Use Case Die Supply Chain in den Griff bekommen

Autor / Redakteur: Jan Bungert* / Sebastian Human

Bei der Montage großer Industrieanlagen ist professionelles Lieferantenmanagement entscheidend für den Projekterfolg. Wie Linde mit einem neuen digitalen Lieferanten-Portal die globale Supply Chain organisiert und warum auch die Zulieferer von dieser Automatisierung profitieren.

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Vom dezentralen Zugriff auf das neu installierte Lieferanten-Portal bei Linde sollen nicht nur der Abnehmer sondern auch die Zulieferer profitieren können.
Vom dezentralen Zugriff auf das neu installierte Lieferanten-Portal bei Linde sollen nicht nur der Abnehmer sondern auch die Zulieferer profitieren können.
(Bild: Linde)

Die Herausforderungen für den Bau der Erdgasverflüssigungsanlage auf Melkoya Island waren gewaltig: Auf der kleinen Felseninsel vor dem Städtchen Hammerfest in Nordnorwegen sollte Linde im Auftrag des norwegischen Energiekonzerns Statoil eine gigantische Gasverarbeitungsanlage errichten.

4,3 Millionen Tonnen Gas – gefördert im Erdgasfeld Snøhvit in der Barents See und über eine 143 Kilometer lange Pipeline in die Anlage transportiert – sollen hier jährlich auf minus 163 Grad herunterkühlt und damit verflüssigt werden. Das ist eine zwingende Voraussetzung, um es von dort mit Tankern in die ganze Welt zu exportieren. Nicht gerade ein Kinderspiel rund 1000 Kilometer nördlich des Polarkreises. Eine Region, die selbst per Flugzeug nur schwer zu erreichen ist. Und in der im Winter totale Dunkelheit herrscht und extremer Frost Montagearbeiten fast unmöglich macht.

Nichts von der Stange

Die Lösung: Linde fertigte Teile der Anlage modular – in Produktionsstätten, die weitaus bessere Bedingungen boten, um die dort gefertigten Module anschließend vor Ort auf Melkoya Island zusammenzubauen. Um das Material bereitzustellen, organisierte Linde einen komplexen, globalen Beschaffungsprozess. Denn komplizierte Maschinen, Elektro-, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik sowie Rohrleitungen und Stahlbau erhielt der Anlagenspezialist von Zulieferern aus aller Welt.

„Nahezu alle Güter, die wir ordern, sind Einzelanfertigungen. Von der Stange kann man nur sehr selten etwas kaufen“, sagt Alexander Kaiser, Head of Global Procurement bei Linde Engineering. „Daher überwachen wir bereits im Fertigungsprozess viele einzelne Meilensteine und begleiten unsere Lieferanten über die gesamte Wertschöpfungskette.“

Alles im Blick

So reibungslos lief es nicht immer: Viele Jahre organisierten die Linde-Mitarbeiter Lieferungen per Mail und werten im ERP System vorhandene Daten für übergreifende Analysen und Steuerung in aufwändigen Exceltabellen aus. Angesichts der vielen Transporte und der tausenden von Tonnen an Material eine oft unzuverlässige Methode. Gesucht war daher eine Lösung, die den komplexen Beschaffungsprozessen solcher Großprojekte gerecht wird. Das Ergebnis ist eine webbasierte digitale Plattform namens Supplier Connect, die Linde gemeinsam mit Lieferanten entwickelte. Deren Zielsetzung ist es, mehr Transparenz und höhere Datenqualität zu schaffen. Hier können Lieferanten relevante Daten selbst einpflegen. Dadurch erhält Linde diese Werte in einheitlicher Form, was die Auswertung erheblich vereinfacht und die Fehlerquote sinken lässt. Denn die Software prüft die Daten schon, während Lieferanten sie eingeben. Linde behält so alles im Blick. „Mit Supplier Connect erhalten wir mehr Transparenz, da alle Mitarbeiter mit demselben Datenbestand arbeiten“, sagt Kaiser.

SAP mit speziellem Training

Entwickelt wurde das neue Portal auf der SAP Cloud Platform, die Zulieferern nun einen dezentralen Zugriff auf das Portal garantiert. Gemeinsam mit SAP-Beratern entschied sich die IT von Linde dafür, den SAP Identity Provider zur Authentifizierung externer Lieferanten zu nutzen. Im Fokus stand deshalb eine hohe User-Freundlichkeit. Ein Training durch SAP-Experten erleichtert das Onboarding der Lieferanten zusätzlich – mit Erfolg: Tausend der rund 2500 Lieferanten für Projektmaterial, mit denen Linde regelmäßig arbeitet, nutzen das neue Portal bereits – bis Ende 2020 sollen alle übrigen aktiven Lieferanten über das Portal an Linde angebunden sein.

* Jan Bungert arbeitet als Senior Vice President des Intelligent Spend Management für die Region Mittel- und Osteuropa bei SAP.

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