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Präzisionslandwirtschaft Die Digitalisierung auf den Acker bringen

| Autor / Redakteur: Peter Pickel / Jürgen Schreier

Landwirtschaft und Nachhaltigkeit sind nicht voneinander zu trennen. Doch eine Balance zwischen Umweltschutz, den Bedürfnissen der Landwirte und den Verbraucherwünsche zu finden, ist schwer. Essenziell dafür ist die umfassende Digitalisierung des Agrarsektors.

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Der technische Fortschritt im Agrarbereich macht es möglich, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit zusammen zu denken.
Der technische Fortschritt im Agrarbereich macht es möglich, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit zusammen zu denken.
(Bild: John Deere)

Der Druck auf Landwirte nimmt immer weiter zu: Steigende Auflagen und politischer Druck sorgen für Unruhe, gleichzeitig reicht es den Käufern nicht mehr, lediglich sicher mit Lebensmitteln versorgt zu werden. Jedes Produkt soll nachhaltig produziert und jeder Prozess bis ins letzte Glied transparent sein – und am Ende soll alles natürlich noch möglichst wenig kosten.

Es ist ein Anspruch, der für Landwirte kaum zu bewältigen ist und in zahlreichen Fällen die Erhaltung von Betrieben in Frage stellt. Wie kann es gelingen, in diesem Spannungsverhältnis zwischen Umweltverantwortung, Kundenwünschen und Wirtschaftlichkeit nicht nur zu existieren, sondern zu gedeihen?

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Win-Win-Situation: Mehr Output, weniger Umweltbelastung

Eine Antwort darauf liegt in einer umfassenden und strategisch angelegten Digitalisierung der Landwirtschaft. Denn genauso wie die Digitalisierung Branchen wie die Industrie oder den Handel revolutioniert hat, wird sich auch die Bewirtschaftung von Acker, Hof und Weide durch die bereits vorhandenen – und zukünftigen – Technologien enorm wandeln.

Digitale Technik erzielt nicht nur punktuelle Vorteile. Stattdessen erhöht sie verlässlich bei einem konsequenten Einsatz den Output der Betriebe und verringert gleichzeitig die Belastung der Natur. Und das gekoppelt mit einer transparenten Dokumentation aller Vorgänge, bereit für Analyse und Veröffentlichung.

Die Digitalisierung in der Landwirtschaft ist dabei vielfältig und entwickelt sich ständig weiter. Nachfolgend drei Beispiele, welche Möglichkeiten sich durch den Einfluss moderner Technik ergeben:

  • Datenanalyse und Labor auf dem Feld: In der Vergangenheit wurde Gülle gleichmäßig auf den Feldern verteilt. Doch der flüssige Dünger ist ein biologisches Produkt mit Variationen in der Zusammensetzung. Deshalb sorgen Sensoren und fortschrittliche Technologien heute für eine automatische Analyse und eine entsprechende Anpassung der Ausbringung in Echtzeit. Das Ergebnis: langfristig deutlich geringere Nitrateinträge ins Grundwasser und eine genaue Steuerung der Düngung im Sinn eines pflanzenbaulich geschlossenen Nährstoffkreislaufs.
  • Drohneneinsatz: Drohnen können zur Datensammlung eingesetzt werden, um beispielsweise das Pflanzenwachstum zu begutachten, Bestände zu kontrollieren oder Böden zu prüfen. Daraus können Informationen zur Optimierung und Steuerung der Arbeitsmaschinen gewonnen werden und praktisch ohne Zeitverzögerung direkt an Traktoren, Feldspritzen oder andere Geräte weitergegeben werden, die dann entsprechend reagieren.
  • Smarte Spritzen: Feldspritzen mit Kameras und Sensoren können Pflanzen verlässlich und schnell identifizieren. Unkräuter werden gezielt mit einem Strahl Pflanzenschutzmittel bespritzt, während Nutzpflanzen nichts abbekommen. Das Ergebnis: ein bis zu 90 Prozent reduzierter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Innovative Kraftstoffkonzepte für Landmaschinen

Zahlreiche Unternehmen arbeiten intensiv an der Frage, wie die Landmaschinen der Zukunft angetrieben werden können. Neben Modellen, die primär auf Strom – gewonnen optimalerweise durch erneuerbare Energien – setzen, gibt es auch Konzepte für innovative Kraftstoffnutzung. Mit sogenannten Vielstoff-Motoren („Multifuel“) können Traktoren nicht nur mit Diesel, sondern beispielsweise auch mit Biodiesel, Rapsöl oder anderen nicht-veresterten Pflanzenölen fahren. Damit ist es möglich, den CO2-Ausstoß deutlich zu verringern und sich auch von der Bindung an fossile Brennstoffe zu lösen – ein Plus für die Umwelt und den Geldbeutel der Landwirte.

DataConnect: Vernetztes Arbeiten über Unternehmensgrenzen hinweg

Datenbasierte technische Innovationen in der Landwirtschaft machen im Optimalfall nicht vor Unternehmensgrenzen halt. Vernetzt arbeiten ist das Gebot der Stunde: Softwareplattformen, wie beispielsweise DataConnect von CLAAS, CNH Industrial, 365FarmNet und John Deere, bringen Maschinendaten über eine gemeinsame Plattform herstellerübergreifend zusammen. Tankfüllstand, Geschwindigkeit, Arbeitsstatus und andere essenzielle Informationen können ausgetauscht werden und stehen Landwirten zur Verfügung, um schneller, besser und aufwandsärmer Entscheidungen treffen zu können.

Mit solchen technologischen Fortschritten wird es möglich, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit zusammen zu denken. Die Landwirtschaft kann die Verantwortung für eine nachhaltige und umweltschonende Produktion übernehmen und auf diese Weise das Vertrauen der Gesellschaft dahingehend sicherzustellen. Damit wird der Umweltschutz zum Wettbewerbsfaktor. Die Konsequenz: Die Optimierung der Landwirtschaft mittels digitaler Hochleistungstechnologien geht weiter und der Druck, der auf Landwirten lastet, wandelt sich zu einem lebendigen Wachstumsumfeld für die Zukunft.

Prof. Dr. Peter Pickel ist Deputy Director des John Deere European Technology Innovation Center in Kaiserslautern. Er ist Experte für Zukunftstechnologien und lehrt als Honorarprofessor an der Technischen Universität Kaiserslautern.
Prof. Dr. Peter Pickel ist Deputy Director des John Deere European Technology Innovation Center in Kaiserslautern. Er ist Experte für Zukunftstechnologien und lehrt als Honorarprofessor an der Technischen Universität Kaiserslautern.
(Bild: John Deere)

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