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Expertenbeitrag

Christoph Plass

Christoph Plass

Vorstandsmitglied bei UNITY

Strategie

Digitalisierung: Plattform oder Klassisches Geschäft?

| Autor/ Redakteur: Christoph Plass / Sebastian Human

Digitalisierungsstrategien, die sowohl Plattformtechnologien als auch -geschäftsmodelle berücksichtigen, sind erfolgversprechend. Mit den „L-Konzepten“ beschreiben wir zwei erprobte Modelle.

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Digitale Technologien verändern alle Branchen. Unternehmen brauchen Digitalisierungsstrategien, um den Wandel erfolgreich zu gestalten.
Digitale Technologien verändern alle Branchen. Unternehmen brauchen Digitalisierungsstrategien, um den Wandel erfolgreich zu gestalten.
( Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Bei der Beschäftigung mit dem Thema Plattformen fällt auf: Technologen sprechen dabei meist von Plattformtechnologien, im Management ist eher die Rede von Plattformgeschäftsmodellen. Eine isolierte Betrachtung der beiden Dimensionen ist jedoch nicht zielführend. Das Geschäftsmodell-Technologie-Portfolio [01], das wir bereits im Artikel "Das Phänomen Plattform" erläutert haben, hilft, beide Dimensionen in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit zu berücksichtigen. Auf dieser Basis kann eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie entwickelt werden.

Zwei erfolgreiche Digitalisierungsstrategien: Die L-Konzepte

Abb. 1: Das Geschäftsmodell-Technologie-Portfolio mit den beiden L-Konzepten „Better Business“ (blau) und „New Business“ (grün)
Abb. 1: Das Geschäftsmodell-Technologie-Portfolio mit den beiden L-Konzepten „Better Business“ (blau) und „New Business“ (grün)
( Bild: [02] S. 4. )

Erfolgreiche Digitalisierungsstrategien lassen sich meist einem von zwei strategischen Kernkonzepten zuordnen, die wir aufgrund ihrer grafischen Darstellung im Portfolio „L-Konzepte“ nennen: Das L-Konzept des klassischen Geschäfts (blau) und das L-Konzept der Plattformen (grün) (Abb.1) [02]. Während ersteres als „Better Business“ bezeichnet werden kann, weil es ein kluger, aber konservativer Weg ist, das bestehende Geschäft zu stärken, dreht es sich bei letzterem um „New Business“. Das L-Konzept der Plattformen erfordert unternehmerischen Mut und Risikobereitschaft. Hier bedeutet eine erfolgreiche Umsetzung jedoch auch das Potenzial stark skalierenden, neuen Geschäfts.

Better Business – Das L-Konzept des klassischen Geschäfts

Für Unternehmen sind Optimierungen im klassischen Geschäft notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Seit Jahren arbeiten viele Unternehmen daran, ihre Business IT-Systeme (IT) und die operativen IT-Systeme (OT) im Sinne von Industrie 4.0 zu vernetzen. Der Aufwand ist allerdings immens. Daher werden zunehmend moderne Plattform- und Cloud-Technologien eingesetzt. So werden Daten aus technischen Anlagen, zum Beispiel durch den Einsatz von Sensoren, direkt in die Cloud gebracht, um daraus weitere Services zu generieren, die direkten Mehrwert bieten. Derartige Investitionen können somit in vielen Unternehmen bereits enorme Effizienz- und auch Ertragssteigerungen ermöglichen. Diese Beobachtungen zeigen für uns einen sinnvollen strategischen Weg auf, den wir das L-Konzept des klassischen Geschäfts nennen.

New Business – Das L-Konzept der Plattformen

Ein weiterer strategischer Pfad entsteht dann, wenn Unternehmen die S-Kurven-Sprünge sowohl auf technologischer Basis als auch in den Geschäftsmodellen konsequent realisieren. Es handelt sich dann um exponentielle Geschäftsmodelle, die nur mit Hilfe von Plattformtechnologien zu realisieren sind. Die neu entstehenden Plattformen sind digitale Marktplätze in Form von Wertschöpfungsnetzen, die die bestehenden Wertschöpfungsketten durchbrechen oder unterwandern können, indem sie sich als Zwischenhändler/Intermediär etablieren. Durch den Betrieb der Plattform erlangt das Unternehmen die Datenhoheit und eine zentrale Position im Wertschöpfungsnetzwerk. So ist es in der Lage, branchenweite Standards zu setzen und sich für Kunden unersetzlich zu machen. Je mehr Marktteilnehmer an der Plattform partizipieren, desto besser wird das Angebot für alle: ein gewinnbringender Kreislauf für den Plattformbetreiber. Diesen Pfad nennen wir das L-Konzept der Plattformen.

Synergien nutzen

Nicht jedes Unternehmen muss beide Strategiepfade erschließen. Stattdessen können kooperative Modelle zum Erfolg führen.

Entscheidend ist, dass Unternehmen die Zusammenhänge verstehen und sich zunächst auf einen Strategiepfad konzentrieren. Darüber hinaus ist es wichtig, den Markt und die Akteure zu kennen, um mögliche sich ergänzende Geschäftsmodelle und Strategiepfade identifizieren zu können. So gibt es bereits Unternehmen, die selbst das L-Konzept im klassischen Geschäft verfolgen, dieses aber konsequent auf Partner ausrichten, die das L-Konzept der Plattformen umsetzen. So können auch klassische Unternehmen schnell von der Plattformökonomie profitieren. Ihre Prozesse und Produkte müssen dann aber den hohen Anforderungen der Plattformunternehmen, beispielsweise schnellen Lieferzeiten, genügen.

Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Unternehmen bereits einige Initiativen im Sinne der L-Konzepte vorweisen. Häufig geschieht dies jedoch noch unkoordiniert. Ein zielgerichtetes Vorgehen auf Basis einer ausgearbeiteten Digitalisierungsstrategie kann hier nachhaltigen Erfolg bringen.

Literatur

  • [01] Engels, G., Plass, C., Rammig, F.-J. [Hrsg.]: IT-Plattformen für die Smart Service Welt (acatech DISKUSSION), München 2017.
  • [02] Fischer, D., Herbst, M., Meisen, T., Plass, C.: OPPORTUNITY: Digital Innovation, Büren 2019.

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