Expertenbeitrag

 Christian von Stengel

Christian von Stengel

CEO, Germanedge

Mensch und Maschine Die Dimensionen des Connected Workers

Autor / Redakteur: Christian von Stengel / Sebastian Human

Wird über die Zukunft der Produktion gesprochen, stehen meist Technologien und Daten im Fokus. Konnektivität und Automatisierung gelten als Erfolgsaspekte. Das ist richtig – doch auch zu kurz gedacht.

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Welche Rolle wird der Menschen in der Fabrik der Zukunft spielen?
Welche Rolle wird der Menschen in der Fabrik der Zukunft spielen?
(Bild: yoh4nn/Germanedge)

Die Fabrik der Zukunft wird hochgradig vernetzt, stark visualisiert, integrativ und antizipativ sein. Entsprechend verändert sich auch die Arbeit in der Produktion: Weniger hands-on und mehr virtuell. Dies bedeutet zum einen, dass sich die Standortbindung immer weiter auflöst. Doch es bedeutet auch, dass sich die unterschiedlichen Funktionen und Positionen verändern.

Wichtig ist dabei, folgendes im Hinterkopf zu behalten: So digital die Zukunft auch sein mag, so sehr muss der Mensch als proaktiv handelnde Instanz im Mittelpunkt stehen.

Überall dort, wo Kreativität, situationsabhängiges Handeln und Entscheidungen nötig sind, wird der Mensch auch in der digitalen Produktion gefragt sein. Es sind die Menschen, die die Zukunft der Produktion gestalten und diese mit Technologie zum Leben erwecken.

Die Rolle des Menschen in der Fabrik der Zukunft verändert sich dadurch immer stärker hin zum Connected Worker. Dieser Begriff mag einen vielleicht denken lassen, hier ginge es vor allem um die Interaktion zwischen Mensch und Maschine über einen Datenaustausch. Und dieser Gedanke ist nicht falsch, berücksichtigt jedoch nur eine von fünf Dimensionen des Connected Workers.

Verbunden mit der Zukunft?

Die Arbeit des Conntected Workers zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er digitale Werkzeuge zur Unterstützung nutzt. Die Verbindung zwischen Mensch und Maschine durch Programmierung, Datenaustausch und Analytics bildet somit eine wichtige Dimension und geht vor allem mit dem immer stärkeren Automatisierungsgrad einer Produktion einher.

Die zweite Dimension ist die Verbindung von Mensch zu Mensch, beispielsweise durch digitale Working Tools von Chats über Videokonferenzen bis zur digitalen Schichtübergabe und Teamorganisation. Dadurch entsteht ein völlig neues Level des Informationstauschs, was nicht nur die tägliche Arbeit erleichtert, sondern auch Transparenz und Wissenstransfer ermöglicht.

Die dritte Dimension meint die Verbindung des Menschen zu seiner Aufgabe durch eine digitale Eigenorganisation, zum Beispiel über Checklisten und ein individualisierbares Data Interface. Autonomeres Arbeiten bedeutet jedoch mitnichten eine Abkehr vom Teamgedanken. Hierbei geht es in erster Linie darum, den einzelnen Mitarbeiter noch stärker zur Entscheidungsfindung zu befähigen und so die individuelle Arbeitseffizienz zu erhöhen.

Die vierte Dimension ist ein Folgeeffekt der ersten drei Dimensionen: Das Zusammenspiel von Mensch und Information, um einen beständigen Überblick des Ist-Zustandes zu haben.

Die fünfte und letzte Dimension ist die Konklusion der anderen vier Dimensionen zusammen: Die Verbindung des Menschen zur Zukunft. Das beginnt mit dem entsprechenden Mindset bis hin zum Einsatz und der Anwendung von Technologien.

Wer ist der Connected Worker?

Um in der Fabrik der Zukunft einen perfekten Arbeitsfluss zu kreieren, muss der Fabrikarbeiter der Zukunft zu einem Conntected Worker weiterentwickelt werden. Mensch und Maschine werden in der Smart Factory Hand in Hand, Kopf an Kopf arbeiten mit dem Ziel, dass der Mensch schneller, besser und sicherer entscheiden zu können.

Dabei verbirgt sich hinter dem Begriff Connected Worker nicht nur die Produktionsmitarbeiterin, die direkt an der Maschine steht und mit dieser interagiert. Der Connected Worker bezeichnet keine bestimmte Rolle, sondern eine Art des Arbeitens in Zukunft. Dies kann von konkreten Produktionsaufgaben am Fließband bis zu Managementtätigkeiten im Headquarter alles sein. Das große Ziel dabei ist es, funktionsspezifische Silos aufzubrechen und eine Effizienzebene zu erreichen, in der Wissen und Fähigkeiten übergeordnet kombiniert werden können, sodass eine Art Informationsdemokratie entsteht.

Voraussetzung dafür ist neben den digitalen Skills der Mitarbeiter jedoch auch das richtige Mindset. Mut und Neugier, der Wille zum Lernen, Fehlertoleranz und Begeisterung für Neues sind das Fundament, welches der Connected Worker mitbringen muss.

Wie wird der Connected Worker Realität?

Natürlich verändert die Digitalisierung das alltägliche Arbeiten – nicht nur in der Fabrik der Zukunft. Doch dies ist nichts, wovor der Mitarbeiter Angst haben muss. Die Zukunft der Fabrik ist nicht nur digital, sondern auch menschlich. Und diese Sichtweise sollte in der Produktion Einzug halten.

Dies ist eindeutig Aufgabe des Managements, indem es sich folgender Schritte bedient: Aufklären, Erklären, Anleiten und Vorleben. Richtig gemacht, wird der Umgang mit neuen Tools für die Mitarbeiterin leicht, intuitiv und wertvoll. Das Ziel muss sein, zwischen Mensch und Maschine eine Kooperationsebene zu generieren und nicht nur auf Koexistenz zu setzen.

Dies gelingt nur, wenn Unternehmen auf Technologien und Softwarelösungen setzen, die den Menschen als Mittelpunkt verstehen. Mit dem richtigen Softwareansatz wird der Mensch zu maximaleffizienten Handlungen befähigt. Und dies ist der eigentliche Schlüssel zum Erfolg.

Denn am Ende ist und bleibt es der Mensch, der die Schlüsselrolle in der Produktion innehat – heute und in Zukunft.

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