Arbeitsmarkteffekte der Digitalisierung

Digitalisierung: Job-Verluste in der Produktion erwartet

| Redakteur: Jürgen Schreier

Bezogen auf die Zahl der Erwerbstätigen ist infolge der Digitalisierung hauptsächlich das produzierende Gewerbe von einem Beschäftigungsabbau betroffen.
Bezogen auf die Zahl der Erwerbstätigen ist infolge der Digitalisierung hauptsächlich das produzierende Gewerbe von einem Beschäftigungsabbau betroffen. (Bild: Pixabay / CC0)

In Summe wird die Digitalisierung bis zum Jahr 2035 zu keinem gravierenden Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland führen, da sich der Stellenabbau mit dem Aufbau neuer Jobs die Waage halten dürfte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von IAB und BIBB.

Die Digitalisierung wird zu erheblichen Umwälzungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt führen, bis zum Jahr 2035 aber nur geringe Auswirkungen auf das Gesamtniveau der Beschäftigung haben. Das geht aus einer soeben veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hervor. Sie vergleicht das Szenario einer fortschreitenden Digitalisierung mit einem Basis-Szenario ohne Digitalisierungseffekte.

Im Jahr 2035 werden nach den Modellrechnungen der Nürnberger Forscher aufgrund der Digitalisierung einerseits rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze abgebaut sein. Andererseits führt die Digitalisierung den Forschern zufolge zu annähernd genauso vielen neuen Arbeitsplätzen. Unterm Strich treten damit damit keine größeren Beschäftigungsverluste auf.

In der Studie von IAB und BIBB werden die Auswirkungen der Digitalisierung branchenspezifisch und regional differenziert dargestellt. „Entscheidend für die regionalen Auswirkungen einer zunehmenden Digitalisierung sind die Wirtschafts- und Berufsstruktur vor Ort“, erklären die Forscher.

Im produzierenden Gewerbe gehen 130.000 Stellen verloren

Bezogen auf die Zahl der Erwerbstätigen ist infolge der Digitalisierung hauptsächlich das produzierende Gewerbe von einem Beschäftigungsabbau betroffen. Dort könnten rund 130.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Mit den Beschäftigungsgewinnen darf hingegen in der Branche Information und Kommunikation rechnen, wo gemäß der Modellrechnung 120.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen werden. Unter den Dienstleistungsberufen werden im Wirtschaft-4.0-Szenario vor allem die Büro- und kaufmännischen Dienstleistungsberufe sowie Verkehrs-, Lager- und Transportberufe weniger stark nachgefragt.

In absoluten Zahlen werden in Nordrhein-Westfalen die meisten Arbeitsplätze ab- und aufgebaut. Die Forscher des IAB und BIBB erwarten rund 290.000 verlorene, aber auch rund 290.000 neu entstandene Arbeitsplätze. Setzt man die Veränderungen jedoch in Beziehung zur Zahl der derzeit bestehenden Arbeitsplätze, so ergeben sich für Baden-Württemberg die größten Umwälzungen. Im Jahr 2035 werden in diesem Bundesland wegen der Digitalisierung rund 210.000 Arbeitsplätze weggefallen sein. Gleichzeitig werden hier jedoch rund 200.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Damit sind in Baden-Württemberg knapp sieben Prozent aller Arbeitsplätze von der Digitalisierung betroffen.

Jobbilanz: Nord- und Ostdeutschland mit Negativsaldo

Deutlich negativ wird der Arbeitsplatzsaldo in Nord- und Ostdeutschland ausfallen. Als Gewinner mit plus drei Prozent haben die Forscher die Region Mitte-West ausgemacht. Diese umfasst die Bundesländer, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland.

„Eine zunehmende Digitalisierung wird jedenfalls mit einer deutlichen Umgestaltung der Arbeitswelt einhergehen, und in diesem Prozess werden Bildung und Weiterbildung der Beschäftigten eine zentrale Rolle übernehmen“, betonen die Forscher.

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