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Interview zur CDO Aachen 2020 Digital Architecture Management in produzierenden Unternehmen

Redakteur: Sebastian Human

Um die digitale Transformation gewinnbringend zu nutzen, braucht es eine klare Strategie. Doch wie sieht eine solche aus? Darüber haben wir im Vorfeld der CDO Aachen, einem Hybrid-Event zum Thema strategische Digitalarchitektur, mit zwei Vertretern der RWTH Aachen gesprochen.

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Die CDO Aachen 2020 findet am 12./13.11.2020 am Cluster Smart Logistik auf dem RWTH Aachen Campus statt.
Die CDO Aachen 2020 findet am 12./13.11.2020 am Cluster Smart Logistik auf dem RWTH Aachen Campus statt.
(Bild: FIR)

Am 12. und 13. November findet die CDO Aachen 2020 statt. Bei der Veranstaltung handelt es sich um ein interessantes Hybrid-Event aus Fachtagung und Ausstellerforum am Cluster Smart Logistik auf dem RWTH Aachen Campus. Die Besucherinnen und Besucher erwarten Einblicke in Praxis und Wissenschaft, die nicht nur informieren sondern vor allem auch nutzwertige Impulse setzen und Unternehmen dabei unterstützen sollen, wichtige digitale Fähigkeiten auszubauen.

Wir haben uns mit den beiden Bereichsleitern Jan Hicking und Tobias Schröer von der RWTH über die Veranstaltung und den Weg zu erfolgreichen Digitalisierungsprojekten unterhalten.

Herr Schröer, am 12./13. November veranstalten Sie und einige Kollegen des FIR an der RWTH die CDO Aachen 2020, die unter dem Titel Digital Architecture Management – Mit System zum Erfolg steht. Ohne zu weit auf die Inhalte des Events vorgreifen zu wollen, können Sie uns in ein paar Sätzen erklären, wie ein solches erfolgversprechendes System aussehen kann?

Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren Digitalisierungsprojekte gestartet. Wir beobachten jedoch regelmäßig, dass hier oft einzelne Leuchtturmprojekte im Fokus stehen und schließlich Ernüchterung über den ausbleibenden Gesamterfolg eintritt. Aus unserer Sicht kann die digitale Transformation nur systematisch funktionieren. Grundlegende Aspekte wie die IT-Architektur eines Unternehmens oder eingesetzte Technologien bilden die Basis für die Digitalisierungsaktivitäten, die sich dann konkret in neuen Prozessen und eingesetzten Applikationen auswirken. Ein erfolgversprechendes System muss diese Komponenten gemeinsam betrachten und einen Rahmen schaffen, in dem alle beteiligten Akteure zielgerichtet an der Digitalisierung arbeiten können. Im Übrigen ist Digital Architecture Management kein Rahmen allein für die IT sondern schließt die gesamte Organisation mit ein.

Herr Hicking, welche verschiedenen Grundlagen sollten seitens einer solchen Organisation dann hierfür bereits vorhanden sein?

Entscheidend ist, dass sich Unternehmen bereits mit Ihrer Aufbau- und Ablauforganisation in so weit beschäftigt haben, dass sie schnell auf Veränderungen reagieren können. Wie geht ein Unternehmen mit neuem Funktionsbedarf um?
Schauen wir uns eine Auswirkung der COVID-19-Pandemie auf viele Unternehmen an: von heute auf morgen ins Home-Office. Wie schnell kann ein Unternehmen dessen Mitarbeitern eine robuste Infrastruktur bereitstellen, um das Tagesgeschäft von zu Hause aus abzuwickeln? Viele Unternehmen wurden hier kalt erwischt. Architekturmanagement ist nichts anderes als eine Systematik, um mit Veränderungen zukunftsorientiert und nachhaltig umgehen zu können. Wir verstehen diese Systematik derart, dass Prozesse etabliert werden, um neue Anforderungen schnell in Lösungen zu überführen und Organisationseinheiten existieren, die solche Anforderungen erfassen und verarbeiten.

Die Interviewpartner

Jan Hicking

Jan Hicking

Bereichsleiter Informationsmanagement
FIR an der RWTH Aachen

Tobias Schröer

Tobias Schröer

Bereichsleiter Produktionsmanagement
FIR an der RWTH Aachen

Wie Herr Schröer bereits betonte, geht es bei digitaler Architektur nicht nur um die IT sondern die gesamte Organisation. Wird es in der Veranstaltung dann eigentlich primär um den kulturellen Wandel auf dem Weg der digitalen Transformation oder auch technische Details gehen?

Die kulturelle Weiterentwicklung von Unternehmen ist sicher ein wichtiger, vielleicht sogar der wichtigste Aspekt für eine erfolgreiche digitale Transformation.
Klar ist aber auch, dass Unternehmen an anderen Baustellen arbeiten müssen. Neben der strategischen Ausrichtung - also der Überlegung "Zu was sollen die Ergebnisse der digitalen Transformation führen?" - sind auch Fragen rund um betriebliche Anwendungssysteme und technische Infrastruktur zu klären. Die CDO wird all diesen Aspekten in drei unterschiedlichen Strängen nachgehen. Es soll nichts zu kurz kommen.

Aus Ihrer Erfahrung heraus: Wie beurteilen Sie die Rolle des Internet of Things im Gesamtgefüge der Digitalisierungsvorhaben der Unternehmen?

Das Internet of Things ist je nach Sicht auf die Digitalisierung entweder das Rückgrat oder das Ergebnis. Die durchgängige Vollvernetzung im IoT befähigt Unternehmen dazu, interne Prozessabläufe nachhaltig zu verbessern und völlig neue, digital geprägte Produkte anzubieten.

Und das ist eine zentrale Grundlage für die industrielle Wertschöpfung der kommenden Jahre. Wie gut sind deutsche Unternehmen hier bislang aufgestellt? Was macht die internationale Konkurrenz beim Thema Industrie 4.0?

Wir haben festgestellt, dass sich der deutsche Mittelstand zum Teil sehr schwer damit tut, Digitalisierung in handfeste Aktionsprogramme einfließen zu lassen. Es werden immer wieder – hier und da – Prototypen und Pilotprojekte gestartet.
Die Betrachtung des großen Ganzen, also die Formulierung einer echten Digitalisierungsstrategie, sehen wir nur selten. Das wird sich allerdings sukzessive ändern. Wenn die Pandemie schlussendlich etwas Positives mit sich bringen sollte, dann hoffentlich, dass alte, aus dem Jahrhundert gefallene, durch nachhaltige Praktiken abgelöst wurden.

Dieser Hoffnung schließe ich mich an. Ganz herzlichen Dank für das Gespräch.

ZUr CDO Aachen 2020

Die CDO Aachen 2020 zeigt am 12. und 13. November 2020 unter dem Motto „Digital Architecture Management – Mit System zum Erfolg“, wie Unternehmen ihre Strategie, Prozesse und Infrastruktur anhand einer Digitalarchitektur ausrichten können, um nachhaltigen Nutzen aus Digitalisierungslösungen zu ziehen.

Mehr Informationen finden Sie hier.

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