Suchen

Umfrage zur beruflichen Weiterbildung Digitales Lernen „on demand“

Autor / Redakteur: Timo Taubitz* / Sebastian Human

Die Corona-Krise enthüllt Defizite beim digitalen Know-how. Zugleich erweist sie sich als Innovations-Booster für Weiterbildung – insbesondere auch im digitalen Bereich. Das zeigt eine Umfrage des VDI Wissensforums unter Ingenieuren.

Firmen zum Thema

Die Corona-Krise offenbart beim Thema digitale Bildung nicht nur in den Schulen Nachholbedarf, auch Ingenieurinnen und Ingenieure wünschen sich ein umfangreicheres Angebot zur digitalen Weiterqualifikation.
Die Corona-Krise offenbart beim Thema digitale Bildung nicht nur in den Schulen Nachholbedarf, auch Ingenieurinnen und Ingenieure wünschen sich ein umfangreicheres Angebot zur digitalen Weiterqualifikation.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Elektromobilität, grüne Energie, IoT, künstliche Intelligenz und Robotik sind Entwicklungen, die für die Zukunft des Industriestandorts Deutschland von entscheidender Bedeutung sind. Als Innovationsarchitekten sind neben IT-Experten auch Ingenieure gefragt. Sie brauchen außer ingenieurfachlichem Wissen auch vermehrt digitale Kompetenzen. Schließlich wachsen Disziplinen wie Maschinenbau, Elektrotechnik und IT ebenso zusammen wie Entwicklung, Konstruktion und Produktion. Fachwissen über Automatisierung, Data Analytics oder IT-Sicherheit sowie die Fähigkeit, sich in interdisziplinären Teams zu vernetzen und agile Prozesse zu managen sind überall gefragt: bei der Entwicklung von Elektroantrieben ebenso wie bei der Gebäudeautomation.

Nachholbedarf beim digitalen Wissen

Für diese Anforderungen sind viele Ingenieure noch nicht optimal aufgestellt. Sie verfügen eher über punktuelle Kenntnisse als über profundes digitales Wissen. Das gilt nicht nur für ältere Professionals. Laut einer VDI-Umfrage zur Ingenieurausbildung für die Digitale Transformation fühlen sich unter den Berufseinsteigern, die frisch von der Hochschule kommen, in punkto IT-Kompetenzen lediglich 16 Prozent ausreichend gerüstet. Gerade bei Informatik-Themen wie IT-Landschaften, Informations- und Datenbankmanagement sehen sich 41 Prozent der befragen Nachwuchs-Ingenieure durch ihr Studium nicht gut vorbereitet.

Corona-Krise verschärft Know-how Gap

Bei der Digitalkompetenz von Ingenieuren gab es also bereits vor Corona Nachholbedarf. Wie sehr sich dies unter den Vorzeichen der Krise verschärft, zeigt die aktuelle Online-Umfrage Weiterbildung in der Corona-Rezession des VDI Wissensforums unter 660 Ingenieuren und technischen Fach- und Führungskräften. Bereits im Juni 2020, also wenige Monate nach Ausbruch der Pandemie haben mehr als 50 Prozent der Befragten festgestellt, dass sich bei der Weiterentwicklung ihres fachlichen Know-hows Lücken aufgetan haben und rechnen mit negativen Folgen für das Fachwissen der gesamten Branche.

Ein dramatischer Befund. Schließlich sind hoch qualifizierte Ingenieure ein wichtiges Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund ist es keine gute Nachricht, dass 58 Prozent der Umfrage-Teilnehmer befürchten, die Folgen der Krise könnten das Ingenieurwesen mindestens ein Jahr lang beeinträchtigen. Infolge des Know-how Gaps und der Rezession sehen 32 Prozent der Befragten sogar den Innovationsstandort Deutschland in Gefahr. Damit Ingenieure auch künftig als kreative Problemlöser Innovationen vorantreiben, ist Weiterbildung für sie gerade jetzt unverzichtbar. Das ist eine der wichtigsten Lehren, die wir aus der aktuellen Situation ziehen.

Bildergalerie

Digitales Lernen im Aufwind – Präsenzveranstaltungen bleiben ebenfalls wichtig

Die Krise verdeutlicht nicht nur die Notwendigkeit beruflicher Weiterbildung. Sie treibt auch die Digitalisierung der Bildungsangebote und Lernformate voran. Online-Seminare, virtuelle Konferenzen und Team-Meetings – was wir im Home Office bereits erfolgreich anwenden, wird auch die Zukunft prägen.

