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Roundtable beim IoT-Expertentreffen

Digitale Geschäftsmodelle: "Manche schlafen immer noch"

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Firmen zum Thema

Müssen wir auch über Facebook & Co. sprechen?

Von den gesetzlichen Rahmenbedingungen landet die Diskussion nun schnell beim Thema Daten und wem die Daten eigentlich gehören. Denn bei vielen exponentiellen Geschäftsmodellen, die Facebook, Google, Airbnb, Uber & Co. kennzeichnen und die ganze Branchen disruptieren, gehören die Daten nicht mehr denjenigen, die die Daten erzeugen, sondern den Plattformen.

Ob es aber Sinn macht und Industrieunternehmen voranbringt, auch über solche eher im B2C-Bereich herrschenden Modelle zu diskutieren, darüber sind sich die Diskussionsteilnehmer nicht einig. "Meine Daten und Facebook - dass überhaupt dieser Gedanke hergestellt wird, zeigt doch wie eng verknüpft das Ganze ist", meint Christoph Plass.

Das sieht Thomas Schildknecht anders: "Wir sollten uns darauf einigen, dass im industriellen Bereich, in dem wir als Anbieter unterwegs sind, die Daten immer dem Kunden gehören. Selbst wenn ein Teil der Daten von Service-Unternehmen genutzt wird, macht der der Vergleich mit Facebook keinen Sinn. Wenn beispielsweise über die Maschine eines Werkzeugmaschinenbauers Sensor-Werte geliefert werden, dann sind die Daten in der Datenbank des Eigentümers und werden nicht irgendwohin übertragen, geschweige denn allen zur Verfügung gestellt, die diese Maschine nutzen."

Ein anderes Argument wirft Aurelius Wosylus in den Raum: "Maschinenrelevante Daten, die oft das Wissen von Firmen spiegeln, das über Jahre angehäuft wurde, stellen immer eine Gefahr dar. Die Möglichkeit, dieses Wissen abzusaugen, ist immer gegeben, da diese Informationen oft in einer Cloud gespeichert werden. In manchen Ländern sind die Firmen sogar gesetzlich verpflichtet, diese Daten offen zu legen, sonst drohen Strafen. Für diese Fälle muss eine europäische Regelung her, die solche Praktiken ganz klar untersagt."

Christian Pereira ist der Meinung, dass man sollte sich von solchen Bedenken, die in Diskussionen gerne angeführt werden, nicht daran hindern lassen sollte, Innovationen voran zu bringen: "Wir sind seit fünf Jahren mit dem Thema Cloud unterwegs. Der Datenschutzbeauftragte ist immer mit am Tisch, aber kein Projekt ist deshalb gescheitert, denn die Kollegen waren von Anfang an aktiv eingebunden. Wir müssen aktiv mit den Möglichkeiten umgehen, die heute gegeben sind."

Das Fazit der Experten

In der Abschlussrunde gibt uns jeder der Teilnehmer noch eine persönliche Empfehlung mit auf den Weg:

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Thomas Schildknecht: "Essenziell ist die Trennung zwischen Public Cloud und Private Cloud, zwischen Industrieanwendungen und Social Media Anwendungen. Hierbei zu differenzieren ist wichtig, um klarzustellen, dass wir von unterschiedlichen Dingen reden. Das würde ich mir auch von Medien wie Industry of Things wünschen."

Aurelius Wosylus: "Mit den neuen Technologien, die nun verfügbar sind, kann man die gesamte Lösungskette abdecken. Das hat zu einer großen Aufbruchstimmung, einer Art „Land-Grabbing-Faith“ geführt, in der jeder seinen Claim abstecken möchte, um seine zukünftigen Märkte zu sichern. Die Firmen sollten sich diesen neuen Möglichkeiten jetzt öffnen, denn ansonsten werden andere Firmen Ihre Claims in ein bis zwei Jahren bereits abgesteckt haben."

Dr. Stefan Hennig: "Wir sollten weniger über digitale Geschäftsmodelle diskutieren, als vielmehr direkt dort anzupacken, wo es etwas zu tun gibt. Disruption ist eigentlich verschwindend gering im Vergleich zu kontinuierlicher Verbesserung. Deshalb sollten wir dort ein gesundes Engineering vornehmen und die Technologien, die wir aktuell zur Verfügung haben nutzen, um aktuelle Prozesse zu verbessern bzw. eine neue Wertschöpfung zu erreichen."

Christoph Plass: "Machen und starten ist ein wichtiger Grundsatz. Misserfolge sind immer dann eingetreten, wenn das Unwahrscheinliche und Unvorhergesehene gekommen ist. Die Erfolge sind immer gekommen, wenn das Unvorstellbare geklappt hat. Deshalb ist der gesunde Menschenverstand nicht immer der beste Ratgeber. Machen macht aber schlauer. Darum sollte man nicht mit Bedenken anfangen, sondern positiv nach vorne gucken."

Carsten Hagemann: "Beim Thema "Digitale Geschäftsmodelle" sollte man besser von "Geschäftsmodellen auf Basis digitalisierter Prozesse" sprechen. Jedes Unternehmen - egal welcher Größe - sollte sich hierbei die Frage stellen, wie diese digitalisierten Prozesse für die Zukunft des Unternehmens genutzt und dann schnell und kreativ umgesetzt werden können."

Jörg Overbeck: "Man muss sehr sauber zwischen B2B und B2C unterscheiden. Im B2C-Bereich ist es recht einfach an die Daten der Nutzer zu kommen. Im B2B-Bereich spielt der Mehrwert, den man für das Freigeben oder Abgeben von Daten hat eine entscheidende Rolle. Das ist es, was die Diskussion über "Digitale Geschäftsmodelle" oft so schwierig macht, was wiederum dazu führt, dass die Umsetzung datenbasierter Geschäftsmodelle erschwert wird."

Christian J. Pereira: "Die Trennung in kontinuierliche Innovation und disruptive Innovation ist sehr wichtig. Jedes Unternehmen sollte sich die Frage stellen: warum findet so etwas im Ausland statt, z.B. bei Behörden in Tallinn und bei Unternehmen in Amerika, aber viel zu wenig in Deutschland."

Rayed Hawa: "Viele Unternehmen sind erst am Anfang einer digitalen Transformation oder gerade auf dem Weg dahin. Unsere Aufgabe ist es, diese Unternehmen besser zu unterstützen, indem wir den Mehrwert des Themas konkreter herausstellen. In vielen Dingen sind unsere europäischen Nachbarn schon viel weiter als wir in Deutschland. Man sollte sich nicht nur von deutschen Bedenken leiten lassen, sondern mal über den Tellerrand schauen. Nichtsdestotrotz sollte jedes Unternehmen diese Entwicklungen auch in einem globalen Wettbewerbsumfeld betrachten, um nicht den Anschluss zu verlieren."

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