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Digitale Transformation Die Kernsysteme auf Leistung trimmen

| Autor / Redakteur: Roberto Busin / Jürgen Schreier

Hersteller können Smart-Manufacturing-Prinzipien nur soweit nutzen, wie sie die Transformation über bestehende Strukturen, Systeme, Prozesse und Strategien hinweg vorantreiben. Um die Fertigungsvoraussetzungen der Zukunft zu schaffen, müssen die bestehenden Systeme weiteentwickelt werden.

Industrie 4.0 zwingt die Unternehmen zur Transformation. Konzerne müssen ihre Kernsysteme auf Effizienz und Leistung trimmen.
Industrie 4.0 zwingt die Unternehmen zur Transformation. Konzerne müssen ihre Kernsysteme auf Effizienz und Leistung trimmen.
(Bild: Pixabay / CC0 )

Von der Massen- zur Maßanfertigung, von optimierter Fertigung zu intelligenten Ökosystemen – die Industrie 4.0 durchdringt viele Bereiche im produzierenden Gewerbe. Es geht in der Regel um neue neue Möglichkeiten zur Produktivitäts-, Leistungs- und Rentabilitätssteigerung in der Fertigung. Doch diese Entwicklung hat einen Haken: Sie zwingt Unternehmen zur Transformation. Konzerne müssen ihre Kernsysteme auf Effizienz und Leistung trimmen.

Digital macht alles neu

Die nächste große Veränderung in der industriellen Fertigungsindustrie betrifft nicht nur Qualität und Stückzahl in der Produktion, sondern auch die Anpassung an das digitale Zeitalter mit Technologien und Informationen. Ein Beispiel ist der Aufbau intelligenter Fabriken: Werden traditionelle Fertigungsanlagen und -prozesse durch Technologien wie Robotik, drahtlose Sensoren, IP-basierte Vernetzung und große Datenmengen und Analysen ergänzt, entsteht ein vollständig integriertes und vernetztes Produktionsmodell, das einen Quantensprung in Effizienz und Produktivität ermöglicht.

Eine weitere Möglichkeit zur Verbesserung sind intelligentere Lieferketten. Intelligente Supply Chains, integriert über alle Geschäftsprozesse und System-Scans hinweg, nutzen Echtzeitdaten und -analysen, um genauere Prognosen, kürzere Reaktionszeiten, optimierte Supply-Chain-Prozesse und schnellere Entscheidungen zu ermöglichen.

Von einer zentralen Kommandozentrale aus können Unternehmen nun praktisch alle Parameter in der Fabrik überwachen und verwalten – am Point-of-Sale und überall dazwischen. Dies wirkt sich maßgeblich auf die Produktionsprozesse aus. Nichtsdestotrotz tun Hersteller gut daran, sich auch auf wesentliche Parameter wie die Produktqualität zu konzentrieren.

Unternehmen sollten außerdem darüber nachdenken, mehr zu investieren. Das verarbeitende Gewerbe ist ein wichtiger Faktor für den Wohlstand eines Landes. Die Volkswirtschaften der Schwellenländer wie Indien, China und Brasilien haben stark von der Globalisierung in der Fertigungsindustrie profitiert und sind heute wichtige Produktions- und Innovationszentren. Gerade europäische Unternehmen folgen verstärkt dem Beispiel dieser Länder, indem sie ihre eigenen Investitionen in Technologie, Innovation und Geschäftsausbau tätigen. Sie müssen sie aber auch in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren, um ihre Belegschaft für die Digitalisierung fit zu machen.

Lösungen für eine effizientere Lieferkette

Hersteller stehen vor der Herausforderung, neue Technologien wie IoT, Analytics, Sensorik und 3D-Druck zu nutzen, um die betriebliche Effizienz zu steigern und Ausfallzeiten zu reduzieren. Diese Services müssen eng in die Produktentwicklung und -fertigung integriert sein und ein solides Support-Ökosystem bieten. Nachfolgend einige der Möglichkeiten:

  • Proaktive Entwicklung von Dienstleistungen im Produktumfeld: Noch bis vor kurzem begann die Wertschöpfung in der Fabrikhalle und wurde bei der Ankunft des Produkts beim Kunden abgeschlossen. Ein Beispiel dafür ist der Automobilsektor, in dem das Post-Sales-Ökosystem von einem weitgehend unabhängigen Netz von Drittanbietern – also den Autohäusern – dominiert wird. Bei der proaktiven Entwicklung von Dienstleistungen im Produktumfeld geht es also nicht nur darum, die Kundenbeziehung zu verbessern, sondern auch Hersteller in die Lage zu versetzen, zusätzliche Dienstleistungen anzubieten, für die der Kunde bereit ist, zu zahlen.
  • IoT: Das Internet der Dinge ist ein wichtiger Baustein, um die Konzepte der Industrie 4.0 zu ermöglichen. Es macht das fertigende Unternehmen effizienter, produktiver und innovativer, indem es eine Architektur ermöglicht, die sich über Betriebs- und Geschäftssysteme hinweg erstreckt und auf Echtzeitdaten und Analysen fußt.
  • 3D-Druck: Als Technologie steckt der 3D-Druck noch in den Kinderschuhen. Dennoch findet er durch starke Verbesserungen in den Bereichen Wirtschaftlichkeit, Effizienz und Vielseitigkeit immer mehr Anwendung in der Fabrikhalle. So können Unternehmen schon heute ihre Produktivität steigern und Kosten, Zeit und Ressourcenbedarf senken. Außerdem hilft es Hersteller, das Ersatzteillager zu rationalisieren. Denn sie können Teile mit seltener Nachfrage einfach drucken statt sie zu lagern. Mit zunehmender Reife der Technologie wird der 3D-Druck zu einem kritischen Bestandteil des produzierenden Unternehmens, da er sowohl die Komplexität, den Zeitaufwand und die Kosten bestimmter Prozesse reduzieren als auch neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen kann.
  • Uberisierung: Uberisierung (benannt nach dem Taxi-Startup Uber) ist ein software- oder app-getriebener Ansatz, der das Angebot und die Nachfrage effizient aufeinander abstimmt und einen Quantensprung in puncto Effizienz und Komfort bietet. Im Fertigungskontext wird die Uberisierung voraussichtlich neue Geschäftsmodelle und Chancen in den Bereichen Produktdesign, Produktvertrieb und Service sowie bei der Fertigungslieferkette schaffen.
  • Produkterlebnisse gestalten: Suchen Kunden heute nach neuen Erfahrungen, reicht es nicht aus, einfach ein Produkt anzubieten. Da Software und KI integraler Bestandteil werden, bietet sich eine enorme Chance, eine individuelle und umfassende Kundenerfahrung zu liefern und sich gegenüber dem Wettbewerb abzusetzen.

Fazit

Hersteller können die Prinzipien von Smart Manufacturing, Industrie 4.0 und Dienstleistungsentwicklung nur soweit nutzen, wie sie die systematische Transformation über bestehende Strukturen, Systeme, Prozesse und Strategien hinweg vorantreiben. Um die Fertigungsvoraussetzungen der Zukunft zu schaffen, müssen Unternehmen bestehende Systeme weiterentwickeln. Nur so können sie der aktuellen Geschäftsdynamik gerecht werden und gleichzeitig neue Funktionalitäten hinzufügen, die in naher Zukunft für den Wettbewerbsvorteil und die Rentabilität entscheidend sein werden.

Roberto Busin ist Partner und Leiter Manufacturing der Infosys Consulting GmbH, Garching.
Roberto Busin ist Partner und Leiter Manufacturing der Infosys Consulting GmbH, Garching.
(Bild: Infosys)

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