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Roundtable beim IoT-Expertentreffen

Digitale Geschäftsmodelle: "Manche schlafen immer noch"

| Redakteur: Julia Moßner-Klett

Was passiert, wenn man Experten unterschiedlicher Disziplinen über digitale Themen diskutieren lässt? Beim Expertentreffen von Industry of Things trafen sich die Teilnehmer in Themencamps, um u.a. über "Digitale Geschäftsmodelle" zu reden. Fazit vorweg: Unsere Experten sind schon aufgewacht.

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Im Rahmen des Expertentreffens von Industry of Things diskutierten Autoren und Experten in verschiedenen Themencamps u.a. zu den Themen Agilität & Arbeit 4.0, Digitale Geschäftsmodelle, Künstliche Intelligenz, Big Data oder Cybersecurity.
Im Rahmen des Expertentreffens von Industry of Things diskutierten Autoren und Experten in verschiedenen Themencamps u.a. zu den Themen Agilität & Arbeit 4.0, Digitale Geschäftsmodelle, Künstliche Intelligenz, Big Data oder Cybersecurity.
( Bild: VBM/Waschbusch )

Im Rahmen des diesjährigen Expertentreffens am Stand von Vogel Business Media auf der Hannover Messe fanden sich die Autoren und Experten von Industry of Things zu verschiedenen Diskussionsrunden zusammen. Zur Auswahl standen die Themen Agilität & Arbeit 4.0, Digitale Geschäftsmodelle, Künstliche Intelligenz & Big Data, Cybersecurity und B2B-Marketing, das unsere marconomy-Kolleginnen moderierten.

Besonderen Zulauf fand das Thema "Digitale Geschäftsmodelle", bei dem insgesamt acht (!) Experten darüber debattierten, was digitale Geschäftsmodelle ausmacht, inwiefern die Diskussion darüber überhaupt Sinn macht und wie es Unternehmen schaffen können, innovativ zu bleiben, um durch die Digitalisierung nicht als Verlierer auszuscheiden, sondern davon zu profitieren.

Themencamp "Digitale Geschäftsmodelle"

Angetreten waren Experten unterschiedlichster Richtungen:

  • Rayed Hawa, bei PTC verantwortlich für die strategischen Pre-Sales-Aktivitäten für IoT Partner in EMEA. Der Start von PTC im IoT-Markt - das Unternehmen kommt ursprünglich aus dem CAD/PLM-Umfeld - erfolgte vor vier Jahren durch die Akquisition der IoT-Plattform Thingworx.
  • Christian Pereira, Geschäftsführer von Q-Loud. Q-Loud ist eine Tochtergesellschaft der QSC AG, einem Telekommunikationsdienstleister. Q-Loud ist ein "Full-Stack-Provider" und bündelt die IoT-Kompetenz der QSC-Gruppe.
  • Dr. Jörg Overbeck, VDI Technologiezentrum GmbH, betreut in der Geschäftsstelle der Plattform Industrie 4.0 die gerade neu gegründete AG "Digitale Geschäftsmodelle in der Industrie 4.0".
  • Carsten Hagemann, selbstständiger Berater. Er berät Unternehmen seit über zehn Jahren, unter anderem zu den Themen Digitale Planung, Digitalisierung und Geschäftsmodelle.
  • Christoph Plass, Gründer und Vorstand der Managementberatung Unity AG, die eng mit Acatech zusammenarbeitet. Seit 22 Jahren berät Plass Unternehmen u.a. bei Projekten zur Digitalisierung, Change Management oder Strategie.
  • Thomas Schildknecht gründete vor 37 Jahren die Schildknecht AG, deren Vorstand er ist. Das Unternehmen ist im Bereich der Automatisierungstechnik und Wireless Connectivity tätig.
  • Dr. Stefan Hennig leitet den Geschäftsbereich Software der Elco Industrie Automation GmbH. Elco ist auf Industrie-Apps spezialisiert, mit denen man z.B. digitale Geschäftsmodelle abbilden kann.
  • Aurelius Wosylus leitet die Münchner Niederlassung von Sigfox Germany, einem französischen IoT-Service Provider, der ein globales Funknetzwerk aufbaut, um selbst einfachste Dinge drahtlos mit dem Internet zu verbinden.

