Durchstarten 2021 „Die größte Herausforderung ist aber nach wie vor, irgendwie die sozialen Kontakte am Leben zu halten“

Redakteur: Sebastian Human

Als einer der drei Vorstände des Unternehmens CAQ AG sorgt Softwarespezialist Florian Schwarz dafür, dass die Digitalisierung in anderen Firmen voranschreitet. Wie es seinem eigenen Unternehmen in der Corona-Krise geht und was ihm momentan zu kurz kommt, erzählt er im Interview.

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Florian Schwarz studierte theoretische Informatik und Medienwissenschaften an der Philipps Universität Marburg, seit 2013 ist er bei CAQ primär für die strategische Ausrichtung und das Marketing verantwortlich.
Florian Schwarz studierte theoretische Informatik und Medienwissenschaften an der Philipps Universität Marburg, seit 2013 ist er bei CAQ primär für die strategische Ausrichtung und das Marketing verantwortlich.
(Bild: Vogel Communications Group/CAQ)

Beschreiben Sie das allgemeine Stimmungsbild in Ihrem Unternehmen. Wie empfinden Sie die derzeitige Lage?

Die Auftragslage und Umsatzentwicklung sind trotz der Corona-Krise (und zum Teil vielleicht auch deswegen) sehr gut. Zudem können unsere Mitarbeiter nahezu alle Arbeiten einwandfrei aus dem Home Office erledigen. Daher konnten wir schon sehr früh die Arbeit komplett hierhin verlagern und niemand musste Angst um seinen Arbeitsplatz oder die Zukunft haben. Die Lage ist für uns insgesamt gut – wir warten aber täglich darauf, das Büro endlich wieder mit einem guten Gewissen für alle Mitarbeiter freizugeben.

Welche Herausforderungen treten in Ihrem Unternehmen während der Covid-19-Krise auf?

Die Gespräche „an der Kaffeemaschine“ und alle unsere Vor-Ort-Termine wie Schulungen, Consulting und Vertriebsveranstaltungen mussten sehr schnell auf Online-Veranstaltungen umgebaut werden. Zum Glück mussten wir nicht bei Null anfangen – unsere Infrastruktur war schon auf 100 Prozent Remote-Arbeit ausgelegt und wir haben zuvor schon alle unsere Prozesse in Teilen remote gelebt. Zwischenzeitlich hatten wir Engpässe bei unseren Hardwarelieferanten, um ausreichend große Monitore, Headsets und Webcams für alle Home-Office-Arbeitsplätze zu bekommen - da haben wir anfangs viele Büroarbeitsplätze mit allem Drum und Dran in die Wohnungen der Mitarbeiter geschafft. Die größte Herausforderung ist aber nach wie vor, irgendwie die sozialen Kontakte am Leben zu halten.

Wie wirken sich diese Probleme auf Ihre eigene Arbeit aus?

Online-Meetings und -Veranstaltungen sind wesentlich anstrengender als Termine in Person. Zudem hat sich durch die vielen Online-Termine der Arbeitstag neu strukturiert.

Was glauben Sie: Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren oder werden sich Prozesse und Abläufe künftig dauerhaft ändern? Wenn ja, mit welchen Änderungen rechnen Sie?

Wir haben die anfänglichen temporären Anpassungen an die Situation mittlerweile fest in unseren Prozessen verankert und werden nicht zurück zu dem „alten Normal“ kommen (und auch wollen). Home Office und mobiles Arbeiten ist für uns nun fester Bestandteil jedes Arbeitsverhältnisses. In der Vergangenheit arbeitete man vorwiegend im Büro, Home-Office war eine Ausnahme. Das „neue Normal“ ist: Es ist egal wo der Mitarbeiter arbeitet. Jeder Mitarbeiter hat weiterhin einen festen Arbeitsplatz im Büro – muss aber zukünftig nur noch kommen, wenn es einen Grund dafür gibt oder er Lust hat. Nach dem gleichen Prinzip werden wir auch mit Veranstaltungen und Service-Terminen verfahren. Wenn es einen Grund dafür gibt oder der Kunde es wünscht, sind wir vor Ort – standardmäßig arbeiten wir remote.

Gibt es positive Aspekte, die Sie für Ihren Arbeitsalltag aus der Covid-19-Krise mitnehmen?

Viele interne Prozesse haben nochmal einen positiven Digitalisierungsschub erfahren. Zudem haben wir gelernt, wesentlich flexibler in Bezug auf den Arbeitsort und die Zeiteinteilung zu sein. Viele mussten zum Beispiel parallel neben der Arbeit noch Kinder betreuen – der Arbeitsleistung und Qualität hat das nicht geschadet.

Haben Sie persönlich etwas positives aus der Krise mitgenommen?

Ich nehme einige Dinge, die ich vorher für selbstverständlich gehalten habe, jetzt wesentlich bewusster wahr. Die Wertschätzung eines persönlichen Kontakts und die für das Leben, was ich führen darf, ist gestiegen.

Wenn Sie Ihr Arbeitsgebiet anderen schmackhaft machen wollen, wie machen Sie das?

Einen zukunftssichereren Job, als Software für das Management eines Unternehmens herzustellen und zu implementieren, kann ich mir kaum vorstellen. Zudem ist so viel Bewegung in dem Thema, dass es nie langweilig wird. Die Arbeit ist sehr vielseitig. Dadurch, dass wir branchenunabhängig mit unseren Produkten unterstützen, kann man in alle Branchen reinschauen und immer neues erfahren und erleben - vom Labor, Automobilzulieferer, Medizintechnikhersteller, Pharmaunternehmen über Sekthersteller bis zum Produzenten von Kinderspielzeug ist alles dabei.

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