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IoT und Logistik

Die drei Evolutionsschritte zur vernetzten Logistik

| Autor/ Redakteur: Nils Herzberg / Jürgen Schreier

E-Commerce hat enorme Zuwachsraten. Davon profitiert natürlich auch die Logistik. "Same day delivery" ist immer mehr. gefragt. Dazu muss sich die Logistik aber stärker vernetzen. Konzepte aus dem IoT-Bereich weisen hier den Weg.

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Der Online-Handel boomt, immer mehr wird via Internet bestellt und konsumiert. Für die Logistik ist das das erhebliche Herausforderung.
Der Online-Handel boomt, immer mehr wird via Internet bestellt und konsumiert. Für die Logistik ist das das erhebliche Herausforderung.
( Bild: Pixabay / CC0 )

Kein Zweifel, alle Ampeln stehen für Lager, Transport und Logistik auf grün. Neben den positiven Impulsen aus der Industrie liegt dies vor allem an den Zuwachsraten im E-Commerce. Ein Beispiel: 2016 haben die Kurier-, Express- und Paketdienstleister in Deutschland erstmals innerhalb eines Jahres mehr als drei Milliarden Sendungen befördert [1]. Der Online-Handel boomt, immer mehr wird via Internet bestellt und konsumiert.

Schritt 1: Der Konsument bringt uns zum Umdenken

Der Zwang zur Veränderung kommt aus dem Markt. Bücher, Schuhe, Elektronik, Möbel und zunehmend auch Lebensmittel werden online bestellt. Passend dazu werden gleich neue Logistik-Ideen geboren. Große Logistik-Anbieter investieren beispielsweise in Drohnen-Forschungsprojekte, um dem Verbraucher Pakete schnellstmöglich genau dorthin zu liefern, wo er sich gerade befindet.

„Same day delivery“ ist immer mehr gefragt – allerdings muss der Logistikprozess vor dem Start der Drohne ähnlich zügig gehen wie ihr Flug. Punktuelle Lieferungen erfordern Software, die in der Lage ist, den Prozess in Echtzeit zu steuern.

Welche Trends muss man mitgehen? Was ist Hype oder „Wettrüsten“ und welche Weichen müssen und können Logistiker, zu vertretbaren Kosten, heute stellen? Das Schlagwort heißt vernetzte Logistik.

Schritt 2: Die komplette Integration von Logistik und Transport

Wir wissen heute bereits, wo sich Lkws befinden, welche Teile sie geladen haben, welche Prozesse im Lager beteiligt sind, welche Tore Lkws anfahren werden und wie lange das Umladen dauert. Dies führt dazu, dass das Lager effizienter bewirtschaftet werden kann. Für eine noch engere Verbindung von Lager und Transport sorgt die Anbindung an das Internet der Dinge, dem Internet of Things (IoT). Dazu trägt das IoT-Portfolio SAP Leonardo [2] bei, das mit den Dingen (Lkws, Werkzeuge und Maschinen), Prozessen und Menschen die gesamte Lieferkette miteinander vernetzt. Im Zusammenspiel von SAP Transportmanagement, dem SAP EWM und der Sendungsverfolgung auf Basis von IoT wird eine enge Verzahnung von Transport und Logistik erreicht.

IoT muss dabei nicht kompliziert sein. So verbindet die SAP beispielsweise einen IoT-Simulator mit einem Lkw und setzt im Lkw Messfühler für Vibrationen, Helligkeit und Luftfeuchtigkeit ein. Wird der Simulator bewegt oder verdeckt, zeigt er diese Veränderung direkt in einer Grafik auf dem Smartphone an. In Containern auf dem Lkw können solche Szenarien wichtig werden, wenn die Verladung und der Transport der Fracht unter speziellen Umweltbedingungen stattfinden müssen. Beispiel: ein mit Ware beladener Lkw.

Befindet sich ein Lkw wenige Kilometer vor dem Lager, in dem eine Lieferung auf die Spedition wartet, bekommen Verantwortliche im Lager automatisch eine Information zugesendet. Wird es im Innenraum zu warm, schlägt der Temperatursensor Alarm. Fährt der beladene Lkw über eine sehr unebene Fahrbahn, meldet sich der Vibrationssensor. Wird ein Schwellwert überschritten, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass die Ladung in Gefahr ist. Zu dem kontinuierlichen Monitoring des Lkws gehört auch eine Sicherheitsprüfung. So genannte Smart Boxes registrieren, sobald ein versiegelter Container ungeplant geöffnet wir, was bei wertvoller Fracht relevant werden kann.

