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Konjunktur

Die Krise erreicht den deutschen Maschinenbau

| Redakteur: Stefanie Michel

Das Maschinenbau-Barometer der Beratungsgesellschaft PWC zeigt deutlich, wie die Konjunkturerwartungen des deutschen Maschinenbaus im zweiten Quartal auf einen neuen Tiefstand sinken. Auch die Digitalisierung kommt nur langsam voran.

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Was sich schon im letzten Jahr angekündigt hat, wird jetzt immer deutlicher: Der deutsche Maschinenbau senkt seine Konjunkturerwartungen immer weiter.
Was sich schon im letzten Jahr angekündigt hat, wird jetzt immer deutlicher: Der deutsche Maschinenbau senkt seine Konjunkturerwartungen immer weiter.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Ende 2018 hat sich bereits angedeutet, dass sich die Aussichten im Maschinenbau eintrüben werden; Verbände und Wirtschaftsvertreter haben diesen Trend Monat für Monat bestätigt. Auch das Maschinenbau-Barometer von PWC, das vierteljährlich erscheint, spiegelt die negative Entwicklung wider: Das erwartete eigene Umsatzwachstum der Unternehmen für die nächsten zwölf Monaten erreicht mit 2,2 % (Vorquartal: 3,1 %) seinen niedrigsten Wert seit 2015. Für die Gesamtbranche erwarten die Maschinenbauer erstmals seit über drei Jahren negatives Wachstum.

Erwartete Umsatzentwicklung für den deutschen Maschinenbau: Erstmals seit drei Jahren wird ein negatives Wachstum erwartet.
Erwartete Umsatzentwicklung für den deutschen Maschinenbau: Erstmals seit drei Jahren wird ein negatives Wachstum erwartet.
(Bild: PwC, Maschinenbau-Barometer Q2/2019 )

Die konjunkturelle Abkühlung ist auch bei den befragten Unternehmen immer stärker spürbar: Nach 36 % im Vorquartal erwarten mittlerweile 40 % der Befragten ein Nachlassen der globalen Wirtschaftsdynamik. Vor einem Jahr waren lediglich 16 % der befragten Entscheider dieser Meinung – innerhalb eines Jahres hat sich die konjunkturelle Einschätzung damit komplett gedreht. Gleichzeitig nimmt der Anteil derjenigen, die im heimischen Markt einen sicheren Hafen sehen, rapide ab: Nur noch gut ein Drittel (36 %) ist für die nächsten zwölf Monate optimistisch mit Blick auf die inländische Konjunktur (Vorquartal: 45 %, Vorjahresquartal: 68 %).

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Umsatzerwartungen nach unten korrigiert

Den konjunkturellen Erwartungen entsprechend haben die Maschinenbauer auch ihre Umsatzprognosen weiter nach unten korrigiert. Für die Gesamtbranche erwarten sie erstmals seit drei Jahren sogar einen leichten Rückgang von 0,5 % in den nächsten zwölf Monaten (Vorquartal: 1,0 % Wachstum). Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung befindet sich mit rund 91 % auf dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren. „Lediglich jeder zweite Betrieb ist noch voll ausgelastet“, erklärt Dr. Klaus-Peter Gushurst, Leiter des Bereichs Industries & Innovation bei PwC. „Die düsteren konjunkturellen Aussichten sind damit auf dem Shopfloor angekommen.“ Zum Vergleich: Vor sechs Monaten lag der Anteil der voll ausgelasteten Betriebe noch bei knapp 70 %.

Mit durchschnittlich 91,3 % hat sich die Kapazitätsauslastung gegenüber dem Vorquartal zwar lediglich marginal verändert, sie fällt aber auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2017. Entspannung ist bei Unternehmen zu erkennen, die am Auslastungslimit arbeiten: Ihr Anteil sinkt auf 51 % und liegt damit deutlich unter dem Durchschnittswert der letzten zwei Jahre.
Mit durchschnittlich 91,3 % hat sich die Kapazitätsauslastung gegenüber dem Vorquartal zwar lediglich marginal verändert, sie fällt aber auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2017. Entspannung ist bei Unternehmen zu erkennen, die am Auslastungslimit arbeiten: Ihr Anteil sinkt auf 51 % und liegt damit deutlich unter dem Durchschnittswert der letzten zwei Jahre.
(Bild: PwC, Maschinenbau-Barometer Q2/2019 )

Digitalisierung kommt nur schleppend voran

Die digitale Transformation des Maschinenbaus schreitet indes weiterhin nur sehr zögerlich voran. Verglichen mit dem Vorjahr geben die Befragten zwar in fast allen Unternehmensbereichen Fortschritte zu Protokoll – dennoch besteht immer noch teils erheblicher Nachholbedarf. So sind die Bereiche Beschaffung, Forschung und Entwicklung sowie Vertrieb und Marketing bereits bei über der Hälfte der Unternehmen stark digitalisiert. Produktion, Service sowie Transport und Logistik hinken hingegen deutlich hinterher und weisen nur bei rund einem Drittel der Unternehmen einen vergleichbaren Digitalisierungsgrad auf.

