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Interview mit Andreas Barth, Dassault Systèmes

Digitalisierung: Think big, start small, start now

| Autor: Jürgen Frisch

Kollaboration entlang der Wertschöpfungskette ist das Ziel der Plattform 3DEXPERIENCE. Standardisierte Best Practice ermöglicht Unternehmen schnelle Veränderungen, wie Andreas Barth, Managing Director EuroCentral von Dassault Systèmes berichtet.

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Andreas Barth, Managing Director EuroCentral von Dassault Systèmes:
Andreas Barth, Managing Director EuroCentral von Dassault Systèmes: "Jeder Hersteller will möglichst viel auf seiner Plattform bündeln. Wir bauen unsere Plattform aus, aber sicherlich nicht soweit, dass wir dort betriebswirtschaftliche Daten hinzunehmen. Da niemand alles abbildet, werden die Unternehmen in Zukunft wohl mit mehreren Plattformen arbeiten, die miteinander kommunizieren."
(Bild: Michael Damboeck)

Digitalisierung haben sich viele Unternehmen zum Ziel gesetzt. Welche Rolle spielen dabei das Product Lifeceycle Management (PLM) und der Digital Twin?

Barth: Beide Begriffe sind Kernelemente der Digitalisierung. Dassault Systèmes geht allerdings weit darüber hinaus. Das klassische PLM verwaltet Produktdaten und zeigt Änderungen auf. So entsteht ein statischer Digitaler Zwilling, zum Beispiel das Modell einer Flasche. Mit 3DEXPERIENCE dreht sich das Objekt, und in der Simulation kann beispielsweise Flüssigkeit auslaufen. Wir visualisieren das lebende Modell, beispielsweise das Öffnen und Schließen der Heckklappe eines Pkws. Das ist deutlich mehr als ein statischer Digitaler Zwilling.

Laut Einschätzung von Analysten bestand der Hauptzweck früherer PLM-Systeme darin, die Datensilos innerhalb eines Unternehmens zu vereinheitlichen, während es heute darum gehen muss, die Produktdaten in der kompletten Wertschöpfungskette verfügbar zu machen. Wie bilden Sie diese Forderung ab?

Barth: Unsere Plattform zielt auf Kollaboration. Laut einer aktuellen IDC-Studie ist die Zahl der Unternehmen, die sich mit Industrie 4.0 beschäftigen, vom vergangenen Jahr bis heute von 53 auf 86 Prozent gewachsen. 90 Prozent der Firmen geben allerdings an, dass sie zu viel Zeit in der Koordination zwischen den Abteilungen verlieren. Unsere Plattform bringt die verschiedenen Fakultäten wie beispielsweise Mechanik und Elektrik so zusammen, dass sie die gleiche Sprache sprechen. Es geht nicht darum, die Systeme der einzelnen Abteilungen lediglich über Schnittstellen zu verbinden. Das gibt es längst. Wir verbinden die Daten inklusive der dahinterliegenden Semantik. So können die Abteilungen ihre Ergebnisse direkt austauschen.

Können Sie ein Praxisbeispiel nennen?

Barth: In der Konstruktion wird eine Flasche simuliert, und diese Simulation schauen sich andere Abteilungen und Partner an. Das Ergebnis lautet beispielsweise, dass der Boden zu dick ist, die Flasche dadurch zu schwer wird, und dass sich der Verschluss nicht leicht genug öffnen lässt. Der Konstrukteur kann auf diese Kritikpunkte in seinem nächsten Entwurf direkt reagieren. Es entsteht ein Kreislauf, der alle Abteilungen miteinander verbindet.

Andreas Barth ist seit 2011 bei Dassault Systèmes Managing Director EuroCentral.
Andreas Barth ist seit 2011 bei Dassault Systèmes Managing Director EuroCentral.
(Bild: Michael Damboeck)

Plattformen zur Kollaboration bauen gerade viele Softwarehersteller auf. Wo liegt die Spezialität von Dassault Systèmes?

Barth: Wir kommen vom Thema Virtualisierung, und deshalb spielt uns das Thema Industrie 4.0 perfekt in die Karten. Andere Anbieter reden von Predictive Maintenance auf Basis von Big Data. Das ist aus unserer Sicht lediglich ein ganz kleiner Teil der Möglichkeiten von Industrie 4.0. Dassault Systèmes befasst sich seit 2005 mit der Digitalisierung der Konstruktion; Mit dem CAD-Programm sind wir Weltmarktführer. Diese Tradition prägt uns. Heute beschäftigen wir uns beispielsweise mit der Simulation elektromagnetischer Wellen. Das ist wichtig, wenn es um die Entwicklung von Smart Watches geht. Weitere Bereiche sind Akustik und Verschleiß. Mit unseren Werkzeugen kann ein Ingenieur simulieren, ob die Tür eines Autos nach einigen Jahren Betrieb immer noch mit einem satten Plopp ins Schloss fällt.

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