Durchstarten 2021 „Die wichtigste Änderung, die wir sehen werden, ist die Erwartungshaltung an Lieferkettentransparenz“

Redakteur: Sebastian Human

Die COVID-19-Pandemie ging an keiner Branche spurlos vorbei, doch der Logistik-Sektor bekam die Wucht der Krise besonders zu spüren. Über die Rolle von Lieferkettentransparenz bei deren Bewältigung und weiteres haben wir mit Thomas Spieker von Shippeo gesprochen.

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Thomas Spieker arbeitet als Director Central Europe bei Shippeo.
Thomas Spieker arbeitet als Director Central Europe bei Shippeo.
(Bild: Vogel Communications Group/Shippeo)

Herr Spieker, beschreiben Sie bitte das allgemeine Stimmungsbild in Ihrem Unternehmen.

Die Stimmung bei Shippeo ist ausgesprochen gut. Das liegt unter anderem daran, dass wir im letzten Jahr kräftig gewachsen sind. Wir haben die Zahl unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fast verdoppelt; nicht nur in der Zentrale in Paris, sondern europaweit. Wir konnten durch die Übernahme von O Phone unsere Technologie und unseren Kundenstamm erweitern. Zudem haben wir viele neue Kunden gewonnen und zuletzt ein Investment von über 30 Millionen Dollar erhalten. Wir sind trotz Krise auf Wachstumskurs, das wirkt sich natürlich extrem positiv auf die Stimmung aus.

Welche Probleme/Herausforderungen treten in Ihrem Unternehmen während der COVID-19-Krise auf?

Es sind die Herausforderungen, die das starke Wachstum in Krisenzeiten mit sich bringt. Wir müssen schnell neue Leute integrieren, damit sie in kurzer Zeit möglichst produktiv werden. Das ist nicht ganz einfach, wenn man pandemiebedingt vor allem auf mobiles Arbeiten angewiesen ist. Auch fehlt der direkte Kundenkontakt. Es ist immer etwas anderes, ob ich jemandem in persönlichem Austausch stehe, oder per Videokonferenz.

Wie wirken sich diese Probleme auf Ihre eigene Arbeit aus?

Die Reisetätigkeit geht gegen Null. Man sieht weder Kunden noch Kolleginnen persönlich. Das ist immer dann schade, wenn eine Kundin oder ein Kollege gerade neu hinzugekommen sind. Gleichzeitig steigt der interne Aufwand für Abstimmungen. Andererseits ist es in IT-Unternehmen nicht ungewöhnlich, dezentral zu arbeiten. Von Problemen würde ich daher nicht sprechen, wir müssen uns wie alle anderen an die Gegebenheiten anpassen, aber das kriegen wir gut hin.

Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren oder werden sich Prozesse und Abläufe künftig dauerhaft ändern? Wenn ja, mit welchen Änderungen rechnen Sie?

Wir werden einen neuen Normalzustand erleben. Den Status quo ante werden wir nicht mehr erreichen. Gegenfrage: Wäre das überhaupt erstrebenswert? Natürlich werden sich Prozesse dauerhaft ändern. Die wichtigste Änderung, die wir sehen werden, ist die Erwartungshaltung an Lieferkettentransparenz. Wir haben mit Shippeo eine Lücke geschlossen, die eindeutig vorhanden war. Unternehmen und Versender werden weiterhin wissen wollen, wo sich ihre Lieferungen befinden, wann sie am Ziel eintreffen werden und ob sie pünktlich sein werden. Nutzer und Nutzerinnen wollen die Erfahrung, die sie aus dem B2C-Bereich kennen, auch im Arbeitsalltag haben. Die Krise hat ihnen gezeigt, wie wichtig diese Informationen sind.

Welche Lerneffekte haben Sie aus der Krisensituation mitgenommen und fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Die Krise hat unser Unternehmen aufgrund unseres Portfolios nicht erfasst. Ganz im Gegenteil: Wir liefern eine Technologie, die anderen Unternehmen in Zeiten wie diesen Stabilität verleiht. Aufgrund des hohen Bedarfs boomt unser Geschäft derzeit. Wir haben einen stetig wachsenden Kundenstamm, wachsen personell und haben mit Battery Ventures einen neuen starken Investor an unserer Seite. Wir sehen uns für die Zukunft hervorragend aufgestellt und arbeiten daran, dass das auch so bleibt.

