Efficiency Systems Digitalisierung per Plug-and-play

Autor / Redakteur: Thilo Heffner / Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Fehlende Standards, fehlende Konzepte, fehlendes Kundeninteresse – ist die Digitalisierung im Maschinenbau wirklich noch kein Thema? Bei einem mittelständischen Unternehmen gelang der Start mühelos. Auch seine Kunden waren schnell zu überzeugen.

Firmen zum Thema

Mit dem Servicewerkzeug können die Anwender sich ihre gewünschten Informationen selbst in Dashboards zusammenstellen, jederzeit per Drag-and-drop ändern und/oder neu erstellen.
Mit dem Servicewerkzeug können die Anwender sich ihre gewünschten Informationen selbst in Dashboards zusammenstellen, jederzeit per Drag-and-drop ändern und/oder neu erstellen.
(Bild: Efficiency Systems)

Große Schuhfirmen im Bereich der Sport-, Freizeit- und Sicherheitsschuhe gehören zu den Kunden von Desma Schuhmaschinen in Achim, östlich von Bremen. Das Unternehmen ist Spezialist für Maschinen, mit denen Schuhsohlen automatisiert an den Schaft gespritzt werden. Mit stetigen Innovationen haben sich die Niedersachsen zum Weltmarktführer entwickelt, der mit seiner starken Marke sogar für billige Nachbauten kaum Platz lässt. „Auch wenn wir im Preiskampf gegen chinesische Kopierer nicht bestehen können – die Kunden wollen schon irgendwann das Original“, kommentiert dies Desma-Geschäftsführer Christian Decker.

Doch diese Position ist nicht einfach zu halten und die ständige Weiterentwicklung der Technik darf nicht zum Selbstzweck werden. Bei Desma hat man vielmehr stets den eigenen Kunden im Blick und versucht, seine Anforderungen und Wünsche umzusetzen. An erster Stelle steht dabei die Effizienz des Produktionsprozesses. Das beginnt mit dem Anspruch höchster Qualität und Zuverlässigkeit bei den Maschinen und setzt sich fort in dem Bemühen, Arbeitsschritte zu vereinfachen und damit schnellere und günstigere Abläufe zu schaffen. Dort sind neue Materialien ebenso gefragt wie kreative Lösungen im Maschinenbau.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Digitalisierung ist der erste Schritt

Mit der Digitalisierung seiner Maschinen hat das zur Salzgitter AG gehörende Unternehmen einen Weg eingeschlagen, der neben dem Management des Produktionsprozesses auch das Management des Maschinenparks für Kunden einfacher und effizienter gestaltet. Seit 2017 liefert Desma seine Maschinen zusammen mit der Software Smart-Shopfloor von Efficiency Systems aus. Smart-Shopfloor liest alle 5 s sämtliche Informationen aus den Maschinen aus, legt diese in einer gesicherten Datenbank ab und stellt alle Maschinendaten in frei konfigurierbaren Dashboards online bereit. Ob auf dem PC, im Werk auf einem Großmonitor, einem Tablet oder jederzeit unterwegs auf dem Smartphone: Ein Web-Browser genügt zum Abrufen aller Daten.

Das Konzept von Smart-Shopfloor lautet: Plug-and-play. Smart-Shopfloor ist eine Anwendung, die ohne Anpassung sofort eingesetzt werden kann. Sie ist branchen- und systemunabhängig. An erster Stelle der Entwicklung stand aber die Sicherheit. Die sensiblen Kundendaten werden in einer Standarddatenbank abgelegt, die auf gesicherten Servern betrieben wird, jederzeit geschützt vor fremden Zugriffen. Dabei ist das Sicherheitsniveau vergleichbar mit der Datensicherheit eines Bankkontos, denn die Unternehmensdaten werden ausschließlich über verschlüsselte Tunnel übertragen.

Zugriffsfreie Erfassung der Daten

Über ein einfaches Softwarescript von Efficiency Systems werden die Daten vom Kunden selbst aus der Maschine ausgelesen und außerhalb seines Datennetzes geschützt durch ein Datentunnel an einem vereinbarten gesicherten Übergabepunkt zur Weiterverarbeitung bereitgestellt. Ein externer Zugriff auf das Kundendatennetz ist damit überflüssig. Die Maschinendaten stehen dann authentifizierten Benutzern bei der Erstellung ihrer Web-Dashboards als Variablen zur Auswahl bereit. Ein Proxy sammelt die Daten kontinuierlich, sodass nichts verloren geht, auch wenn es einmal eine Unterbrechung der Datenverbindung nach außen geben sollte.

Die Desma-Maschinen sind oft 24 h, 7 Tage pro Woche im Einsatz. Mit Smart-Shopfloor haben die Produktionsverantwortlichen jederzeit den aktuellen Stand ihrer Maschine im Blick. Falls Abweichungen entstehen, ist dies in Smart-Shopfloor sofort sichtbar. Unterbrechungen im Maschinenbetrieb werden so auf einfache Weise reduziert, weil Probleme auf diese Art frühzeitig und oft mit einem kurzen Handgriff gelöst werden können.

