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Studienergebnisse

Die Dynamik digitaler Transformation – wie sie Vorstände und Technologie-Strategien beeinflusst

| Redakteur: Sebastian Human

Eine neue C-Level-Studie bietet interessante Einblicke in die digitale Transformation. Sie hilft, die Rolle von CIOs näher zu betrachten, Einblicke in deren Prioritäten zu gewinnen und ihre Vorgehensweisen für technologische Innovationen unter die Lupe zu nehmen.

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Die digitale Transformation verändert Unternehmen - sowohl auf Vorstandsebene als auch bei den Technologie-Strategien.
Die digitale Transformation verändert Unternehmen - sowohl auf Vorstandsebene als auch bei den Technologie-Strategien.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Eine aktuelle Studie von Apptio in Zusammenarbeit mit Financial Times Focus untersucht, wie sich die ökonomischen Effekte von IT-Technologien und der Wunsch nach digitaler Transformation auf die Dynamiken in Unternehmensvorständen auswirken. Das Papier Disruption in the C-suite: How the digital transformation imperative is changing CxO dynamics zeigt, dass Initiativen für den digitalen Wandel die vorstandsinterne Zusammenarbeit beeinflussen.

Digitalisierung betrifft verschiedene Geschäftsbereiche

„Die Digitalisierung verändert grundlegend das IT-Betriebsmodell, und das bedeutet, dass CIOs und CFOs zusammenarbeiten müssen“, sagt Sunny Gupta, CEO von Apptio. „Die Führungskräfte aus diesen Bereichen müssen neue Bereitstellungsmodelle wie Cloud und agile Methoden beschleunigen, Technologieinvestitionen zur Förderung von Innovationen optimieren und finanziell flexibler werden für ressourcenbezogene Entscheidungen, die auf die Geschwindigkeit der Unternehmensentwicklung ausgerichtet sind.“

Diese Entwicklung hat außerdem zur Folge, dass das generelle Vertrauen in die IT unternehmensweit steigt. Andererseits scheinen die Grenzen der Verantwortungsbereiche zunehmend zu verwischen, Spannungen zwischen IT- und Finanzabteilungen können entstehen. Außerdem kommt den CIOs eine zentrale Rolle zu, wenn es um organisatorische Veränderungen für ein nachhaltiges Wachstum geht.

„Technische Führungskräfte sind in einer stärkeren Position, Veränderungen in der Organisation voranzutreiben: ihre Prioritäten verschieben sich und sie verfolgen einen agileren Ansatz in der IT-Strategie“, sagt Sean Kearns, Editorial Director bei FT Focus. „Kundenerwartungen und der dazugehörige Handlungsdruck in den Geschäftsbereichen verändern die Dynamiken in den Vorständen.“

Ergebnisse weltweit

Von allen Unternehmen, die sich weltweit mit der digitalen Transformation aktiv auseinandersetzen, betonen 56 Prozent, dass sie sich eines agilen und flexiblen strategischen Ansatzes bedienen. Da dieser auf neuen Erkenntnissen von Kunden und aus den Geschäftsbereichen basiert, ist er permanenten Veränderungen unterworfen. Technologische Führungskräfte wollen Wachstum durch Innovation vorantreiben. Gleichzeitig erwarten diese, dass sie in den nächsten drei Jahren nahezu gleichen Aufwand betreiben werden, um Veränderungen im Geschäftsmodell zu ermöglichen, die das Ziel haben, das notwendige Wachstum mit dem Betrieb bestehender IT-Systeme in Einklang zu bringen.

Gut zwei Drittel der befragten Teilnehmer geben an, die digitale Transformation habe die Zusammenarbeit zwischen den Führungskräften in den Vorstandsetagen bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen verbessert. Eine zentrale Rolle kommt in diesem Kontext dem Chief Information Officer (CIO) zu, dem im Vergleich mit anderen C-Level-Kollegen das Potenzial attestiert wird, kundenzentrierte Veränderungen im besonderen Maße forcieren zu können. Um dieses Potenzial umsetzen zu können, muss die IT jedoch an ihrer Überzeugungskraft arbeiten, so die Meinung von 71 Prozent der Finanzleiter (CFOs).

Digitale Transformation in Deutschland

Die Zahlen für Deutschland weichen von den weltweiten Ergebnissen teilweise ein wenig ab, deuten aber in ähnliche Richtungen.

So geben laut der Studie 88 Prozent der deutschen Vorstandsmitglieder an, die Zusammenarbeit zur Entwicklung neuer Produkte und Services habe sich im gesamten Vorstand durch die digitale Transformation intensiviert. Im globalen Vergleich stimmen hier nur 68 Prozent der Befragten zu. Und während weltweit nur 56 Prozent der Umfrageteilnehmer angaben, dass CIO und CEO im Kontext technologischer Strategien zielführend zusammenarbeiten, sind es in der Bundesrepublik ganze 75 Prozent, die hier eine harmonische Kooperation wahrnehmen.