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Was macht ein digitales Geschäftsmodell aus?

"Klar, haben wir ein digitales Geschäftsmodell, wir sind von unseren Kunden dahin getrieben worden." erzählt Christian Pereira von Q-Loud. Während Q-Loud früher Hardware verkaufte, die der Kunde dann selbst konfigurieren und mit entsprechenden Diensten ausstatten musste, bietet das Unternehmen seine Leistungen heute nur noch "as a service" an. Die Kunden von Q-Loud kommen klassischerweise aus dem gehobenen Mittelstand und dort finden solche Angebote inzwischen hohe Akzeptanz.

Alle acht Experten unserer Diskussionsrunde sind der Meinung, dass ihre Unternehmen digitale Geschäftsmodelle in irgendeiner Art und Weise unterstützen oder sogar bereits bedienen. Zu Beginn der Diskussion weist Christoph Plass darauf hin, dass zwischen "linearen Geschäftsmodellen", das heißt Geschäftsmodellen auf Basis digitalisierter Prozesse und "exponentiellen", also datengetriebenen Geschäftsmodellen (beispielsweise wie bei Facebook oder Uber) unterschieden werden muss. Denn Disruption entsteht durch exponentielle Geschäftsmodelle und das bedeutet eben nicht, dass einfach nur das bestehende Geschäftsmodell digitalisiert wird. Beide Formen müssen deshalb in Diskussionen berücksichtigt werden.

In zwei Schritten zu neuen Geschäftsmodellen. Oder: nicht darüber reden, sondern einfach mal umsetzen

Erst im März hat die Plattform Industrie 4.0 die neue Arbeitsgruppe „Digitale Geschäftsmodelle in der Industrie 4.0“ gegründet, in der sich Vertreter aus IKT-, Software- und Industrie-Unternehmen engagieren.

Dennoch sehen einige unserer Experten einen solchen theoretischen Diskurs über Geschäftsmodelle – der ihrer Meinung nach schon seit vielen Jahren geführt wird kritisch und oft für nicht sehr ergiebig. Besser sei es, im Sinne einer agilen Entwicklung, "einfach mal loszulegen", um schnell am Markt Erfahrungen zu sammeln.

Es gibt zahlreiche Beispiele von Unternehmen, die sich neu aufgestellt haben und die ihre Geschäftsmodelle erfolgreich wandeln konnten. So hat sich beispielsweise das Familienunternehmen Viessmann in den letzten Jahren massiv gewandelt, um für die Digitalisierung gewappnet zu sein. Aurelius Wosylus bringt es treffend auf den Punkt: "Manche sind aufgewacht, manche schlafen immer noch."

Damit Innovationen mit Hilfe von neuen Technologien gelingen, gibt es nach Ansicht der Experten zwei Stufen: Im ersten Schritt geht es um "Pain-Point-Solutions". Das bedeutet naheliegende Verbesserungen wie Qualitätssteigerungen oder Produktionsengpässe zu lösen. Dabei kommen in der Regel neue digitale Technologien zum Einsatz. Wirkliche neue Geschäftsmodelle wie As-a-Service-Produkte, Pay-per-use-Angebote oder Leasingmodelle sind erst der zweite Schritt für Unternehmen. Diese sollten sie sich aber immer immer Klaren darüber sein, dass es dauern kann, bis solche neuen Angebote vom Markt aufgenommen werden.

Jörg Overbeck zieht folgendes Resümee: "Wer viel darüber diskutiert, hat in der Regel kein vernünftiges Geschäftsmodell. Und neue, innovative Geschäftsmodelle würde man eher schützen, statt über ungelegte Eier zu reden. Allerdings brauchen wir die Diskussion um dieses Thema, damit man die Mechanismen jenseits von Einzelinteressen versteht. Die Plattform Industrie 4.0 hat die Aufgabe genau dies zu tun, damit beispielsweise Unternehmen für die Veränderungen in den Wertschöpfungsnetzwerken und damit verbundene Chancen sensibilisiert werden und der Gesetzgeber günstige Rahmenbedingungen zur Umsetzung solcher Geschäftsmodelle schaffen kann."

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