Über Smartphones und Tablets können so Echtzeitinformationen über die Waren bequem abgefragt und angezeigt werden. Das schafft Transparenz über sämtliche Warenbewegungen innerhalb des Lagers. Darüber hinaus fließen Verkehrs- und Positionsdaten der LKWs in Echtzeit in die Systeme. Informationen stehen somit für die gesamte Logistikkette vom Lager über allen beteiligten Logistikdienstleistern wie Speditionen und Verladestationen an Schiffs- und Flughäfen bis zu den Empfängern zur Verfügung.

Exkurs: Regularien einhalten

Nicht zu vergessen: Regularien, die von Seiten der Gesetzgeber festgelegt werden und die in bestimmten Branchen einzuhalten sind. So sind gemäß der EU-Tabakrichtlinie 2014/40/EU [3] sind Zigaretten und Tabak zum Selbstdrehen vom 20. Mai 2019 an mit einem individuellen Erkennungsmerkmal auf jeder Packung zu versehen. Für jede Packung muss der Handelsweg vom Hersteller bis Aushändigung der Ware an die Verkaufsstelle nachvollziehbar sein. Wenn ein Großhändler beispielsweise Zigarettenautomaten nachfüllt, dann kann diese Verkaufsstelle ein (ebenfalls mit einer eindeutigen ID zu identifizierender) Zigarettenautomat sein.

Die Hersteller und alle Zwischenhändler müssen die Seriennummern von Paletten, Kisten, Stangen und Packungen aufzeichnen und für die Dauer von vier Jahren aufbewahren. Außerdem müssen alle Zwischenhändler diese Daten an die Hersteller und eine von der EU beauftragte unabhängige Institution zurückmelden. Über so genannte Track-and-Trace- beziehungsweise Big-Data-Ansätze können derartige Anforderungen im Logistikbereich umgesetzt werden.

Schritt 3: Komplette Transparenz und neue Geschäftsmodelle

In Zukunft werden Disponenten individuelle, aufbereitete Informationen zur Verfügung gestellt bekommen, Kommissionierer arbeiten mit einer VR-Datenbrille und machen ihren Job effizienter. Machine Learning wird dafür sorgen, dass aus Daten Vorhersageszenarien entwickelt werden. Neben der engen Verzahnung von Lager und Transport sind auch erweiterte Geschäftsmodelle für Läger denkbar. SAP EWM kann sowohl ein Verteilzentrum abbilden – aber ebenso gut ein Produktionslager. Von der Fertigung aus halbfertigen Gütern bis zum 3D-Druck von Produkten ist in der Zukunft alles denkbar.

Es gibt vielfältige Möglichkeiten und nicht jedes Logistik- oder Speditionsunternehmen benötigt die komplette Bandbreite an Möglichkeiten. Hier gilt es individuell auf die zu befördernden Güter, die Bedürfnisse der Kunden und die regionale oder globale Ausrichtung zu schauen, um nur einige Aspekte zu nennen. Fakt ist, dass die Zeiten bewegt sind und sich neue Chancen für innovative Unternehmen auftun – es gilt sie zu ergreifen. Der Markt macht vieles möglich!

Logistik heute mit SAP

Sind eine Vielzahl von Kommissionierungen gleichzeitig im Lager zu verarbeiten, braucht es eine Strategie, die effizient und automatisiert festlegt, in welcher Reihenfolge die Aktivitäten im Lager ausgeführt werden:

– Über Kommissionierwellen und -aufträge werden die Schritte zur richtigen Zeit und am richtigen Ort ausgeführt. Denn das SAP Extended Warehouse Management (SAP EWM) steuert sämtliche Warenbewegungen automatisch und führt Lagermitarbeiter mit mobilen Datenerfassungsgeräten durch sämtliche Lagerprozesse, um Kommissionierwege möglichst kurz zu halten.

– Automatische Hochregal- und Kleinteilelager, Förderstrecken oder auch fahrerlose Transportsysteme sind zudem über das EWM-eigene Material Flow System(MFS) direkt ans SAP EWM angebunden und bringen Waren zu den jeweiligen Arbeitsstationen im Lager.

– Gleichzeitig sind Speditionen über das sogenannte Dock Appointment Scheduling bereits über den Bedarf informiert und haben ihre LKWs an die Laderampe positioniert. Sobald Produkte das Lager verlassen, registrierten die IT-Systeme das und haben diese Information transparent und einsehbar für die Mitarbeiter im Unternehmen vorliegen. Die Information über den aktuellen Status der Lieferung ermöglicht Mitarbeitern zudem, Störfälle sofort zu erkennen und einzuschreiten.

Nils Herzberg ist Senior Vice President Global Head - Internet of Things Go to Market & Strategic Partnerships bei SAP.
Nils Herzberg ist Senior Vice President Global Head - Internet of Things Go to Market & Strategic Partnerships bei SAP.
( Bild: Stephan Daub )

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