Medizinische Geräte für den Heimgebrauch

Dr. Smartphone und MHealth

| Autor / Redakteur: Robert Frodl / Redaktion IoT

Fernmonitoring von Patienten? Nur mit drahtlosen Gerätefunktionen möglich.
Fernmonitoring von Patienten? Nur mit drahtlosen Gerätefunktionen möglich. (Quelle: sfam_photo/shuttterstock)

Mobile, vernetzte Geräte im HealthCare-Bereich versprechen Einsparungen und Patientenkomfort. Bei der Entwicklung der Geräte heißt es für Hersteller allerdings einige Hürden zu nehmen.

Die Nachfrage nach Konnektivität und Mobilität nimmt auch in der Medizinbranche kontinuierlich zu. Im Trend liegen dabei auch sogenannte InHome-Geräte, die medizinische Pflege und Versorgung in den eigenen vier Wänden ermöglichen. Die bereits in der Praxis getesteten Beispiele reichen von implantierbaren Geräten zur Messung von Blutdruck bis hin zu kardialen, Remote-Überwachungssystemen. Bis 2020 soll der Markt für medizinische Heimgeräte etwa 44,3 Mrd. Dollar wachsen – mit einer jährlichen Wachstumsrate von 9,7%.

Funktionen des Smartphones nutzen

Die Grundvoraussetzung für den Heimgebrauch ist eine drahtlose Gerätefunktion, wobei immer häufiger auch das Smartphone in den Fokus rückt: Statt entsprechende Funktionen in die Geräte zu integrieren, werden die bereits vorhanden Kommunikationsfeature genutzt, um über Apps Daten zu sammeln und direkt an Patienten oder das medizinische Fachpersonal zu übermitteln.

Der Einfallsreichtum im Gesundheitswesen wird jedoch noch von einigen Aspekten ausgebremst. Hersteller stehen vor folgenden Herausforderungen:

  1. Wahl der WiFi-Technologie

Anders als bei langlebigen medizinischen Geräten ist der Produktlebenszyklus bei klassischen Consumer-Produkten wie Smartphone oder Tablet vergleichsweise kurz. Wollen Hersteller von Medizingeräten das Potential neuer Technologien im vollen Umfang nutzen, müssen sie sicherstellen, dass ihre Geräte dem schnellen Innovationsrhythmus folgen können.

2. Designen für Zuhause

Die häusliche Umgebung ist weniger einheitlich und viel unvorhersehbarer als ein Krankenhaus oder eine medizinische Einrichtung. Patienten nutzen Geräte unterschiedlich und verfügen über unterschiedliches Know-how. Entsprechend muss auch das Feature-Set der Geräte ausgelegt sein. Einfachheit der Bedienung ist dabei oft wichtiger als der Umfang der Funktionen.

Wie ein Produkt beim Endbenutzer ankommt, sollte daher bereits in einer frühen Phase der Entwicklung überprüft werden. Nicht nur weil es für den Erfolg des Produkts Markt ausschlaggebend ist, sondern auch weil das Einholen von Anwender-Feedback für die Dokumentation der FDA erforderlich ist.

3. Sicher und Zuverlässig

Wi-Fi und Mobilfunknetze werfen auf Grund ihrer insgesamt nur relativ instabilen Verbindungen vor allem sicherheitstechnische Fragen auf. Um die intermittierende Signalstärke zu überwinden lassen sich neben Pufferung und Queuing auch nicht lizenzierte Frequenzbändern einsetzen. Medizinische Telemetriebänder, die speziell auf das zuverlässige Monitoring eines Krankheitsverlaufs von Patienten ausgelegt sind, werden beispielsweise von der FCC zur Verfügung gestellt.

 Hohe Sicherheitsstandard fordert auch die FDA und verlangt vor der Markteinführung rein drahtlos betriebener medizinischer Geräte umfangreiche Tests. Mögliche Einschränkungen hinsichtlich der Konnektivität müssen ausreichend berücksichtigt und dokumentiert werden.

4. Priorität Datenschutz

Ähnliche Herausforderungen stellt der Datenschutz. Bluetooth-Wireless-Protokolle bieten hier etwas mehr Sicherheit als herkömmliche Wi-Fi-Verfahren. Sie sind für die Kommunikation über ein Personal Area Network (PAN) von kleinen Gruppen von bis zu acht Geräten konzipiert und ermöglichen dadurch Ad-Hoc-Netzwerke. Zudem unterstützt Bluetooth viele Sicherheitsmerkmale wie beispielsweise Kennwortschutz und Verschlüsselung und verschiedene Sicherheitsstufen (z. B. Modus 3 Link-Level Enforced Security).

 Dabei gilt es beim Sammeln von Patientendaten eine Reihe von Vorschriften einzuhalten – von FDA, HIPAA (Health Insurance Portability and Accountability Act) und HITECH (Health Information Technology for Economic and Clinical Health) in den USA bis zum Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) in Deutschland. Sie gewährleisten, dass geschützte Patientendaten bei Übertragung, Empfang oder Weitergabe vertraulich behandelt und ausreichend geschützt sind.

5. Fehlen von Standards und einheitlichen Richtlinien

Datensicherheit und Datenschutz gelten als Brandthemen in der Medizinbranche. Nach wie vor fehlen in vielen Fällen gesetzliche Richtlinien sowie Standards, die den flächendeckenden Einsatz von vernetzten, medizinischen Geräten in Krankenhäusern, Gesundheitseinrichtungen und im privaten Bereich regeln. Eine der größten Herausforderungen besteht für Gesetzgeber und Entwickler mit dem schnellen, technologischen Fortschritt mitzuhalten. Fehlende Standards und eine uneinheitliche Rechtsgrundlage bremsen daher Innovationen häufig aus und erschweren die Zulassung sowie die Einführung von Produkten in unterschiedlichen Märkten.

Der Trend zu InHome-Geräten und mHealth verspricht willkommene Wachstumsmöglichkeiten. Um die individuellen und komplexen Anforderungen zu erfüllen ist dafür ein breites Spektrum an Ressourcen und Know-how zu neuen Technologien nötig – zum Beispiel bei Wi-Fi-Lösungen. Hier macht es Sinn gemeinsam mit Partnern Wissen gezielt zu bündeln, um kosteneffektive und in kurzer Time-to-Market innovative Geräte auf den Markt zu bringen.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.