Digitaler Fortschritt

Digitalisierung: Mit dem Flugtaxi durch die Smart City?

| Autor / Redakteur: Sascha Puljic / Redaktion IoT

Schon heute gibt es mehr Smartness in Städten als viele annehmen.
Schon heute gibt es mehr Smartness in Städten als viele annehmen. (Teradata)

Die "Flugtaxi-Affäre" hat eines gezeigt: Deutschland muss sich endlich trauen, groß zu denken - denn Fortschritt funktioniert nur mit Visionen.

Die Aufregung war groß. Als Dorothee Bär, die neue Staatsministerin für Digitalisierung, vor Kurzem laut über digitale Infrastruktur und Flugtaxis nachdachte, sorgte das bei vielen Kommentatoren für Unverständnis und Spott.

Breitbandausbau als Grundlage für digitalen Fortschritt

Die Kritik scheint nachvollziehbar. Firmen, die hierzulande schon mit dem Internetanschluss zu kämpfen haben, sprechen lieber über den Breitbandausbau als über ferne Zukunftsvisionen. Dass Deutschlands digitaler Fortschritt noch viel zu oft auf der Standspur statt auf der Standleitung unterwegs ist, ist eine Binsenweisheit – leider.  Aber mit Blick auf das Tempo der technologischen Innovation und die Herausforderungen von Urbanisierung, Globalisierung und Umweltschutz, ist dieser Wurf schlicht zu kurz.

Der Job der Politik ist es, eine Infrastruktur aufzubauen, die die fortlaufende Integration von zukunftsweisenden Innovationen ermöglicht statt beschränkt. Dabei ist der Staat nicht auf sich allein gestellt. Ob Mobilitätsanbieter, Stadtplaner oder Internetkonzerne: Alle denken fieberhaft über die Zukunft der Städte und Konzepte zur vernetzten Mobilität nach. Den Luftraum lassen sie dafür nicht außer Acht. Flugtaxi-Startups wie Lilium und Kitty Hawk sind längst dabei, die dritte Dimension zu erobern. Das erste autonome Flug-Taxi hat übrigens schon vor rund einem Jahr in Dubai seinen Jungfernflug absolviert, um in Zukunft Personen im Luftverkehr durch den Großstadtdschungel zu befördern. Keineswegs aus der Luft gegriffen ist daher die Vermutung, dass fliegende Taxis ebenso wie autonom fahrende Autos bald das Bild der Smart City prägen könnten, deren Entstehen wir alle gerade miterleben.

Erste Städte werden smarter

„Das Internet der Dinge bedeutet, dass unsere Städte online gehen“, erklärte der MIT-Forscher Carlo Ratti schon vor zwei Jahren auf der Teradata Universe-Konferenz. Erste Städte werden bereits smarter. Und das sind nicht nur die Vorzeige-Metropolen wie Dubai, Singapur oder Hongkong.

In den serbischen Städten Belgrad und Panceyo fahren die Busse des öffentlichen Nahverkehrs neuerdings mit smarten Sensoren durch die Straßen, um die  Konzentration an Schadstoffen zu erfassen. In der Seestadt Aspern bei Wien sammeln Sensoren mit Zustimmung der Bewohner Daten über Stromverbrauch, Luftqualität und Raumtemperatur einzelner Häuser, die mit anderen Datenquellen, beispielsweise dem Stromnetz, verknüpft werden. Die anschließenden Analysen helfen nicht nur, vor Ort Energie einzusparen und Emissionen zu verringern. Sie liefern zudem Anhaltspunkte für den Bau und die Renovierung anderer Stadtviertel. So werden Metropolen Haus für Haus ein Stückchen smarter – und letztendlich lebenswerter. Die Kombination aus Verkehrsdaten und anderen Informationen, wie Umfrageergebnisse über Fahrgewohnheiten, machen den Verkehr flüssiger, erleichtern Rettungseinsätze und vermeiden Unfälle. In der nordspanischen Hafenstadt Santander können Bewohner über die App „Smartsantander“ Beschwerden über Müll oder Baustellen bei der Stadtverwaltung einreichen. Indem diese Ort und Zeit über aus dem Smartphone ausliest, kann sie schneller und effektiver reagieren und Brennpunkte schneller erkennen. Es gibt noch zig spannende Beispiele von Städten, die die Digitalisierung richtig anpacken. Denn sie haben verstanden, dass sie ein probates Mittel ist, um seinen Bürgern und Besuchern einen besseren Service zu bieten.

Schon heute gibt es mehr Smartness in Städten als man gemeinhin anzunehmen vermag. Ob wir morgen in ihnen Flugtaxis oder autonome Autos nutzen werden, um zum Bäcker oder ins Büro zu fahren, sei dahingestellt.

Die Digitalisierung anpacken

Ja, es ist vollkommen richtig, dass sich Deutschland beim Thema Breitbandausbau ins Zeug legen muss – am besten in Lichtgeschwindigkeit. Richtig ist auch, dass wir mit GDPR ein juristisches Update für das digitale Zeitalter erhalten, in dem Daten das Epizentrum von Wirtschaft und Gesellschaft sind. Oder dass wir Schülern das nötige digitale Knowhow in einem Pflichtfach Informatik vermitteln, für das sich übrigens die große Mehrheit der Deutschen in einer jüngsten Umfrage ausgesprochen hat.

Umso wichtiger ist es aber – und das hat uns die „Flugtaxi-Affäre“ doch eigentlich vor Augen geführt – dass wir als Land endlich in den Fortschritt investieren und uns trauen, groß zu denken.

Fortschritt funktioniert nicht ohne große Ideen und Visionen. Und wenn sie gut sind, lohnt es, sie in die Realität umzusetzen und einen Schritt nach dem nächsten dafür zu gehen – vorzugsweise mit bis zu 300Mbit pro Sekunde.

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