Eine Zäsur könnte der kollaborative Konsens allerdings erfahren, wenn es um das Thema Finanzen geht. Fast die Hälfte der deutschen Vorstände war der Meinung, dass die Freigabe von IT-Investitionen für neue digitale Technologien zu den gravierendsten Meinungsverschiedenheiten zwischen CIO und CFO ihres Unternehmens führte. Global betrachtet sorgt das Thema finanzielle Ressourcen aber nur in 29 Prozent der Fälle für Diskussionen in der Chefetage.

Geht es um Erfolgskennzahlen sind es wiederum speziell die deutschen Unternehmen, die hierauf besonderes Augenmerk richten. Mit 49 Prozent sind fast die Hälfte aller Studienteilnehmer der Meinung, dass der Einsatz verschiedener Metriken über Projekte und Geschäftsbereiche hinweg sinnvoll ist, um Aussagen über den Erfolg agiler Methoden anstellen zu können. Der restliche Globus lässt es mit 38 Prozent hier etwas ruhiger angehen. Ähnlich verhält es sich bei Pilotprojekten mit innovativen Technologien wie Robotics oder AR: 73 Prozent der Deutschen attestieren ihrer Unternehmensführung in diesem Bereich eine nachgewiesene Erfolgsbilanz. Im weltweiten Vergleich können das laut Meinung ihrer Angestellten nur 58 Prozent der Chefs von sich behaupten.

Im Umkehrschluss lässt sich hieraus eine gewisse technische Innovationsbereitschaft – quasi made in Germany – ableiten. Dies bestätigt sich auch mit einem Blick auf die Tatsache, dass 65 Prozent die Aussage verneinen, ihr Unternehmen sei nur bedingt erfolgreich beim Einsatz neuer Technologien. Weltweit glauben hingegen nur 45 Prozent, dass ihr Arbeitgeber auf diesem Gebiet keinen Nachholbedarf aufweist.

Geht es darum aus Fehlern zu lernen, glauben stolze 80 Prozent der befragten Deutschen, dass ihr Unternehmen Fehlinvestitionen als solche erkennt und in der Lage ist, entsprechende Gegenmaßnahmen ab- und einzuleiten. Im weltweiten Vergleich stimmen an dieser Stelle lediglich 66 Prozent zu.

Auch seitens der Ergebniskontrolle sehen sich deutsche IT-Abteilungen mit einer vergleichsweise hohen Erwartungshaltung konfrontiert. Dreiviertel der Deutschen glauben nicht, dass es für die IT ein Problem darstellt, den Einfluss neuer Technologien im Unternehmen zu dokumentieren und so einen Beweis für die Wirksamkeit technischer Innovationen zu erbringen. Im weltweiten Durchschnitt stimmt an dieser Stelle nur die Hälfte der Befragten zu.

Agile Methoden können bei der Umsetzung der digitalen Transformation unterstützen. Nahezu ein Drittel der deutschen Großunternehmen konnten durch den Einsatz agiler Arbeitsweisen die Rendite ihrer Technologieinvestitionen steigern. Allerdings benötigt man generell mehr Transparenz, um Leistungswerte zu überwachen. Während weltweit weniger als ein Fünftel der Unternehmen auf ein klar definiertes Rahmenwerk zur Erfolgsmessung zurückgreifen kann, hat in Deutschland und den USA zumindest jedes vierte Unternehmen dafür konkrete ‚Frameworks‘ geschaffen.

Die Studie verdeutlicht außerdem, dass CIOs innerhalb des C-Levels das höchste Ansehen genießen, wenn es darum geht, kundenzentrierte Veränderungen zu realisieren.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die digitale Transformation die Unternehmenswelt, deren Führungskräfte und die Technologie-Strategien stark beeinflusst und möglicherweise nachhaltig verändert. So fördert das Thema beispielsweise die Zusammenarbeit über die komplette Vorstandsebene hinweg. Eine prominente Rolle nimmt in diesem Gefüge allerdings der CIO ein, dem von den Vorstandskollegen die Fähigkeit bescheinigt wird, digitale Veränderungen im Sinne des Kundennutzens in besonderem Maße voranzutreiben. Gerade im weltweiten Vergleich wird außerdem deutlich, dass sich deutsche Unternehmen ein überdurchschnittliches Maß an technischer Innovationsbereitschaft bescheinigen und dabei durchaus bereit sind, aus Fehlern zu lernen, um der Zukunft gut gerüstet entgegenzutreten.

Erhebungsmethodik

Die Daten für diese Studie wurden aus der Befragung von 555 globalen C-Level- und C-1-Führungskräften (einschließlich CEO, CFO, CIO, CDO und COO) in zwölf Ländern und neun Branchen zusammengestellt. Jeweils rund ein Drittel stammten aus den Bereichen Finanzen, IT und Infrastruktur/Betrieb. 58 Prozent der Befragten stammen von Unternehmen mit einem weltweiten Jahresumsatz zwischen 500 und 999 Millionen US-Dollar. Der Rest hat einen Jahresumsatz von mehr als 1 Milliarde Dollar.

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