The Future Code 2022 Die Energiewende kann gelingen – braucht aber digitale Unterstützung

Von Sebastian Human

Im Rahmen des Opening Panels zu The Future Code 2022 sprachen Dr. Wolfgang Weber vom ZVEI, Hans-Josef Fell von der Energy Watch Group und Lisa Reehten von Bosch Climate Solutions über aktuelle Herausforderungen auf dem Weg zur Energiewende. Thematisiert wurden verschiedene Einflussfaktoren – vom Krieg in der Ukraine bis zur Digitalisierung.

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Das Panel von links nach rechts: Lisa Reehten, Sebastian Human (Moderation), Hans-Josef Fell und Wolfgang Weber.
Das Panel von links nach rechts: Lisa Reehten, Sebastian Human (Moderation), Hans-Josef Fell und Wolfgang Weber.
(Bild: Oxana Gruber Photography)

Der diesjährige Future Code, eine Veranstaltung der Vogel Communications Group zur digitalen Transformation der Industrie, begann am 05.05.2022 mit einem kurzfristig einberufenen Special Panel zum Krieg in der Ukraine. Hieran knüpfte dann das Opening Panel unter dem Titel Deeskalieren und Dekarbonisieren: Ziemlich herausfordernde Zeiten! an. Zu Gast waren Dr. Wolfgang Weber, Vorsitzender der Geschäftsführung des ZVEI e.V. - Verband der Elektro- und Digitalindustrie, Hans-Josef Fell, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestags und Präsident der Energy Watch Group, sowie Lisa Reehten, die als Geschäftsleitung bei Bosch Climate Solutions GmbH tätig ist.

Inhaltlich ging es um einige der drängendsten Fragen, die Industrie und Wirtschaft in diesen Tagen beschäftigen. Welchen Einfluss hat die anstehende Energiewende auf den Industriestandort Deutschland? Wie wirkt sich der Krieg in der Ukraine aus? Wie kann ein nachhaltiges Wachstum in der Industrie gelingen? Und was kann die Digitalisierung beitragen?

Die Zeiten sind fordernd – aber auch chancenreich

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit sind sich einig: Der menschengemachte Klimawandel und dessen Bedrohungen für den gesamten Planten sind real. Für entsprechende Gegenmaßnahmen bleibt nicht mehr viel Zeit. Bis zum 24. Februar dieses Jahres hatte die Ampel-Koalition einen Plan für die Energiewende: Man wollte den Atomausstieg vollenden, den Kohleausstieg nach Möglichkeit auf 2030 vorziehen und die Erneuerbaren zügig ausbauen. Die durch diese Maßnahmen entstehenden Versorgungslücken sollten durch neue Gaskraftwerke temporär geschlossen werden. Erdgas, das in den vergangenen Jahren zu 55 Prozent aus Russland kam, sollte also die neue Brückentechnologie werden. Dann erreichte der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine eine neue Eskalationsstufe.

Den Auftakt zur Gesprächsrunde markierte dementsprechend die Fragestellung, welchen Einfluss der Krieg in der Ukraine auf die Energiewende haben wird. Hans-Josef Fell, der als einer der Väter und Mütter des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, kurz EEG, gilt, betonte den möglichen Katalysator-Effekt, den der Krieg und die mit ihm einhergehenden Auswirkungen auf Energieimporte für die deutsche Energiewende haben könne. So habe der Krieg und die nun thematisierten beziehungsweise teils auch bereits ergriffenen Sanktionen die hohe Abhängigkeit von Gas-, Öl- und Kohleimporten aus Russland wie unter einem Brennglas gezeigt. Ein Umstand, der spätestens jetzt nicht mehr ignoriert werden kann. In der Folge könne und müsse es so zu einer schnelleren Erschließung erneuerbarer Energiequellen kommen – die Grundlagen seien gelegt. Fell betonte außerdem, das Ziel der Klimaneutralität könne bei ausreichender Willenskraft deutlich schneller gelingen als vielerorts postuliert wird und müsse nicht bis 2045 warten.

Digitalisierung unterstützt Elektrifizierung

Eng hiermit verbunden sei aber auch die Notwendigkeit, die bereits zur Verfügung stehenden digitalen Technologien zu nutzen, ergänzten Lisa Reehten und Wolfgang Weber. Egal, ob es nun um eine effizientere Maschinenauslastung oder die intelligente Steuerung des Stromnetzes geht – auf Basis digitaler Technologien wie der KI-gestützten Datenanalyse ließe sich binnen kurzer Zeit mehr Transparenz schaffen, was unter anderem wiederum einen ressourcenschonenderen Energieeinsatz in der Industrie ermöglichen würde, so Reehten.

Weber ergänzte, dass zusätzlich aber auch ein möglichst niedrigschwelliger Einstieg für Privatverbraucherinnen und -verbraucher geschaffen werden müsse, wolle man für Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen und vermeiden, dass die Energiewende zu einem Luxus würde, den sich nur Besserverdienende leisten können. Fehlte es an der entsprechenden gesamtgesellschaftlichen Unterstützung, würde die Energiewende unter dem Strich teurer für alle werden – ein Ergebnis, zu dem auch das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE in seiner Studie Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem kommt. Der Vorsitzende der Geschäftsführung des ZVEI e.V. sieht Deutschland mit einer Mammutaufgabe konfrontiert, die aber lösbar sei.

Die Runde war sich einig, dass es daher nicht nur schnell mehr grüne Elektrizität für eine umfassende Elektrifizierung und für alle Verbraucherinnen und Verbraucher – privat wie professionell – attraktive Angebote brauche, diese zu nutzen. Gleichzeitig müsse die Digitalisierung endlich als der wirkmächtige Hebel begriffen werden, der sie auch auf dem Gebiet der Dekarbonisierung sein kann.

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