Logistik 4.0

Digitalisierung der Supply Chain: Überforderte Logistiker?

| Redakteur: Jürgen Schreier

Während der Logistikgigant DHL bei der Digitalisierung zügig vorankommt (im Bild "Vision Picking"), stellt die rasante technische Entwicklung eine große Herausforderung für viele Unternehmen dar.
Während der Logistikgigant DHL bei der Digitalisierung zügig vorankommt (im Bild "Vision Picking"), stellt die rasante technische Entwicklung eine große Herausforderung für viele Unternehmen dar. (Bild: Deutsche Post DHL)

Allem Anschein nach entwickeln sich die Technologien derart schnell, dass viele Unternehmen bei der Digitalisierung der Supply Chain kaum Schritt halten können. Das legt eine DHL-Untersuchung nahe. Es gibt aber auch positive Gegenbeispiele.

Der neue Report von DHL zur Digitalisierung in der Supply Chain zeigt: Neue Technologien und Lösungen entwickeln sich derart rasant und krempeln die Industrie gleich an mehreren Fronten umkrempeln – sodass die Entwicklung besonders bei Lieferketten nur schwer mithalten kann. Eine Befragung von fast 350 Supply Chain- und Operations-Experten belegt, dass 95 Prozent der Befragten die potenziellen Vorteile, die physische, informationelle und analytische Innovationen bieten, nicht voll ausschöpfen können.

“Digitalisierung und die Supply Chain: Wo stehen wir und was kommt als nächstes?“ heißt der neueste Report von Lisa Harrington, Präsidentin der Iharrington group LLC. Die von DHL in Auftrag gegebene Untersuchung betrachtet, wie die Industrie mit dem sich schnell verändernden und disruptiven Umfeld umgeht, das durch die zunehmende Digitalisierung der Lieferketten entsteht. Robotik der nächsten Generation, Künstliche Intelligenz, AVs, Blockchain, Big Data Analytics und Sensoren sind nur einige Technologien, die Unternehmen heute zur Integration in ihre Betriebsabläufe und Supply Chain-Strategien bedenken müssen.

Big Data Analytics hat eindeutig Priorität

Unter allen Befragten gaben 73 Prozent Big Data Analytics als eine der wichtigsten Informations- und Analyselösungen an, in die ihr Unternehmen investiert. Damit liegt Big Data noch vor den cloudbasierten Anwendungen, die von 63 Prozent der SCM-Entscheider benannt wurden, sowie dem Internet of Things (IoT), das 54 Prozent als Investitionsziel angaben. Blockchain wurde von 51 Prozent der Befragten genannt, gefolgt von Machine Learning von 46 Prozent und Sharing Economy bei nur 34 Prozent. Bei physischer Hardware lag die Präferenz klar bei Robotik. Diese wurde von 63 Prozent der Umfrageteilnehmer als die wichtigste physische Technologie eingestuft, noch vor AVs mit 40 Prozent, 3D-Druck mit 33 Prozent und Augmented Reality sowie Drohnen mit 28 Prozent.

„Es steht außer Frage, dass die Digitalisierung einen enormen Einfluss auf Lieferketten sowie Betriebsabläufe auf der ganzen Welt hat und dies auch so bleiben wird. Unternehmen sehen sich mit einer wachsenden Zahl an Optionen konfrontiert, da fortlaufend neue Produkte und Anwendungen auf den Markt kommen und sich verstärkt in der Industrie durchsetzen. Eine zielgerichtete Strategie zur Digitalisierung der Lieferkette ist dabei unerlässlich, um einerseits die neuen technologischen Möglichkeiten für sich selbst zu bewerten und um andererseits einen Weg zu finden, die Vorteile bestmöglich nutzbar zu machen, und so der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein“, so Lisa Harrington.

Langsam wagen sich Unternehmen auch in die "unbekannteren Tiefen" der Digitalisierung vor, wobei 39 Prozent der Befragten berichten, dass sie eine oder mehrere eigene Informations- oder Analyselösungen entwickeln. Lediglich 31 Prozent setzen dabei auf physische Anwendungen. Die Gründe für das langsame Tempo sind symptomatisch für traditionelle, organisatorische Veränderungsszenarien. Bei Hardware-Technologie-Anwendungen gaben 68 Prozent der Supply Chain- und Operations-Experten an, dass die Zuverlässigkeit eines der größten Probleme sei, während 65 Prozent von Widerständen gegenüber Veränderungen in ihren Organisationen sprachen. Einen unzureichenden oder zu langem Return on Investment führten 64 Prozent der Umfrageteilnehmer ins Felde. Im Bereich der Informations- und Analyselösungen nannten 78 Prozent der Befragten, dass veraltete Prozesse oder Systeme das größte Hindernis darstellten, dicht gefolgt von einem Mangel an spezifischer Fachkompetenz (70 Prozent).

Logistik-Konzern DHL präsentiert sich als Digitalpionier

Für Unternehmen ist es von entscheidender Bedeutung, Prozesse zu digitalisieren, um den ständig wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, die Effizienz und Flexibilität zu steigern und die Kundenzufriedenheit zu verbessern. Die Ergebnisse der Untersuchung werden auch intern genutzt, um die Digitalisierungsstrategie von DHL Supply Chain weiter zu schärfen. Dabei hat DHL die eigenen Prozesse mittlerweile erheblich "digitalisiert".

