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Connected Cars

Die sichere Vernetzung

| Autor/ Redakteur: Andreas Riepen / Redaktion IoT

Digitalisierung, Vernetzung, Künstliche Intelligenz: Das Internet der Dinge verändert die Art, wie Produkte hergestellt werden und miteinander interagieren. Besonders sensibel ist der Bereich Connected Cars. Sicheres Fahren erfordert hier strenge Schutzmechanismen.

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Auch im Bereich Connected Cars spielt die Datensicherheit eine wichtige Rolle.
Auch im Bereich Connected Cars spielt die Datensicherheit eine wichtige Rolle.
(www.pixabay.com)

Schon heute sind die Produktionsketten in der Automobilbranche hochgradig vernetzt. Das „Just in Time“-Prinzip sorgt für eine punktgenaue Anlieferung der Fertigungsteile, so dass die Hersteller keine Lagerhaltung mehr benötigen. Doch diese Abhängigkeit von einwandfrei funktionierenden Prozessen macht die Produktion auch anfällig für Störungen. So führte ein Sturmschaden im Werk eines Zulieferers Anfang 2017 zu einer gedrosselten Produktion bei Daimler. Im Juni 2017 war BMW von Nachschubproblemen bei elektrischen Lenkgetrieben betroffen.

Automatisierung und KI

In Zukunft könnten solche Probleme sogar zunehmen. Denn die Fertigung wird weiter automatisiert und optimiert. Schon kleine Fehler führen dann möglicherweise zu einem Produktionsstopp. Auch die Endkontrollen werden immer häufiger von Maschinen durchgeführt. So müssen die Systeme von der Lieferkette über die Produktion bis zur Abschlusskontrolle vor Manipulation durch Hacker geschützt werden. Ansonsten könnten defekte Autos in den Verkauf gelangen. Diese Gefahr ist durchaus real: Laut einer Umfrage des Bitkom war in den vergangenen zwei Jahren jedes achte Unternehmen in Deutschland Opfer von digitaler Sabotage, durch die zum Beispiel die Produktion gestört wurde. 

Doch damit nicht genug: Im Zuge der Connected Cars sind die Autos auch nach dem Verkauf ständig abzusichern. Denn nicht nur die Herstellungsprozesse sind im Zeitalter von Industrie 4.0 mit dem Internet verbunden, sondern auch die fertigen Produkte. So konnte zum Beispiel das Botnetz Mirai Ende vergangenen Jahres mit Hilfe diverser IoT-Geräte wie IP-Kameras, Drucker oder gar Babyphonen groß angelegte DDoS (Distributed Denial of Service)-Angriffe auf verschiedene Ziele ausführen. Der Ausfall der Internet-Dienstleistungen der Firma Dyn führte dazu, dass die Webseiten vieler Kunden wie Twitter, Amazon oder Netflix in einigen Regionen stundenlang nicht mehr erreichbar waren.

Gefahren für Connected Cars

Während der Ausfall eines Web-Auftritts zwar ärgerlich ist und Geld kostet, sind in der Regel dadurch keine Menschenleben gefährdet. Bei Connected Cars verhält es sich anders: Kann ein Cyberkrimineller durch Sicherheitslücken auf das mit dem IoT vernetzte Auto zugreifen, kann er zum Beispiel dessen Bremsen oder die Abstandsmesser manipulieren. Dies könnte im schlimmsten Fall tödliche Unfälle verursachen. Aber auch veränderte GPS-Daten oder Verbrauchswerte führen zu Störungen, etwa beim Navigationssystem oder der Tankanzeige. Selbst ein Aussperren oder Einsperren des Fahrers durch veränderte Türschließ-Mechanismen ist möglich.

Daher müssen die Daten bei vernetzten Autos streng geschützt werden – sowohl im Fahrzeug als auch auf den zentralen Servern sowie auf dem Übertragungsweg. Dies gilt schon heute, denn in praktisch jedem modernen Auto befindet sich ein GSM-Modul, das Telemetriedaten überträgt. In Zukunft kommen zu den Fahrdaten auch persönliche Daten hinzu wie Videos der Innenkamera, die einen Sekundenschlaf des Fahrers erkennen soll, oder Audio-Dateien des Bord-Mikrofons, das für die Spracheingabe genutzt wird. Da diese Systeme aber ständig online sind, müssen Autohersteller neben der Datensicherheit auch den Datenschutz gewährleisten.

Sicherheitsmechanismen

Um ein profitables Geschäftsmodell zu erreichen, müssen Automobil-Hersteller und -Zulieferer die enormen Anforderungen von Seiten der Kunden und Regulierungsbehörden durch den Aufbau einer sicheren, integrierten Plattform für Connected Cars erfüllen. Stärkere Partnerschaften mit Sicherheitsanbietern werden notwendig sein, um Konnektivität und Fahrzeugbetrieb abzusichern sowie sichere Apps bereitzustellen.

Die größten Schwachstellen vernetzter Fahrzeuge gibt es in den Vernetzungs-, Navigatons- und Informations- sowie elektronischen Steuerungssystemen. Viele Experten glauben, das der beste Weg zur Absicherung vernetzter Autos die Verschlüsselung in Kombination mit robuster Security-Infrastruktur und Firewalls darstellt. Aber auch die Anwendungssicherheit wird entscheidend sein, um autonomes Fahren in Zukunft zu schützen. Um aus diesen Möglichkeiten Umsatz zu generieren, müssen Automobilunternehmen eine optimale Nutzererfahrung anbieten sowie gleichzeitig hundertprozentigen Datenschutz und Fahrsicherheit gewährleisten.

Ausblick

In Deutschland ist zwar die Sensibilität für den Datenschutz im internationalen Vergleich sehr hoch, doch dafür hinken viele Hersteller bei der Absicherung der Daten, die von Autos oder Produktionsmaschinen erzeugt werden, den aktuellen Anforderungen deutlich hinterher. Sicherheitsmechanismen wurden bislang meist erst nachträglich integriert. Doch wie heute schon bei IT-Produkten, muss Sicherheit bereits in der Planungs-, Design- und Entwicklungsphase ein fester Bestandteil der Prozesse sein. Denn die mögliche Gefahr durch Hacker ist deutlich größer als viele Hersteller und Zulieferer glauben. Die Transportbranche hat eine kritische Transformationsphase erreicht. Hersteller müssen einen stärkeren Fokus auf Sicherheit legen und gewährleisten, dass Technologie nicht nur das vernetzte Fahrzeug schützt, sondern auch das Leben der Insassen.