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Dr. Christoph Schlünken

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Mitglied des Vorstands ALTANA AG, ALTANA AG

Trend-Dossier 2021 Drei Megatrends werden 2021 die Welt dank IoT-basierter Technologien prägen

Autor / Redakteur: Dr. Christoph Schlünken / Lea Täufer

Das neue Jahr haben wir wohl selten so sehr herbeigesehnt wie dieses – wohl zu Recht, denn das neue Jahrzehnt beginnt hoffnungsvoll und mit einem großen Versprechen: dass innovative Forschung und Technologie selbst eine Pandemie besiegen können.

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Die Entwicklung des Internet of Things ist und bleibt unaufhaltsam. Welche Trends stehen im Jahr 2021 an?
Die Entwicklung des Internet of Things ist und bleibt unaufhaltsam. Welche Trends stehen im Jahr 2021 an?
(Bild: pixabay)

Diese Aufbruchsstimmung wird aber weit über die Pandemie und den Erfolg der Impfstoffe hinausgehen, denn Covid-19 macht es möglich, die Umsetzung der wichtigsten IoT-Trends zu beschleunigen. Die aktuelle technologisch-gesellschaftliche Dynamik hätte es zumindest in Europa ohne Corona so nicht gegeben.

Welche Megatrends werden 2021 zu IoT-Innovationstreibern? Nachhaltigkeit, Prozesstechnologien und Plattformökonomie. Nichts davon ist neu, doch jetzt können wir ihr technologisches Potenzial voll zur Geltung bringen. Diese IoT-basierten Anwendungen werden unsere Industrie tiefgreifend verändern.

2021: Das Jahrhundert der Nachhaltigkeit eröffnet das IoT-Zeitalter

Corona hat uns nachdenklicher und werteorientierter gemacht. So zeigen Umfragen vom Frühjahr und Herbst 2020, wie etwa von Accenture, einen deutlichen Wandel im Konsumentenverhalten und eine sich verändernde Produktnachfrage: Mehr Gesundheit und Nachhaltigkeit, mehr ökologische wie persönliche Achtsamkeit, gesündere Körper- und Reinigungsprodukte. Die Wirtschaftsberater sprechen von einem „Weckruf für die Unternehmen (...), die ein Produkt- und Dienstleistungsportfolio anbieten (müssen), das den sich ändernden Kaufmustern entspricht – und zwar nicht nur aktuell, sondern auch nach der Pandemie.”

Dieser Trend wird auch das B2B-Geschäft der Industrieunternehmen unter Druck setzen, weil die Kunden es verlangen, es langfristig Kosten und Ressourcen spart und technologisch möglich ist. Wer jetzt etwa CO2-Neutralität bis 2025 oder 2030 erreichen möchte, wird die notwendigen Innovationen zügiger und kreativer umsetzen müssen als ursprünglich geplant. IoT-Lösungen spielen dabei eine zentrale Rolle, wie das Weltwirtschaftsforum in einer Untersuchung von 600 IoT-Anwendungen feststellte: Rund 84 Prozent davon tragen zum Erreichen von Nachhaltigkeitszielen bei. Eine Bitkom-Studie zeigt, dass die Digitalisierung fast die Hälfte der für das deutsche Klimaziel notwendigen CO2-Reduktionen ermöglichen kann.

Dabei dürfte es zwei „IoT-Gewinner“ geben – Blockchains und Digital Twins – die 2021 den Weg auch in hardwarelastige Industriezweige finden werden: Die einstige Nischentechnologie Blockchain könnte zum entscheidenden Baustein für globale Logistikketten werden, denn ihre dezentrale Distributed-Ledger-Technologie ermöglicht bislang unerreichte Effizienz und Steuerung von Supply Chains – und reduziert damit den CO2-Ausstoß.

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie leicht globale Lieferketten unterbrochen und so Produktionen lahmgelegt werden können: Logistik wird dank IoT dezentraler und zunehmend automatisiert. Das gilt auch für die Chemiebranche – von den Rohstofflieferanten über die Produktion bis zu den Kunden. Gleichzeitig ist die produzierende Industrie gezwungen, in ihrer Herstellung und Lagerung, mithin der time-to-market, noch flexibler zu werden.

Digital Twins und die Modernisierung IoT-basierter Prozesstechnologie

Die industrielle Produktion wird prozessintensiver, autonomer, digitaler und kleinlosiger. Industrieunternehmen werden 2021 daher verstärkt auf innovative Prozesstechnologie setzen, um Anlagensteuerung digitaler und effizienter zu machen sowie Produktionsketten zu optimieren. Möglich machen das IoT-basierte Lösungen für zunehmende Modularisierung und digitale Prozessintensivierung, etwa im Anlagenbau, sowie die auf Mehrwert ausgerichtete Kombination disruptiver Technologien, wie etwa die additive Fertigung.

Disruptiv ist auch der zweite IoT-Gewinner des kommenden Jahres – der digitale Zwilling. Ob nun als digitales Abbild einer Chemieanlage, als Testobjekt für die Auslegung technischer Leistungen und Wartung der realen Anlage oder als maßgeschneiderter Produktzwilling nach Kundenwunsch: Digital Twins werden in die Chemieindustrie Einzug halten.

Das Jahr der Entscheidung: Plattformökonomie ist der Schlüssel für Europas Zukunft

Eines schafft das Corona-Virus wohl nicht: Die Neuverteilung globaler Wirtschaftsmacht aufzuhalten. Der digitale Wettbewerb aus den USA und China wird uns endgültig dazu zwingen, das Kernelement der IoT-Welt anzunehmen und auf Plattformen zu setzen. Die Plattformökonomie ist der vielleicht entscheidende Antrieb für die Digitalisierung – und unsere Chance, unsere Position als zentrale Zulieferernation zu behaupten.

Der Digitalisierungsdruck auf hiesige Zulieferindustrien ist enorm – sie müssen umso schneller agieren, als ihre Abnehmer rund um die Welt sich schon auf anderen Digitalisierungsniveaus befinden. So hat etwa die Altana-Tochter Byk-Gardner die Produktion ihrer Messgeräte für Lackierungen innerhalb weniger Jahre um 50 Prozent erhöht – eine Folge des Digitalisierungsdrucks im Markt für Autoreparaturlacke.

Auch B2B-Plattformangebote in der Industrie werden eine intelligente Customer Journey anbieten (damit gegebenenfalls auch neue Geschäftsfelder) und parallel zu ihren internen Prozess(optimierung)en digitalisieren müssen.

Wenn wir so in das neue Jahr starten, kann Europa mit Optimismus in das neue Jahrzehnt blicken und das Jahrhundert der Nachhaltigkeit beginnen.

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