Schneller Nutzen ist zu erwarten

Über den eigentlichen Maschinenzustand hinaus zeigt Smart-Shopfloor aber beispielsweise auch den Produktionsfortschritt an und ermöglicht so eine Kontrolle der Auftragsabwicklung. Dementsprechend ist die Anwendung nicht nur für die Werksmitarbeiter geeignet, sondern auch für die Geschäftsführung, die Kundenbetreuung und den Vertrieb.

Treten Störungen im Produktionsablauf auf, sind deren Hauptverursacher nicht immer leicht ersichtlich. Eine Visualisierung, in welcher Häufigkeit welcher Unterbrechungsgrund auftritt, kann dazu beitragen, die Ursache zu finden und zu beheben, wodurch die Effizienz nachhaltig gesteigert wird.

Engere Zusammenarbeit bringt Vorteile

Aufbauend auf den Daten, die Smart-Shopfloor aus der Maschine sammelt, hat Desma sein Serviceangebot erweitert. „Wir sehen uns als Partner unserer Kunden und wollen dazu beitragen, dass deren Mitarbeiter nicht nur mit perfekten Desma-Maschinen arbeiten, sondern ihre Tätigkeiten bereits heute einfacher und besser erledigen können“, begründet Decker den zusätzlichen Service. Es ist künftig geplant, ein Überwachungs- und Benachrichtigungssystem einzurichten, das beispielsweise vor drohenden Ausfällen warnt und bereits frühzeitig Ersatzteilbestellungen vorschlägt. Denn Smart-Shopfloor schlägt nicht erst Alarm, wenn die Maschine ausfällt oder bestimmte Schwellwerte überschritten sind, sondern es interpretiert die Daten und kann so bereits im Vorfeld warnen. Dadurch reduzieren sich die Servicekosten, ein finanzieller Vorteil, von dem auch der Kunde profitiert – nicht nur durch geringere Ausgaben, sondern auch durch eine höhere Verfügbarkeit der Maschinen. Die Datenfreigabe ist jedoch kein Muss. Wer das nicht möchte, kann von Desma auch den bisher üblichen Herstellerservice bekommen. Die Möglichkeiten, wie mit den Produktionsinformationen umgegangen wird, sind vielfältig und die Kunden bestimmen letztlich selbst, welche Variante sie bevorzugen.

Ortsunabhängiger Zugriff

Die meisten Schuhe werden in Asien produziert. Rund drei Viertel der Weltproduktion entstehen in China, Indien und Vietnam. Weil die Produktion des Schaftes immer noch aufwendige Handarbeit voraussetzt, ziehen die Produktionsstandorte auf der Suche nach billigen Arbeitskräften immer wieder um. Für die Datenabfrage und die Steuerung des Service ist dies ohne Belang, solange es vor Ort Internet gibt. Denn die Daten können mit Smart-Shopfloor weltweit abgerufen werden – auch von den Firmenzentralen in Deutschland, Europa oder den USA. Der Desma-Geschäftsführer weiß: „Viele der kleineren Schuhproduzenten betreiben kein Manufacturing Execution System (MES) und haben daher keine zentrale Datenhaltung. Gerade für diese ist Smart-Shopfloor eine lohnende Alternative, die etwa 80 % des vergleichbaren Funktionsumfangs abdeckt, aber wesentlich einfacher und günstiger zu implementieren ist.“

Weil die Software Smart-Shopfloor unabhängig von der einzelnen Maschine ist, kann man auch andere Datenquellen im Produktionsdatennetz mit einbinden. Das können bereits vorhandene Maschinen von Desma sein, aber auch solche von anderen Herstellern oder gar eine ERP-Software. Damit wird dem Anlagenbetreiber die gesamte Produktionskette übersichtlich dargestellt und letztendlich wird sein Unternehmen für ihn transparenter.

Grundlage für das Geschäft von heute

„Die Digitalisierung der Produktion ist nicht mehr aufzuhalten“, ist sich Decker sicher. „Wir denken bereits über die Veränderungen der kommenden 10 bis 15 Jahre nach“, so der Desma-Geschäftsführer. Dabei geht es nicht in erster Linie um die Technik, sondern um die veränderten Beziehungen zwischen Herstellern, Lieferanten und Endkunden. „Schon heute setzen die Veränderungen der Geschäftsmodelle ein“, so Decker mit Verweis auf das neue Servicemodell. „Dies wird sich in Zukunft noch ausweiten und beschleunigen.“

Datenbasierende Services, der Austausch von Informationen zwischen den verschiedenen Stufen der Handelskette bis hin zum Kunden und zu neuen Dienstleistern im Umfeld der Produktion sind für ihn die Grundpfeiler des künftigen Geschäfts. Anwendungen zur Datensammlung und -auswertung, wie Smart-Shopfloor, bilden dafür die grundlegende Basis. MM

Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal MM Maschinenmarkt.

* Thilo Heffner ist Geschäftsführer und Inhaber von Efficiency Systems in 88662 Überlingen

(ID:45130806)