2018 machten Präsenzveranstaltungen laut Adult Education Survey (AES) noch 80 Prozent der Weiterbildungskurse aus. Doch jetzt wachsen Lernen und Arbeiten zusammen – mit der Folge, dass Weiterbildung immer seltener losgelöst vom Arbeitsalltag stattfindet. Das sehen auch die befragten Ingenieurinnen und Ingenieure in der Umfrage so. Sie gehen davon aus, dass Präsenzveranstaltungen weiterhin Bestand haben werden, darüber hinaus wird jedoch informelle Online-Weiterbildung am Arbeitsplatz oder Zuhause verstärkt nachgefragt. Davon sind 65 Prozent überzeugt. Zu ähnlichen Ergebnissen ist auch eine Umfrage des HR-Branchenanalysten Fosway unter Weiterbildungsverantwortlichen gekommen: 71 Prozent der Befragten verzeichnen seit der Corona-Krise eine steigende Nachfrage nach digitalem Lernen, insbesondere bei hochrangigen Stakeholdern.

Selbstbestimmt und flexibel

Der Trend zum „Workplace Learning“ geht einher mit einer neuen Weiterbildungskultur, die auf intrinsische Motivation, Eigenverantwortung und Selbstbestimmung setzt. Das prägt auch die Lernangebote: Sie müssen sich noch viel stärker als bislang an den Bedürfnissen der Nutzer orientieren und individuelles mobiles Lernen on demand ermöglichen.

Wird berufliche Weiterbildung damit zu einer einsamen Veranstaltung? Mitnichten. Die befragten Ingenieure und Ingenieurinnen schätzen besonders abwechslungsreiche Blended-Learning-Formate, die flexibles Workplace Learning mit Interaktion und Networking verbinden. Für 65 Prozent von ihnen ist Interaktivität das wichtigste Kriterium für eine interessante digitale Weiterbildung. 71 Prozent legen Wert auf Unterlagen zum Download, 63 Prozent wünschen sich zeitlich flexibel abrufbare Inhalte und 46 Prozent Live-Inhalte.

Flexibler, bedarfsgerechter, zukunftsorientierter: Von digitaler Weitbildung und Blended Learning profitieren Ingenieure und technische Fachkräfte ebenso wie Arbeitgeber: durch die forcierte Entwicklung von digitalen und überfachlichen Kompetenzen, durch Lernformate, die Wissen nachhaltig verankern und direkt nutzbar machen sowie durch geringere Kosten, da Ausgaben für Reisen und Übernachten sinken.

Berufliche Weiterbildung für Höherqualifizierte fördern

Bleibt die Frage der Finanzierung. Um die Krise zu bewältigen und die Chancen des digitalen Wandels zu nutzen, müssen wir berufliche Weiterbildung für alle fördern – und nicht nur für gering qualifizierte Arbeitnehmer, wie sie das Qualifizierungschancengesetz und das neue Arbeit-von-morgen-Gesetz vorsehen. Auch die Weiterbildung von Ingenieuren und anderen qualifizierten Fach- und Führungskräften muss staatlich unterstützt werden. Das jedenfalls fordern 58 Prozent der Ingenieure und Technikerinnen, die an der Umfrage teilgenommen haben.

Da sich Wissen immer schneller entwickelt und verändert, wird kontinuierliche Weiterbildung zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe. Staatliche Institutionen, Arbeitnehmervertreter, Unternehmen und Bildungspartner müssen sich an einen Tisch setzen und sowohl über intelligente Finanzierungsmodelle als auch über innovative Konzepte wie Weiterbildungs-Sabbaticals, gemeinsame Anbieter-Plattformen und den Einsatz von künstlicher Intelligenz nachdenken. Schließlich profitieren alle, wenn wir unser Wissen und unsere Fähigkeiten permanent weiterentwickeln. Ganz besonders brauchen wir dafür ein neues Mindset, das lebenslanges Lernen als „new normal“ versteht.

Zusammenfassung

  • Die Corona-Krise bringt Defizite beim digitalen Know-how von Ingenieuren ans Licht
  • Eine Online-Umfrage des VDI-Wissensforums zeigt, dass Ingenieure infolge der Corona-Krise einen Know-how Gap wahrnehmen. 32 Prozent der Befragten befürchten sogar negative Konsequenzen für den Innovationsstandort Deutschland.
  • Deshalb lautet das wichtigste Learning: Weiterbildung so wichtig wie nie
  • Die Krise treibt digitales Lernen und innovative Lernformate voran.
  • Die neue digitale Weiterbildungskultur setzt auf selbstbestimmtes Workplace Learning und fördert intrinsische Motivation.
  • Wenn wie die Chancen des digitalen Wandels nutzen wollen, brauchen wir kompetente Ingenieure – und Weiterbildung für alle.
  • Deshalb muss auch die Weiterbildung von Ingenieuren und allen Hochqualifizierten staatlich gefördert werden.
  • Lebenslanges Lernen wird zur neuen Normalität.

* Timo Taubitz arbeitet als Geschäftsführer des VDI Wissensforums.

(ID:46982574)