So nutzt der Logistik-Konzern bereits Augmented Realitiy in seinen Warenhäusern, um die Effizienz in der Kommissionierung zu steigern. Zudem verbessern Lagerroboter die Kommissionierzeiten und unterstützen Mitarbeiter bei repetitiven Aufgaben, wie dem Verpacken. Software-Roboter (Robotik-Prozessautomatisierung) übernehmen ausgewählte Backoffice-Prozesse. Im Rahmen von Internet-of-Things-Anwendungen versorgen innovative Sensoren Kunden mit Echtzeit-Informationen über den Standort und den Zustand ihrer Waren.

„Unsere Kunden erwarten im zunehmenden Maße von uns, dass wir sie in dieser Zeit des Umbruchs nicht nur begleiten, sondern richtungsweisend vorausgehen“, stellt José F. Nava, Chief Development Officer, DHL Supply Chain, fest. Ein Beispiel, wie DHL Zukunftstechnologien untersucht, bietet das Thema Blockchain. Gemeinsam mit Accenture testet man ein Verfahren, das die Fälschung von Arzneimitteln, durch die laut Interpol jährlich Millionen Menschen sterben, verhindern soll.

Blockchain wird 2018 das IoT revolutionieren

Mehr Performance, neue Anwendungen

Blockchain wird 2018 das IoT revolutionieren

14.12.17 - Nach Einschätzung des eco-Verbands wird 2018 ein "echtes" Blockchain-Jahr. Die Zahl der konkreten Business-Anwendungen wächst stetig. Neue Blockchain-Konzepte wie Ethereum oder Hyperledger Fabric sorgen für mehr Performance und kommen so dem Internet der Dinge (IoT) zugute. lesen

In dieser Studie wird die Blockchain über ein Track-and-Trace-Serialisierungssystem in die pharmazeutische Lieferkette integriert. Auf diese Weise kann für jede Einheit einer pharmazeutischen Sendung ein eindeutiger Identifikator erfasst werden, während sie sich entlang der Lieferkette bewegt. Diese Technologie steht noch am Anfang, ist aber bereits sehr vielversprechend und bietet spannende Möglichkeiten für Kundenanwendungen.

&blik, MAN und Scherm: Ladungsträger-Tracking mit Sensorik

Das Münchner Start-Up blik GmbH, Gewinner der ersten RIO Start-Up Pitch Night, startet nun mit seiner Intralogistiklösung in die erste Testphase beim Pilotkunden MAN Truck & Bus. Im Pilotprojekt werden Ladungsträger mittels Sensoren in Echtzeit zwischen den MAN-Werken München und Salzgitter verfolgt. Auf Basis dieser Daten lassen sich Planungsprozesse transparenter gestalten und vereinfachen.

„Gerade Start-Ups wie blik spielen bei der Entwicklung neuer Technologien, innovativer Dienstleistungen und Produkte oder digitaler Geschäftsmodelle eine wichtige Rolle. Durch die Zusammenarbeit und das Mentoring profitieren sie von unserer Expertise und RIO und seine Partner auf der RIO Plattform im Gegenzug von Kreativität und Gründergeist – immer mit dem Ziel, effizientere Logistik-Lösungen für die Branche zu schaffen“, sagt Martin Kaspar, Technology und Start-Up Scout von RIO. Und RIO CEO Markus Lipinsky ergänzt: „Unsere Plattform zeichnet sich ja gerade durch seinen offenen und kooperativen Ansatz aus. Ein vernetztes Transport- und Logistik-Ökosystem erreichen wir durch den Austausch und die Zusammenarbeit von den unzähligen kleinen und oft sehr innovativen Unternehmen mit den Schwergewichten der Branche.“

Für das Pilotprojekt mit RIO wurden zu Testzwecken bereits rund 100 Achsladungsträger mit Sensoren ausgestattet, die sich in den kommenden Wochen zwischen den MAN-Werken München und Salzgitter bewegen und somit in Echtzeit lokalisiert werden können. Zudem ist es verantwortlichen Versandleitern möglich, den Ladungsstatus (voll bzw. leer) der Achsladungsträger einzusehen. Damit bietet blik wertvolle Echtzeiteinblicke in Prozesse, hilft bei der Reduzierung von Scanvorgängen und schafft dadurch eine Basis zur Prozessoptimierung innerhalb der Transport- und Lieferkette. Nach einer erfolgreichen Pilotphase wird die Integration auf die RIO Plattform angestrebt. Die gesamte Testflotte wird von der Spedition Scherm zur Verfügung gestellt.

Durch eine kombinierte Software- und Hardwarelösung ermöglicht die blik GmbH die Überwachung von Waren und Prozessen in Echtzeit für die Industrie 4.0. Dabei wird eine aktive Sensorik mit einer Laufzeit von mehreren Jahren eingesetzt, mit der tausende Teile gleichzeitig erfasst und verfolgt werden können. Die Daten, die dabei entstehen, werden analysiert und dem Kunden in Echtzeit zur Verfügung gestellt. Diese technologische Ausrichtung ermöglicht eine zuverlässige, zeitgleiche Nachverfolgung von mehreren Waren bzw. Ladungsträgern: Neben einer erhöhten Transparenz profitieren Kunden vor allem von gesunkenen Kosten und Zeitersparnissen über die gesamte Logistikkette hinweg.

Die RIO-Plattform ist Basis für die Connectivity Angebote aller Volkswagen Truck & Bus Fahrzeugmarken. Sie bündelt digitale Services für das gesamte Transport- und Logistik-Ökosystem.

Der DHL-Report “Digitalisierung und die Supply Chain: Wo stehen wir und was kommt als nächstes?“ steht unter diesem Link zum Download bereit.

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