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Expertenbeitrag

 Wael Elrifai

Wael Elrifai

VP Digital Insights Solution Engineering bei Hitachi Vantara

Energiemanagement Die Scilly-Inseln: Umweltfreundlich dank IoT

| Autor / Redakteur: Wael Elrifai / Sebastian Human

Die Scilly-Inseln am südwestlichen Ende von England waren bislang vor allem für ihre malerische Schönheit bekannt. Nun hält das Internet of Things Einzug auf der Inselgruppe – und soll die Umwelt schützen.

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Mit Hilfe von IoT-Technologien will man auf den britischen Scilly-Inseln bis 2025 ehrgeizige Ziele der Energiewende Wirklichkeit werden lassen.
Mit Hilfe von IoT-Technologien will man auf den britischen Scilly-Inseln bis 2025 ehrgeizige Ziele der Energiewende Wirklichkeit werden lassen.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Etwa 45 Kilometer vor Land‘s End, am südwestlichsten Zipfel Großbritanniens, liegen die Scilly-Inseln. Auf den fünf bewohnten Inseln der Gruppe leben rund 2.200 Menschen, hinzukommen jedes Jahr über 100.000 Touristen. Als Naturschutzgebiet und gleichzeitig UNESCO-Welterbe Küstenlandschaft genießen die Inseln höchsten Schutz in England.

Aber sie waren in der Vergangenheit vollkommen auf Elektrizität vom Festland und importierte fossile Brennstoffe, vor allem Heizöl, angewiesen, um ihren Energiebedarf zu decken. Dadurch lag der Energieverbrauch pro Haushalt auf den Inseln mit 7.672 Kilowattstunden (kWh) fast doppelt so hoch wie im britischen Durchschnitt (3.921 kWh) und immer noch etwa 30 Prozent höher als im benachbarten Cornwall. Zudem kosteten die importierten Brennstoffe 40 - 50 Prozent mehr als auf dem Festland.

Weniger als zwei Prozent der Nachfrage wurden durch erneuerbare Energien gedeckt – und das, obwohl die Scilly-Inseln durchschnittlich 280 Sonnenstunden im Jahr mehr für sich verbuchen können als etwa London. Zeit, etwas zu ändern: Die Scilly-Inseln haben sich daher ehrgeizige Energieziele für ihre Zukunft gesetzt.

Das Smart-Island-Programm

2015 wurde eine Insel übergreifende Partnerschaft gegründet, die mehrere miteinander verflochtene Projekte umsetzen soll. Ziel ist es, die Stromrechnungen um 40 Prozent zu senken und 40 Prozent des Energiebedarfs durch erneuerbare Energie zu decken. Außerdem sollen 40 Prozent der genutzten Fahrzeuge bis 2025 deutlich weniger CO2 verbrauchen oder komplett elektrisch unterwegs sein. Die Partnerschaft vereint den Gemeinderat der Scilly-Inseln, das Herzogtum von Cornwall, die Insel Tresco und die Islands' Partnership.

Das von den beteiligten Partnern erarbeitete Smart-Islands-Programm nutzt Technologie wie das Internet der Dinge, um die Bedürfnisse der Gemeinden auf den Scilly-Inseln zu erfüllen und entwickelt Lösungen, die überall angewendet werden können. Bei dieser übergreifenden Herangehensweise werden Stromerzeugung, Abfallentsorgung und Wasserwirtschaft in einem Konzept eng miteinander verwoben. Ziel ist es, die Anwohner und Unternehmen beim Übergang zu einer CO2-ärmeren Ökonomie zu unterstützen.

Smart Energy mit dem IoT

Als erstes Projekt wurde unter der Federführung von Hitachi und mit finanzieller Unterstützung des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung das Smart-Energy-Islands-Projekt gestartet. Dabei kommen Technologien wie das Internet der Dinge und künstliche Intelligenz zum Einsatz, um die CO2-Bilanz der Insel zu reduzieren und möglichst stark auf lokal erzeugte, erneuerbare Energie zu setzen.

Das inselweite Energiekontrollsystem setzt auf einer Technologieplattform, die auf dem Internet of Things basiert, auf, um eine effizientere Nutzung der lokal produzierten Energie zu ermöglichen. Realisiert wird es von drei Unternehmen: Moixa stellt intelligente Solarbatterien und GridShare-Software zum intelligenten Laden von Batterien und Elektrofahrzeugen bereit. Hitachi und PassivSystems realisieren die IoT-Plattform.

Bisher wurden dazu bereits Solarzellen mit einer Kapazität von etwa 400 Kilowatt auf den Dächern von 70 Häusern im Gemeindebesitz, der Feuerwehr, einer Recyclinganlage und einer Entsalzungsanlage installiert. Neben dem Flughafen ist außerdem ein Solargarten entstanden. Insgesamt haben die installierten Photovoltaik-Panels eine jährliche Kapazität in Höhe von 365.270 Kilowattstunden. In den Häusern werden auch verschiedene Energietechnologien wie Batterien und Luftwärmepumpen in Pilotprojekten eingeführt.

Als Herzstück des Projektes dient die cloud-basierte IoT-Plattform: Sie übernimmt das gesamte Energiemanagement in dem Projekt. Die Kombination aus Solarenergie, Batterien und intelligenter Heizungstechnologie unterstützt 100 Häuser und 200 Unternehmen auf den Inseln und dem britischen Festland dabei, effizienter mit der Energie zu haushalten.

Die Zukunft ist grün

Im nächsten Schritt sollen Elektrofahrzeuge ans neue Energiesystem der Inseln angeschlossen werden. Diese können mit ihren Batterien sogar als Strompuffer verwendet werden – sie werden aufgeladen, wenn viel erneuerbare Energie vorhanden ist und können in Spitzenbedarfszeiten wieder Energie abgeben. Dieses System nennt sich V2G (Vehicle-to-Grid oder Fahrzeug ans Stromnetz). Auf diese Weise können Elektrofahrzeuge dazu beitragen, der Gemeinde beim Umstieg auf saubere Energie zu helfen und dabei die Luftverschmutzung aus dem Verkehrsaufkommen zu verringern.

2020 werden weitere Möglichkeiten zur Erzeugung erneuerbarer Energie und Innovationen zur Wasserwirtschaft und Abfallentsorgung hinzukommen. Durch die Summe der Maßnahmen sollen bis zu 450 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

Bereits 2018 wurde auf den Inseln außerdem ein gemeinnütziges Unternehmen gegründet: Das Isles of Scilly Community Venture verkauft die in den Solarmodulen erzeugte Energie und verwendet die Einnahmen, um über einen Sondertarif für die Scilly-Inseln die Stromrechnungen aller Inselbewohner zu senken. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit Our Power, einem gemeinnützigen lizenzierten Energieversorgungsunternehmen.

Mit seiner von Grund auf gemeinnützigen Herangehensweise nutzt das Smart Energy Islands-Projekt IoT-Technologie, um die Bedürfnisse der Gemeinden auf den Scilly-Inseln zu erfüllen. Eines wird bei diesem Projekt besonders deutlich: Größe und Standort sind kein Hindernis für Innovation – wichtig sind der Weitblick, um die künftigen positiven Auswirkungen für die Umwelt und die Gemeinde zu erkennen, und der Wunsch, etwas Positives zu erreichen.

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