Management Statement

"Die starke deutsche Fertigungsindustrie schafft die besten Voraussetzungen, um Deutschland weltweit eine Führungsrolle zu sichern"

| Autor / Redakteur: Redaktion IoT / Nikolas Fleschhut

Als Head of IoT DACH bei Flexera Software unterstützt Manfred Bauer Hardware- und Softwarehersteller bei der Digitalisierung und der Umsetzung Ihrer Business Modelle im Umfeld Internet of Things mit dem Schwerpunkt Software-Monetarisierung. Dabei kann er auf tiefgreifende Branchenerfahrung während seiner leitenden Positionen im Vertrieb von Siemens, Compaq Computer, Microsoft und Cisco Systems zurückgreifen.
Als Head of IoT DACH bei Flexera Software unterstützt Manfred Bauer Hardware- und Softwarehersteller bei der Digitalisierung und der Umsetzung Ihrer Business Modelle im Umfeld Internet of Things mit dem Schwerpunkt Software-Monetarisierung. Dabei kann er auf tiefgreifende Branchenerfahrung während seiner leitenden Positionen im Vertrieb von Siemens, Compaq Computer, Microsoft und Cisco Systems zurückgreifen. (Bild: Flexera)

Die Software spielt im Internet der Dinge auch im industriellen Umfeld eine entscheidende Rolle. Viele Unternehmen sind hier jedoch aus Sicht von Manfred Bauer, Head of IoT in der DACH-Region bei Flexera Software, noch nicht optimal aufgestellt. Wir haben mit dem Experten über den aktuellen Stand der Digitalisierung, Herausforderungen für Unternehmen und das große Thema Sicherheit gesprochen.

Wo steht das Internet der Dinge Ihrer Meinung nach momentan und welche Probleme in der Umsetzung sehen Sie in Deutschland noch?

Deutschland blickt auf eine lange Tradition in der Fertigungsindustrie zurück und zählt weltweit nach wie vor zu den Spitzenreitern der Branche. Das Industrial Internet of Things (IIoT), hier vor allem als Industrie 4.0 bekannt, ist angesichts der wachsenden Digitalisierung eines der beherrschenden Themen und entwickelt sich schnell weiter. Viele deutsche Unternehmen aus der Industrie, der Telekommunikations- und Medizinbranche sowie dem Transportwesen verfolgen seit langem IoT-Strategien oder sind dabei, diese umzusetzen. Einige Unternehmen sind sogar einen Schritt weiter und bieten bereits IoT-Lösungen und -Plattformen auf dem Markt an.

Industrie 4.0 ging ursprünglich aus einer Initiative der deutschen Bundesregierung hervor und zählt zu den Kernthemen der sogenannten „Digitalen Agenda“. Außerdem widmen sich viele Branchenverbände dem Thema wie Bitkom, VDMA und ZVEI.

Wir sehen daher keine besonderen Herausforderungen bei der Umsetzung in Deutschland. Ganz im Gegenteil: Die starke deutsche Fertigungsindustrie sowie die vielen in Deutschland ansässigen Weltkonzerne schaffen die besten Voraussetzungen, um das Internet der Dinge weiter voranzutreiben und Deutschland weltweit eine Führungsrolle zu sichern.

Natürlich gilt es immer lokale Anforderungen zu beachten. Themen wie Sicherheit und Datenschutz nehmen angesichts der deutschen Gesetze und Richtlinien eine zentrale Rolle in IoT-Initiativen der Wirtschaft ein. Aber das ist grundsätzlich kein Nachteil und auch keine rein lokale Anforderung. Sowohl Sicherheit als auch Datenschutz sollten Teil einer jeden IoT-Strategie sein, um einen sicheren Umgang mit der großen Menge an erfassten und erzeugten Daten gewährleisten zu können.

Was bedeutet für Sie „Digitalisierung“ und worin sehen Sie für Ihr Unternehmen die besonderen Chancen und Risiken?

“Digitalisierung” beschreibt die Umwandlung bzw. Anreicherung von Gütern und Dienstleistungen durch digitale Technologien. Damit ändert sich auch der Wert eines Produkts oder einer Service-Leistung für den Kunden. Traditionellen Herstellern von physischen Produkten eröffnen sich damit neue Chancen. Sie können ihren Wettbewerbsvorteil ausbauen und ihre Produkte mittels Software differenzieren und verbessern. So lassen sich etwa nach dem Kauf eines Hardware-Produkts neue, zusätzliche Funktionen oder Kapazitäten elektronisch freischalten. Durch integrierte Software können Geräte völlig neue Funktionen bieten, die vorher nicht möglich waren – zum Beispiel für die Datenanalyse oder das Management von Wartungszyklen.

Wir sehen in der Digitalisierung große Möglichkeiten für die Industrie. Hersteller können die elektronische Bereitstellung von Software, Services und Updates automatisieren und damit effizienter und kostengünstiger gestalten. Manche Hersteller sehen diesen Mehrwert und die neuen Möglichkeiten allerdings noch nicht. Sie sind der Überzeugung, dass ihre bestehenden Produkte – zumeist reine Hardware-Produkte ohne Software-Anteil – und Prozesse „gut genug“ sind. Das ist oft zu kurzsichtig gedacht und kann sich durchaus zu einem Wettbewerbsnachteil entwickeln.

