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Kommentar

Digitalisierung… so ein MIST!

| Autor/ Redakteur: Stefan Grimm, Alexander Kostgeld* / Sebastian Human

Um die digitale Transformation erfolgreich zu bewältigen und deren Vorteile bestmöglich auszuschöpfen, ist es notwendig, zunächst den Status quo zu reflektieren. Für die Analyse dieser Ausgangsgrundlage existiert eine Methodik mit dem klangvollen Namen MIST.

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Um die digitale Transformation von Grund auf richtig strukturiert anzugehen, gibt es mit MIST eine hilfreiche Methodik.
Um die digitale Transformation von Grund auf richtig strukturiert anzugehen, gibt es mit MIST eine hilfreiche Methodik.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Natürlich schaut eine erste Analyse-Phase auf dem Weg zur digitalen Transformation in den unterschiedlichen Unternehmen jeweils etwas anders aus, aber im Grunde sind es immer wieder die gleichen altbekannten Schritte, die zum Erfolg führen. Der Knackpunkt liegt, wie so oft, in der genauen Zieldefinition. Zur Erinnerung: Man sollte Ziele immer SMART, also spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert formulieren. Jedoch präsentieren die wenigsten IT-Dienstleister Lösungen, aus denen ein solches Ziel ableitbar wäre, vor allem wenn man seine Kernexpertise nicht im IT-Umfeld hat. Es kommt immer wieder vor, dass Technologieanbieter, vor allem auf Messen, Buzzwords, wie zum Beispiel IoT, Big Data, KI etc., als Eye-Catcher verbreiten, ohne Potenziale für mögliche praktische Einsatzszenarien aufzuzeigen.

Also, wo fängt man nun konkret an? Naja, bei der Zieldefinition – das hatten wir ja schon… aber muss es denn immer gleich SMART sein? Sollte man sich nicht zunächst mit seinem MIST im Unternehmen beschäftigen, bevor man anfängt, Ziele zu definieren? Ja, Sie haben richtig gelesen: Es geht um Ihren MIST! Wie soll sich denn da auch jemand anderes außer Ihnen auskennen?

M – Welche Maschinen sind bereits im Einsatz?

I – Welche Informationssysteme werden Stand heute genutzt?

S – Welche Sensoren werden bereits eingesetzt?

T – Wie ist der Transfer der Daten geregelt?

Diese Informationsbasis bildet unsere Ausgangsgrundlage, um sich im Detail mit Optimierungsmöglichkeiten zu beschäftigen.

Schauen wir die vier Punkte kurz genauer an. Um es etwas anschaulicher zu gestalten, ziehen wir den Vergleich zum menschlichen Körper.

M – Maschinen

Die eingesetzten Maschinen sind wie die menschlichen Organe, sie halten den Laden am Laufen. Sie sollten perfekt aufeinander abgestimmt sein, um einen möglichst effizienten Ablauf zu gewährleisten. Beantworten Sie sich selbst folgende Fragen und überlegen Sie, ob das für Sie einen perfekten Arbeitsablauf darstellt:

  • Wie ist Ihre Produktionslinie aufgebaut, also welche Maschinen sind im Einsatz und müssen in welcher Reihenfolge welche Aufgabe erledigen?
  • Wie werden die Maschinen gesteuert?
  • Werden schon Daten aufgenommen?
  • Wie werden diese verwendet/ausgewertet?
  • Sind das überhaupt relevante Kennzahlen?
  • Was sind die Bedürfnisse der Mitarbeiter an den Maschinen?

