "Während die Industrie durch die Kommerzialisierung von Konsumdrohnen und größere Zwischenfälle, die die vermutete Sicherheit groß angelegter Drohneneinsätze beeinträchtigen, erschüttert wurde, steht der Nutzen kommerzieller Dienste außer Frage", ist Whitton überzeugt.

Mehrheit der Deutschen lehnt Lieferdrohnen und Flugtaxis ab

Mit den Chancen, Herausforderungen und Risiken einer Nutzung des urbanen Luftraums beschäftigt sich das gemeinsame Forschungsprojekt Sky Limits von Wissenschaft im Dialog und TU Berlin. Eine im Auftrag des Projektteams durchgeführte repräsentative Bevölkerungsumfrage zu Einstellungen gegenüber Transportdrohnen und zur individuellen Nutzungsbereitschaft der Technologie zeigt nun, dass eine Mehrheit der Deutschen den Einsatz von Lieferdrohnen (55 Prozent) und Flugtaxis (62 Prozent) ablehnt. Ausgenommen von der mehrheitlichen Skepsis gegenüber Transportdrohnen sind medizinische Notfälle: Hier stimmen knapp zwei Drittel der Befragten dem Einsatz zu.

Ausschlaggebend in der Bewertung von unbemannten Luftfahrzeugen sind für die meisten Befragten Aspekte wie Sicherheit und Umweltfreundlichkeit. 75 Prozent der Befragten befürchten „eher“ oder „voll und ganz“, dass Lieferdrohnen zu Unfällen führen könnten, bei denen Menschen verletzt werden. Bei Flugtaxis glauben dies 81 Prozent. 79 Prozent der Befragten geben an, dass es ihnen wichtig ist, dass Lieferdrohnen umweltfreundlich sind, für Flugtaxis sehen dies 83 Prozent der Befragten als wichtig an.

Ein Mehrwert der Drohnentechnologie für die Lieferung von Paketen und für den Personenverkehr wird von zwei Dritteln der Befragten bezweifelt. 21 Prozent der Befragten können sich vorstellen, selbst Lieferdrohnen zu nutzen. 18 Prozent wären bereit, Flugtaxis für ihre individuelle Mobilität zu nutzen.

Download der Umfrageergebnisse

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