Expertenbeitrag

 Nils Herzberg

Nils Herzberg

Senior Vice President und Global Head for Strategic Partnerships for Digital Supply Chain & Industrie 4.0 , SAP SE

Industrie 4.0 Digitalisierung: Schlüsselfaktor für Instandhaltungsstrategien

Autor / Redakteur: Nils Herzberg / Sebastian Human

Gerade im Bereich der Instandhaltung kann der Einsatz von digitalen Technologien maßgeblich zu mehr Effizienz beitragen. Die so entstehenden intelligenten Anlagen liefern Unternehmen wichtige Einblicke und schaffen echte Geschäftsvorteile.

Firmen zum Thema

Die Instandhaltung von Maschinen und Anlagen sind für produzierende Unternehmen von herausragender Bedeutung, dementsprechend groß ist hier das Potenzial von Digitaltechnologie.
Die Instandhaltung von Maschinen und Anlagen sind für produzierende Unternehmen von herausragender Bedeutung, dementsprechend groß ist hier das Potenzial von Digitaltechnologie.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Laut aktuellem „Power of Industry 4.0 in Asset Management Report“ der MPI Group sind 58 Prozent der Verantwortlichen für die Instandhaltung von Anlagen der Meinung, dass Technologien der Industrie 4.0 bereits heute ein Wettbewerbsvorteil sind. Darüber hinaus sagen 39 Prozent, dass dies in Zukunft der Fall sein wird. Insgesamt 97 Prozent der Befragten sehen also in Industrie 4.0 einen Vorteil für ihr Unternehmen.

Die größte Herausforderung: Momentan ist es nicht möglich, Anlageninformationen mit Fachleuten und über Anwendungen hinweg auszutauschen. Daher verwundert es nicht, dass 62 Prozent der Instandhaltungsleiter der Meinung sind, dass sich die Kommunikation zwischen Maschinen und IT-Systemen im Unternehmen verbessern muss. Hier können Industrie 4.0-Funktionen unterstützen. Ein paar Denkanstöße:

Intelligente Anlagen unterstützen eine bessere Auslastung

Viele Unternehmen vertrauen bei ihren Anlagen immer noch auf eine entweder von langer Hand geplante oder auf eine präventive Wartungsstrategie, bei der die Maschinen und Roboter routinemäßig gewartet werden. So wollen sie Ausfälle vermeiden oder zumindest deren Wahrscheinlichkeit reduzieren. Das Motto „lieber auf Nummer sicher gehen“ ist allerdings nicht mehr zeitgemäß. Ein Grund: Unternehmen müssen extrem kosteneffizient arbeiten und können Maschinen nicht nach einem festen Zyklus für einige Tage stilllegen. Berechnungen zufolge verschlingt die vorausschauende Wartung fast den gleichen Anteil des Budgets wie die Betriebskosten – und macht damit mehr als ein Drittel aus. Intelligente Lösungen können dabei unterstützen, hier effizienter zu planen und zu agieren.

Von vorausschauender Wartung hin zu vorausschauenden oder präskriptiven Modellen

Ein Ansatzpunkt sind immer intelligentere Anlagen. So sinken die Kosten für Sensoren kontinuierlich und ermöglichen es, smartere Produktionsstätten zu planen, zu entwickeln und aufzubauen. Die Vorteile für Unternehmen liegen auf der Hand. Sie können die Leistung, den genauen Standort und den Durchsatz jeder einzelnen Maschine prüfen – egal, ob es sich dabei um Gabelstapler und Roboter im Lager handelt oder um Lkw auf der Straße.

Sind die Daten zum Geräte- und Anlagenstatus erfasst, lassen sie sich im Kontext des gesamten Betriebs und des Geschäfts insgesamt setzen. Die entsprechenden Leistungsparameter zeigen mögliche Schwachstellen auf und deuten Probleme an, bevor sie entstehen. Unternehmen können so nicht nur mit dem eigentlich Unerwarteten rechnen, sondern sie können auch schnell, präventiv und kosteneffektiv Maßnahmen ergreifen, um dies zu beheben. Mit anderen Worten: Firmen müssen beispielsweise Wartungsarbeiten nur dann durchführen, wenn sie wirklich erforderlich sind. Dies erhöht den Lebenszeitwert von Teilen, optimiert die Zeit der Techniker und trägt zu einem besseren Kundenerlebnis bei.

Einige Unternehmen gehen bereits einen Schritt weiter. Statt vorherzusagen, was geschehen könnte, nutzen sie Maschine Learning und prädiktive Analytik, um ergebnisbasierten Empfehlungen zu erstellen. Wird ein Problem diagnostiziert, entwickelt die präskriptive Anwendung eine Auswahl an möglichen Szenarien und Aktionen und stellt sie als Lösungsansatz zur Verfügung.

Intelligente Anlagen verbessern Produktivität

Dank der Integration von KI in Maschinen und Anlagen lassen sich Industrie 4.0-Daten sammeln, analysieren und dazu nutzen, einen digitalen Zwilling der gesamten Lieferkette zu erstellen. Durch die Entwicklung eines digitalen Zwillings der physischen Produktionsstätte können Unternehmen diese während des gesamten Lebenszyklus kontrollieren, analysieren, optimieren und warten. So schaffen Organisationen den Spagat zwischen Profitabilität, einem guten Zustand der Anlagen und einer hohen Verfügbarkeit.

Intelligente Anlagen können Unternehmen die folgenden Informationen liefern – wenn sie richtig aufgesetzt sind:

  • Leistungsfähigkeit
  • Nutzung und Nutzungsdauer
  • Informationen zur sinnvollsten Wartungsstrategie
  • Nachhaltige Funktion hinsichtlich Emissionen
  • Wartung der Produktionsstätte
  • Ausfall der Anlage

So lassen sich Geschäftsvorteile über die gesamte Lieferkette hinweg erzielen. Dazu gehörten unter anderem:

  • Reduzierte Ausfallzeiten
  • Vorausschauende und präskriptive Wartungsprozesse
  • Erhöhte Gesamtanlageneffizienz (Optimized Equipment Efficiency, OEE)
  • Verlängerte Lebensdauer kostenintensiver Anlagen
  • Verbesserter Kundenservice

Informationen als Schüssel für Verbesserungen

Im digitalen Zeitalter sind Informationen der Schlüssel zur Innovation. Der Einsatz von Industrie 4.0-Techologien ermöglicht Unternehmen, Informationen in Echtzeit präzise zu erfassen – und zwar über den gesamten Lebenszyklus einer Maschine von der Entwicklung bis zur Außerbetriebnahme hinweg. So entsteht eine digitale Historie, die von allen Beteiligten eingesehen und genutzt werden kann – dazu gehören Kunden und der Einkauf, aber auch Wartungs- und Ingenieursteams. Die Erkenntnisse lassen sich vielfältig einsetzen, zum Beispiel, um Designs zu verbessern, zusätzliche Funktionen oder komplett neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

(ID:47532184)

Über den Autor

 Nils Herzberg

Nils Herzberg

Senior Vice President und Global Head for Strategic Partnerships for Digital Supply Chain & Industrie 4.0 , SAP SE