Industrie der Zukunft Digitales Shopfloor Management beschleunigt Produktionsabläufe

Redakteur: Julia Bender

In der Industrie werden Daten oft immer noch manuell erfasst und aufbereitet, was dazu führt, dass Probleme nicht frühzeitig bemerkt und behoben werden. Ein digitales Shopfloor Managementsystem soll nun die kleinteilige Zettelwirtschaft ablösen.

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Das System zum digitalen Shopfloor Management sammelt Produktionsdaten in Echtzeit, die beispielsweise auf einem Whiteboard ausgegeben werden können.
Das System zum digitalen Shopfloor Management sammelt Produktionsdaten in Echtzeit, die beispielsweise auf einem Whiteboard ausgegeben werden können.
(Bild: Hochschule Aalen/Michael Hafner)

Heutzutage müssen Produktionsstätten optimal auf die Betriebsabläufe abgestimmt werden, damit ein möglichst effizientes Arbeiten sichergestellt ist. Dieses Vorgehen wird in der Industrie auch als „Shopfloor Management“ bezeichnet, wobei unter dem Begriff „Shopfloor“ die Fabrikhalle oder der Ort der Wertschöpfung zu verstehen ist. Es reicht längst nicht mehr aus, Produktionsdaten von einem Zettel abzuschreiben und in eine Excel-Datei einzutragen oder Smartphone-Bilder auf einem Laufwerk abzulegen, um Produktionsabläufe darzustellen und zu optimieren. Da die Datenerfassung und -aufbereitung im Industriekontext jedoch nach wie vor überwiegend auf diese analoge Art und Weise abläuft, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Studiengangs Maschinenbau/Produktion und Management der Hochschule Aalen nun in Zusammenarbeit mit dem Darmstädter Start-up SFM Systems ein System zum digitalen Shopfloor Management entwickelt und in Betrieb genommen.

Digital, schnell, effizient

Die Software erfasst verschiedenste Produktionsdaten in Echtzeit und spielt sie visualisiert auf einem digitalen Teamboard aus. Dadurch kann die Produktion aufkommende Probleme schneller erkennen und umgehend reagieren. Stücklisten, ausgefranste Auftragskarten und unklare Verantwortungsbereichen sollen damit der Vergangenheit angehören. „Mit unserem Digital Teamboard wird das Shopfloor Management mehr als digitalisiert, es wird schneller und fördert datengetriebene Entscheidungen“, sagt Mitgründer und Geschäftsführer von SFM Systems Dr. Christian Hertle. Da die Daten im digitalen Shopfloor Management direkt aus einer Quelle stammen, werde außerdem das Problem gelöst, dass es oft unterschiedliche Zeitangaben zur Laufzeit einer Maschine gibt und der Produktionsleiter viel Zeit aufwenden muss, um herauszufinden, welche Zeiten wirklich stimmen, so der Projektleiter Projektleiter Prof. Dr. Rainer Eber, der im Studiengang Maschinenbau / Produktion und Management lehrt.

Im Werkstattbereich wurde die cloudbasierte Lösung bereits um ein digitales Whiteboard ergänzt, auf dem alle relevanten Kennzahlen abgebildet werden. Anhand dessen kann beispielsweise beantwortet werden, was der Auftrag und die Ziele des Teams sind, mit welchen Kennzahlen sie gemessen werden und wie hoch die Abweichung des Ist-Zustands vom Soll-Zustand ist.

Einsatz in der regionalen Industrie geplant

Da das digitale Shopfloor Managementsystem in beliebigen Produktionsumgebungen eingesetzt werden kann, hofft Prof. Dr. Eber zukünftig auf eine Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Region: „Perspektivisch soll das System im Rahmen der Transferplattform BW Industrie 4.0 und in Zusammenarbeit mit SFM Systems auch für den Transfer in die regionale Industrie eingesetzt werden. Beim Transfer ist dabei nicht nur die fertige Lösung, sondern auch der individuelle Weg zur Implementierung im Firmenumfeld von entscheidender Bedeutung.“

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