Sicher ist, dass die digitale Transformation Hersteller von Geräten vor große Herausforderungen stellt. Ein solches Projekt verändert die Fertigung, den Vertrieb und die Vermarktung der Produkte komplett und wirkt sich auf weite Bereiche des Unternehmens aus. Wir raten Unternehmen dazu, frühzeitig damit zu beginnen und vor allem die Unterstützung der Führungsebene zu gewinnen. So gelingt es große Pläne Schritt für Schritt zu realisieren und schnell zu handeln. Ganz nach dem Motto: “Think Big, Start Small and Act Quickly!”

Viele unserer Kunden starten gemäß diesem Ansatz mit einem kleinen Projekt zur Software-Monetarisierung für ein Produkt oder eine Produktlinie und weiten es dann Schritt für Schritt auf andere Produkte aus. So profitieren sie relativ schnell von neuen Umsätzen durch die Monetarisierung ihrer Softwarelösungen ohne dabei das Unternehmen zu schnell einem zu großen Wandel zu unterziehen.

Welches sind die fünf größten Herausforderungen für Unternehmen?

Die Entwicklungen im Zusammenhang mit dem IoT stellen Unternehmen vor eine ganze Reihe von Herausforderungen.

1. Um veränderten Marktbedingungen entgegen zu kommen, müssen Unternehmen schnell neue Absatzmärkte erschließen und neue Modelle hinsichtlich Lizenzierung, Preisgestaltung und Paketierung übernehmen.

2. Angesichts hart umkämpfter Märkte ist es entscheidend, Software gewinnbringend einzusetzen und zu monetarisieren, um die Produkte vom Wettbewerb zu unterscheiden und sie zu schützen.

3. Eine dritte Herausforderung besteht darin, entsprechende Umsatz- und Geschäftsmodelle zu finden und Möglichkeiten des Cross-Sellings und Up-Sellings zu identifizieren.

4. Darüber hinaus ist zu beachten, dass die Digitalisierung im Rahmen von IoT mit der Veränderung der Fertigungs- und der kompletten Supply Chain verbunden ist.

5. Und nicht zuletzt sollte sichergestellt sein, dass vernetzte Produkte sich fernüberwachen, analysieren und updaten bzw. warten lassen. So können Unternehmen ihren Kunden einen echten Mehrwert und proaktiven Support anbieten.

Derzeit entstehen zahlreiche Startups, die insbesondere mit cloudbasierten Angeboten versuchen etablierten Anbietern Konkurrenz zu machen? Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie aus diesem Trend?

In mancher Hinsicht sind diese Startups einen Schritt voraus, da ihre Lösungen auf die Cloud ausgerichtet sind. Sie können die Architektur ihre Produkte offener und agiler anlegen. Etablierte Anbieter hingegen stehen vor der Herausforderung, bestehende Produkte nun auch für die Cloud bereitzustellen und Hybrid-Lösungen anzubieten, die traditionelle on-premise Lösungen mit cloudbasierten Services, z. B. Software as a Service (SaaS), kombinieren.

Wie in vielen Bereichen sind die Startups hier Innovationstreiber, weil sie agiler sind und kundenfreundlichere Lösungen anbieten. Das lockt etablierte, traditionelle Anbieter natürlich aus der Reserve stellt sie unter Zugzwang, sich diesem Trend anzuschließen. Dabei raten wir ihnen dazu, auf bewährte Lösungen zurückzugreifen statt von Grund auf neue Lösungen selbst zu entwickeln.

Für viele ist die Sicherheit von Daten, nicht nur als Verbraucher, sondern vor allem als Unternehmen der größte Unsicherheitsfaktor. Wie kann Software zu einer stabilen Datensicherheit und ausreichendem Datenschutz beitragen?

Erfahrungsgemäß sind Sicherheitsmaßnahmen erst dann wirkungsvoll, wenn sie bereits bei der Entwicklung eines Produkts berücksichtigt werden und auf mehreren Ebenen zum Einsatz kommen. In der Vergangenheit reichten dazu oft rein physische Schutzvorkehrungen aus. Je mehr Anbieter von proprietärer Hardware zu Software übergehen, desto dringlicher stellt sich jedoch die Frage nach Sicherheit – sowohl in der Entwicklung der Hardware als auch der Anwendung. Entwickler müssen nun alle für das IoT relevante Sicherheitsmechanismen im Auge behalten.

Software übernimmt eine wichtige Rolle beim Datenschutz und -sicherheit. Sie kann dabei helfen, Anwendungen und Geräte vor Hackerangriffen zu schützen – etwa durch die Kombination mehrerer Sicherheitsmaßnahmen, wie zum Beispiel Application Hardening oder eine Call-Home-Funktion. Mit entsprechender Software ausgestattete Geräte können Daten an den Hersteller zurücksenden, Alarme auslösen oder ihre Funktion einstellen und so beispielsweise Produktpiraterie verhindern.

Außerdem sollten Hersteller automatisierte Update-Prozesse in ihre Produkte integrieren, um sich vor Attacken zu schützen. Damit sind sie in der Lage, schnell Patches für ihre Kunden bereitzustellen und Sicherheitsmaßnahmen zu gewährleisten. In der Realität verfügen die wenigsten IoT-Lösungen über derartige Prozesse und Technologien. Hier sehen wir noch deutlich Handlungsbedarf.

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