Marketing, Lagerung und Produktion haben in ihrem Digitalisierungsgrad am stärksten zugelegt. Dies lässt darauf schließen, dass die befragten Maschinenbauer den Nachholbedarf in Sachen Smart Manufacturing und Predictive Maintenance erkannt haben. Zudem verdeutlicht die langsame, aber stetige Entwicklung des Produktionsbereichs: Die Digitalisierung ist ein Marathon, kein Sprint.
Marketing, Lagerung und Produktion haben in ihrem Digitalisierungsgrad am stärksten zugelegt. Dies lässt darauf schließen, dass die befragten Maschinenbauer den Nachholbedarf in Sachen Smart Manufacturing und Predictive Maintenance erkannt haben. Zudem verdeutlicht die langsame, aber stetige Entwicklung des Produktionsbereichs: Die Digitalisierung ist ein Marathon, kein Sprint.
(Bild: PwC, Maschinenbau-Barometer Q2/2019 )

„Der deutsche Maschinenbau muss bei der Digitalisierung seiner Kernfunktionen die Geschwindigkeit erhöhen“, warnt PwC-Experte Gushurst. „Die Transformation der Produktion ist in den letzten zwei Jahren zwar vorangekommen, aber der Wandel vollzieht sich insgesamt zu langsam. Gerade der Blick auf die Fortschritte der internationalen Wettbewerber zeigt: Es besteht dringender Handlungsbedarf.“

Roboter als wichtigste Zukunftstechnologie

Die meisten Befragten haben die zur Digitalisierung der Produktion notwendigen Technologien wie Robotics und Big Data als wesentliche Zukunftstechnologien identifiziert. Auffällig ist, dass lediglich 8 % der Befragten dem Thema Cybersecurity hohes disruptives Potenzial beimessen. An Potenzial eingebüßt haben indes das Internet of Things sowie Big Data.
Die meisten Befragten haben die zur Digitalisierung der Produktion notwendigen Technologien wie Robotics und Big Data als wesentliche Zukunftstechnologien identifiziert. Auffällig ist, dass lediglich 8 % der Befragten dem Thema Cybersecurity hohes disruptives Potenzial beimessen. An Potenzial eingebüßt haben indes das Internet of Things sowie Big Data.
(Bild: PwC, Maschinenbau-Barometer Q2/2019 )

Auch wenn bei der Umsetzung Nachholbedarf besteht, haben die deutschen Maschinenbauer den Trend in Richtung digitaler Technologien klar vor Augen. Gefragt nach den Zukunftstechnologien, die den Maschinenbau am stärksten verändern werden, nennen die meisten Befragten die Themen Robotics (50 %) und Data Analytics (42 %) gefolgt von künstlicher Intelligenz (37 %), die das Internet der Dinge (36 %) erstmals überholt. Den stärksten Bedeutungszuwachs seit dem Vorjahr hat der 3D-Druck erfahren (24 %, Vorjahr: 17 %). „Nach dem ersten Hype um disruptive Technologien steigen viele Unternehmen inzwischen in den konkreten Anwendungsbereich ein“, erklärt Gushurst. „Erstaunlich ist allerdings, dass die damit verknüpften Sicherheitsrisiken als kaum relevant eingestuft werden.“

Tatsächlich geben nur 8 % der Befragten an, dass sie das Thema Cybersecurity als einen zentralen Veränderungsfaktor wahrnehmen. „Unternehmen, die in so besonderer Weise von ihrem Wissen und ihren Innovationen leben wie die deutschen Maschinenbauer, können sich Nachlässigkeit bei Cyberrisiken und deren Prävention eigentlich nicht leisten.“

Über das Maschinenbau-Barometer von PwC Das PwC-Maschinenbau-Barometer ist die Auswertung einer vierteljährlichen Panelbefragung unter Führungskräften des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus. Neben einer Einschätzung der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung gibt die Studie einen Überblick über die Erwartungen der Unternehmen hinsichtlich zentraler Kennzahlen wie etwa Kosten, Preise oder Investitionsvolumen.
Im Rahmen eines Deep Dives werden in jeder Ausgabe wechselnde Themenbereiche vertieft – im 2. Quartal 2019 waren das die Digitalisierung und neue Technologien. Vom 6. Mai bis zum 7. Juni 2019 wurden über Telefoninterviews 100 Führungskräfte aus der Maschinenbaubranche befragt. Etwa je ein Drittel der Befragten arbeitet in der Geschäftsführung und in der Vertriebsleitung. Von den teilnehmenden Unternehmen sind 79 % im Maschinenbau angesiedelt (darunter Werkzeugmaschinenbau, Automobilzulieferer, Elektrotechnik u.a.), 21 % im Anlagenbau.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal MM MaschinenMarkt erschienen.

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