IoT-Start-ups „Die Fachkräfte von heute sind die Roboterexperten von morgen“

Redakteur: Sebastian Human

Im IoT-Umfeld existieren bereits viele interessante Start-ups – Tendenz steigend. Wir wollen einige von ihnen vorstellen und widmen uns heute Wandelbots. Dazu haben wir mit Martin Wanitschke, Chief of Staff des Unternehmens, gesprochen.

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Durch einen No-Code-Ansatz soll die Roboterprogrammierung immer intuitiver werden.
Durch einen No-Code-Ansatz soll die Roboterprogrammierung immer intuitiver werden.
(Bild: Wandelbots)

In der Welt des Internet of Things und seiner zahlreichen Technologien finden sich neben bereits bekannten und etablierten Unternehmen auch immer wieder interessante Neugründungen. Diese jungen Firmen wollen wir näher betrachten, Hintergründe zu ihren Geschäftsmodellen beleuchten und mit ihnen einen Ausblick in die Zukunft wagen.

Was macht ihr genau?

Wir ermöglichen jedem, unabhängig jeglicher Fach- und Programmierkenntnisse, Industrieroboter mittels intuitiver App und intelligenten Teaching Devices an- und umzulernen. Die Nutzung von Robotern wird somit leichter, flexibler und kostengünstiger.

Was macht ihr besser als andere?

Wir kombinieren die Programmierung eines Roboters ohne eine einzige Zeile Code (No-Code-Robotic) mit einem intuitiven Eingabegerät, mit dem der Anwender dem Roboter direkt am Werkstück vormacht, was er später ausführen soll.

Diese Kombination und die hohe Usability sind am Markt einzigartig und eröffnen Unternehmen, die heute Roboter im Einsatz haben, deutlich mehr Flexibilität und hohe Einsparpotenziale. Kleinen und mittelständischen Unternehmen, die heute die hohen Kosten von Automatisierung scheuen, ermöglichen wir damit den Zugang zu automatisierten Arbeits- und Produktionsschritten.

Wie läuft das Geschäft?

Das Feedback unserer Kunden ist sehr gut und der Bedarf zukünftiger Kunden ist riesig. Wir legen einen hohen Wert darauf, dass unsere Kunden durch den Einsatz unserer Produkte erfolgreicher werden und sie sehr gern nutzen.

Wo seht ihr euch in 10 Jahren?

„Every robot in every company and every home runs on Wandelbots.“ Das ist unser erklärtes Ziel. Und in zehn Jahren stehen ganz sicher schon mit unseren Produkten ausgestattete Roboter in den ersten Haushalten.

Das legt natürlich nahe, dass wir vorher schon alle Unternehmen in die Ära der No-Code-Robotic geführt haben. Die Daten und Informationen, die Roboter schon heute generieren, aber noch für sich behalten, werden wir entlang des Weges in geeigneter Cloud-Infrastruktur aufbereiten und für Anwender zugänglich machen. So wird unser Unternehmen in zehn Jahren das zentrale Brain der Robotik bereitstellen.

Sitzen oder stehen? Also eher Schreibtisch oder eher Produktionsband?

Ganz klar: eine Mischung aus beidem. Natürlich ist unser Ziel, die Arbeit am Produktionsband deutlich zu erleichtern und zu verbessern. Deswegen verbringen wir einen großen Teil unserer Zeit an den Produktionsbändern dieser Welt. Zum Erfolg von Wandelbots tragen aber noch viele andere Bereiche und Rollen im Unternehmen bei, die typischerweise eher am Schreibtisch beheimatet sind.

Ihr seid mit dem ehrgeizigen Ziel angetreten, die Programmierung von Robotern zu demokratisieren. Das klingt erstmal ziemlich altruistisch. Was versteht ihr darunter genau?

Heute ist es wenigen Experten vorbehalten, Robotern neue Arbeitsschritte beizubringen. Ähnlich dem Markt der Personal Computer in den 1980iger Jahren wollen wir diese Fähigkeit jedem zugänglich machen und dafür sorgen, dass Roboter von Menschen nicht länger ins Reich der Science-Fiction kategorisiert werden, sondern als echte Arbeitserleichterung in Betracht gezogen und einfach angewendet werden können.

Das bezieht sich vermutlich auf euer Konzept von No-Code-Robotic. Hätte es ein Low-Code-Ansatz nicht auch getan?

Gegenfrage: Wie schön fändet Ihr es, wenn Ihr bei der täglichen Verwendung von Laptop und Smartphone immer mal zwischendurch kryptische Befehle in eine Kommandozeile eingeben müsstet, um beispielsweise den Browser zu starten? Wenn, dann richtig.

Gutes Argument; sicher nicht.
Auch ihr setzt ja auf eine Plattform, um euren Kunden das Training eines Roboters zu vereinfachen. Wie läuft das ab?

Der Nutzer fährt mit unserem sensorbestückten Trace Pen entlang des Werkstücks, das der Roboter später beispielsweise entgraten oder schweißen soll. Am iPad kann er den Pfad sofort sehen und Korrekturen im Submillimeterbereich vornehmen.

Der magische Button Export Code übersetzt den grafischen Pfad in die roboterspezifische Programmiersprache und überträgt ihn auf den Robotercontroller. Der führt diesen Pfad im Anschluss genau so aus, als wäre er herkömmlich programmiert worden. Nur dass das Teaching mit unserer Lösung deutlich schneller und erfahrungsgemäß auch exakter als die herkömmliche Programmierung funktioniert. Auch spätere Anpassungen am Pfad können ohne jegliche Programmierkenntnisse vorgenommen werden.

Werden Roboter eines Tages (zumindest die industrielle) Welt übernehmen?

Ja, alles was sich sinnvoll automatisieren lässt, wird automatisiert werden. Den Aufschwung der Automatisierung erleben wir aktuell intensiver denn je. Covid-19 hat dazu einen erheblichen Beitrag geleistet.

Lieferketten sind zusammengebrochen und werden jetzt wieder in die Unternehmen zurückgeführt. Ein großer Motivator für das Outsourcing war auch der Mangel an Fachkräften, die dazu bereit sind, unter schwierigen Bedingungen repetitive Aufgaben auszuführen.

Wenn bei einem Bäcker beispielsweise nachts um 2 Uhr aus großen Teigmengen hunderte kleine Brötchen geformt werden müssen, ist es schwer, Mitarbeiter zu finden, die auf diese Tätigkeit Lust haben. Ein Hemmnis für einen hohen Automatisierungsgrad in kleinen und mittelständischen Unternehmen ist heute, dass die produzierten Losgrößen auf Grund individueller Kundenanforderungen klein sind und für alle Arbeitsschritte, die nicht zu 100 Prozent identisch sind, Programmierkenntnisse benötigt werden, um die Arbeit des Roboters zu adaptieren.

Je einfacher, kostengünstiger und flexibler das möglich wird, desto mehr werden Roboter auch für diese Arbeitsschritte in Frage kommen. Und niemand ist besser in der Lage, dem Roboter zu demonstrieren, was er tun soll, als diejenigen Menschen, die die Aufgabe heute manuell ausführen. Das bedeutet, dass die Fachkräfte von heute die Roboterexperten von morgen sind und den Mangel an Fachexperten automatisch auflösen.

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