Wie beurteilen Sie den Zusammenhang zwischen Echtzeit-Lieferkettentransparenz und Resilienz der Industrie gegenüber solcher Katastrophen?

Wir beobachten, wie Lieferkettentransparenz die Widerstandsfähigkeit steigert. Der Grund ist, dass Unternehmen schneller gegensteuern können, wenn in ihrer Supply Chain eine Störung auftritt und Lieferungen nicht zu dem Zeitpunkt am Ziel ankommen, an dem sie benötigt werden.

Welche Rolle können IoT-Technologien in diesem Kontext spielen?

IoT spielt hier eine absolut zentrale Rolle. Wir nutzen das Internet of Things, um die Daten von den einzelnen Transportmanagementsystemen, den Lkw-Telematiken, oder auch Yard-Management-Systemen zu erheben. Die Vernetzung von Geräten und das Zusammenführen der Daten auf unserer Plattform sind ganz entscheidend, damit wir präzise Ankunftszeiten berechnen können.

Gibt es positive Aspekte, die Sie für Ihren Arbeitsalltag aus der COVID-19-Krise mitnehmen?

Bei uns ist wahnsinnig viel Bewegung, weil wir so viele Kunden gewinnen und on-boarden. Das macht mir sehr viel Spaß. Die Dynamik, die wir bei Shippeo jeden Tag erleben, ist der positive Aspekt, den ich in meinem Arbeitsalltag sehe.

Bremst die Pandemie die Entwicklung hin zur Industrie 4.0, oder fördert die Krise diese eher?

Industrie 4.0 wird gerne unter dem Vernetzungsgedanken betrachtet. Bei Shippeo sorgen wir für Transparenz, die essentiell ist, damit Industrie 4.0 funktionieren kann. Mit Blick auf unser Wachstum und das steigende Bewusstsein für die Wichtigkeit von Technologieeinsatz lässt sich behaupten, dass die Pandemie Industrie 4.0 eher fördert als bremst.

Gilt das so auch für die Logistik-Branche?

Das gilt sogar im Besonderen für die Logistik-Branche. Der Warenfluss ist durch die Krise global ins Stocken geraten. Der Einsatz von Technologie und das Herstellen von Transparenz haben dazu beigetragen, dass sich die Lieferketten in nur zwölf Wochen wieder erholen konnten. Wir sehen jeden Tag, wie unsere Kundinnen und Kunden davon profitieren.

Welchen Herausforderungen abseits der COVID-19-Krise sehen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag derzeit ausgesetzt?

Wir mussten schnell viele qualifizierte Leute finden, um unser Wachstum abbilden zu können. Das gilt sowohl für die Zentrale in Paris als auch für die Niederlassungen. Ich leite den Standort in Düsseldorf. Auch hier sind wir stark gewachsen. Dieses Wachstum zu managen ist Teil meines Jobs.

Wenn Sie einem/-r Einsteiger*in Ihr Arbeitsgebiet schmackhaft machen wollen, wie machen Sie das?

Man lernt in sehr kurzer Zeit wahnsinnig viel über viele verschiedene Branchen, die alle einen gemeinsamen Nenner haben: sie benötigen Transparenz in ihrer Supply Chain. Unser Markt ist sehr abwechslungsreich und dynamisch. Die Digitalisierung der Logistik ist ein Thema, dem in den letzten Jahren viel zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Und das, obwohl es gerade dort viel Nachholbedarf gibt. Wer nun dabei sein will, wenn diese Branche mit Siebenmeilenstiefeln aufholt und in einem europäischen Unternehmen mit internationaler Ausrichtung arbeiten will, sollte zu uns kommen.

Welche persönlichen Worte möchten Sie Kolleg*innen in Ihrer Branche und Ihrem Unternehmen mit auf den Weg geben?

Wir sind in der unfassbar glücklichen Situation, positive Veränderungen nicht nur zu begleiten, sondern sie aktiv herbeizuführen. Von unserer Arbeit profitieren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Unternehmen auf allen Ebenen. Angefangen beim Management, über die Supply-Chain-Planung bis zu den Menschen an der Rampe, genauso wie Lkw-Fahrerinnen und Speditionsmitarbeiter. Wir sorgen für Innovation, mehr Nachhaltigkeit und helfen unseren Kundinnen und Kunden, ihren CO2-Ausstoß zu verringern. Wir schaffen echten Mehrwert. Lassen Sie uns der Logistik-Branche die Anerkennung verschaffen, die sie verdient!

Danke, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben.

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