Vierte industrielle Revolution überschätzt?

Digitalisierung bringt kaum Produktivitätsfortschritte

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Mit diesem Problem steht Deutschland aber nicht alleine da: Der Auswertung zufolge hat der Produktivitätsfortschritt in allen G7-Ländern mit Ausnahme der USA und Kanadas seit 1970 stetig abgenommen. In den beiden nordamerikanischen Staaten ist das Tempo der Entwicklung – allerdings auf niedrigerem Niveau als in Europa oder Japan – lange Zeit relativ konstant geblieben, in den 1990er-Jahren sogar gestiegen. Nach der Jahrtausendwende ist aber auch in den USA und Kanada ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. In allen sieben Volkswirtschaften lag der durchschnittliche Produktivitätszuwachs in den fünf Jahren zwischen 2010 und 2015, aus denen die derzeit aktuellsten Daten stammen, unter einem Prozent. Dabei war er in Deutschland noch mit am höchsten.

Forscher setzen auf mehr Bildung

Statistisch lässt sich die Wachstumsrate der Arbeitsproduktivität in zwei Komponenten zerlegen: Zum einen wirken sich Veränderungen beim eingesetzten Kapital pro Arbeitsstunde aus. Zum anderen spielt die sogenannte totale Faktorproduktivität eine Rolle, eine Restgröße, die üblicherweise mit Innovationen und technischem Wandel in Verbindung gebracht wird. Die Autoren der IMK-Studie "Wachstum und Produktivität im Gegenwind" können zeigen, dass sich in allen G7-Staaten das Wachstum der totalen Faktorproduktivität zuletzt erheblich abgeschwächt hat. Von den Produktivitätssprüngen, die manche Experten aufgrund zunehmender Digitalisierung erwarten, ist also bislang in den Daten nichts zu sehen.

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Auch die von Gordon thematisierten "Gegenwinde" scheinen in Deutschland zu wehen, wie der IMK-Arbeitsmarktexperte Dr. Alexander Herzog-Stein in seinem Video-Statement ausführt. Relevant für die Bundesrepublik seien vor allem der demografische Wandel, die wachsende soziale Ungleichheit, Defizite beim Bildungszugang und der Infrastruktur. Als Gegenmittel empfehlen die Autoren der Studie eine breit angelegte bildungspolitische Initiative, als mehr Investitionen in das Humankapital, eine Stärkung der Tarifbindung, um die Konsumnachfrage zu heben sowie mehr staatliche Umverteilung und Investitionen.

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