I – Informationssysteme

Die unterstützenden IT-Systeme in Ihrem Unternehmen könnte man als Gehirn bezeichnen. Oftmals wird eine Vielzahl von Managementsystemen (CRM, ERP, Logistik-Software, Energiemanagement, …) im Unternehmen eingesetzt. Alle haben einen bestimmten Zweck und verfolgen ein bestimmtes Ziel. Jedoch wird in den meisten Fällen das Leistungsspektrum jeder einzelnen Software nur zu einem Bruchteil genutzt und oft sind sie nicht optimal aufeinander abgestimmt. Oftmals könnten auch Systeminhalte und -ziele konsolidiert werden, wodurch sich die Anzahl unterschiedlicher Anbieter und Schnittstellenprobleme reduzieren würde. Aber gut, darum geht’s erstmal nicht. Es geht zunächst um folgende Fragen:

  • Welche IT-Systeme sind im Einsatz?
  • Welcher Prozess bzw. Teilprozess wird durch welches System unterstützt?
  • Sind die vorhandenen Daten zu dem jeweiligen Prozess nutzbringend, oder fehlen wichtige Informationen?
  • Wie erfolgt ein Monitoring über Systemzustände?
  • Sind die Anwendung der Software als auch der Informationsfluss zugänglich und verständlich für alle Anwender?

S – Sensoren

In der Analogie zum Menschen entsprechen die Sensoren eines Produktionsablaufs den Sinneszellen beziehungsweise Rezeptoren des menschlichen Nervensystems: Sie nehmen die Informationen aus allen Organen auf und melden diese an das Gehirn weiter. Genauso sollte es auch im Unternehmen erfolgen, jedoch sind einige Maschinen noch nicht fähig ihren Zustand aktiv mitzuteilen. Hierfür gibt es immer mehr Sensoren und Sensorsysteme, mit denen die Maschinen ausgestattet werden können. Ob man gezielt die Abnutzung von, zum Beispiel Bohr- oder Fräsköpfen, anhand von Schwingung, Temperatur oder Biegemomente betrachtet oder die Erzeugnisse aus der Maschine optisch bewertet, spielt vorerst keine Rolle. Wichtig ist, die Daten konstant aufzunehmen. Folgende Fragen helfen hier weiter:

  • Welche Sensoren sind bereits in den Maschinen verbaut?
  • Gibt es Sensorpakete für die bereits eingesetzten Maschinen?
  • Welche Informationen sind für die jeweilige Maschine relevant in Bezug auf Qualität des Arbeitsschritts, Auslastung der Maschine oder neue Rückmeldepunkte?
  • Kann der Anwender die Informationen in Echtzeit und auf unkomplizierte Art und Weise abrufen bzw. wird er aktiv informiert?

T – Transfer der Daten

Der Transfer der Daten kann mit dem menschlichen Nervensystem verglichen werden. Es geht um mehr als nur reine Datenleitungen. Eine bi-direktionale Kommunikation mit dem Gehirn ist das Optimum. Genauso sollte es in einer intelligenten und vernetzten Produktion aussehen, es bedarf also einer zentralen Datenbank. Die Realität schaut meist etwas anders aus, die Daten liegen oft quer verteilt in den unterschiedlichen Datenquellen im Unternehmen. Zum Beispiel intern in der Maschine oder in softwareeigenen Datenbanken. Die Daten können in der Regel über spezielle Schnittstellen abgerufen oder über Exportfunktionen konsolidiert werden. Für den ersten Schritt gilt es, sich ein Bewusstsein über die Struktur zu verschaffen. Folgende Fragen bringen Sie hier für‘s Erste weiter:

  • Wie sind die Maschinen angebunden?
  • Wie werden die Daten gehalten, also in welcher Datenbank sind sie jeweils wie abgespeichert?
  • Welche Daten liegen dort konkret vor?
  • Was für Informationen können aus diesen Daten jeweils entnommen werden?
  • In welcher Form hat der Anwender Zugriff? Bekommt jeder die Information, die er/sie braucht in einer verständlichen Art und Weise? Wer darf und muss Zugang zu welchen Daten (wann) haben?

Um ein smartes Ziel zu definieren ist es außerordentlich wichtig, sich vorerst einen Überblick über die bestehende Systemlandschaft zu verschaffen. „Aus-MIST-en“ hilft dabei.

* Stefan Grimm (CTO) und Alexander Kostgeld (CEO) arbeiten bei Bersabee und helfen Unternehmen bei der Umsetzung ihrer digitalen Transformation.

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