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Umfrage zur Digitalisierung Die digitale Transformation der Wirtschaft läuft noch nicht rund

| Redakteur: Gesine Herzberger

Rechtliche Anforderungen bei der Nutzung von Daten, Sorgen um die IT-Sicherheit und Fachkräftemangel bremsen die Digitalisierung in der Wirtschaft aus – das sind die Ergebnisse eine aktuellen Umfrage.

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Laut einer aktuellen Umfrage beklagen praktisch alle Unternehmen, bei der digitalen Transformation auf Hürden zu stoßen und so ausgebremst zu werden.
Laut einer aktuellen Umfrage beklagen praktisch alle Unternehmen, bei der digitalen Transformation auf Hürden zu stoßen und so ausgebremst zu werden.
(Bild: gemeinfrei)

Ein digitales Archiv statt einem Keller voller Papierakten, die Drohne in der Landwirtschaft, die punktgenau Pestizide ausbringt, oder der Aufbau einer digitalen Plattform, um völlig neue Kunden zu erreichen: Die Erkenntnis, dass die Digitalisierung für Unternehmen aus allen Branchen große Chancen bietet, ist bei Geschäftsführern und Vorständen angekommen. Dennoch beklagen praktisch alle Unternehmen, dass sie bei der digitalen Transformation auf Hürden stoßen. In einer repräsentativen Umfrage unter 503 Unternehmen aller Branchen gab kein einziges Unternehmen an, dass die Digitalisierung ohne Hemmnisse verlaufe. Sieben Prozent wissen es nicht oder können keine Angaben machen.

Große Schwierigkeiten bei Datenschutz und IT-Sicherheit

Die größten Schwierigkeiten gibt es laut der Umfrage, die im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt wurde, demnach bei Datenschutz und IT-Sicherheit, beim Personal sowie bei internen Abstimmungen. So geben jeweils 4 von 10 Unternehmen an, dass die Anforderungen an den Datenschutz (38 Prozent) sowie die IT-Sicherheit (37 Prozent) die digitale Transformation behindern. Jeweils 3 von 10 Unternehmen sagen, es fehle an Akzeptanz in der Belegschaft (29 Prozent) sowie geeigneten Fachkräften mit Digitalkompetenz (28 Prozent). Ähnlich häufig werden fehlende Vorgaben aus der Geschäftsleitung (27 Prozent) und langwierige Entscheidungsprozesse (25 Prozent) beklagt, 16 Prozent sehen sich durch eine fehlende Investitionsbereitschaft behindert.

„Jedes Unternehmen muss für sich eine Digitalstrategie entwickeln. Wenn erst einmal klare Ziele festgelegt sind, wird die Abstimmung im Unternehmen viel einfacher“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Teil einer Digitalstrategie sollte auch die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern sein. Wer über qualifiziertes Personal verfügt, der kann auch mit Anforderungen durch den Datenschutz und mit dem zentralen Thema IT-Sicherheit deutlich besser umgehen.“

Klare Erwartungen an die Politik

Die Unternehmen haben auch klare Erwartungen an die Politik, wie die Digitalisierung in Deutschland beschleunigt werden könnte. Neben einem flächendeckenden Breitbandausbau mit mindestens 50 Mbit/s, den 59 Prozent fordern, stehen ein höheres Engagement bei IT-Sicherheit, etwa mit mehr Mitteln für das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), sowie bildungspolitische Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel (je 52 Prozent) im Mittelpunkt. Ebenfalls große Bedeutung wird einheitlichen Datenschutzgesetzen in Europa (42 Prozent) beigemessen. Jeder Dritte (31 Prozent) erwartet mehr politische Unterstützung, um die Vorreiterrolle Deutschlands bei der Industrie 4.0 zu forcieren.

„Die Unternehmen wollen mit der digitalen Transformation in Deutschland eine Erfolgsgeschichte schreiben. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten bei den wichtigen Themen wie Sicherheit, Datenschutz sowie Aus- und Weiterbildung gemeinsam die richtigen Weichen stellen – dabei sind Unternehmen, Politik und jeder einzelne Mitarbeiter gleichermaßen gefordert,“ so Dr. Bernhard Rohleder.

Zur Umfrage

Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research durchgeführt hat. Dabei wurden 503 Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder von Unternehmen ab 20 Mitarbeitern befragt. Die Umfrage ist repräsentativ für die Gesamtwirtschaft. Die Fragestellungen lauteten: „Was sind aus Ihrer Sicht Hürden für die digitale Transformation in Ihrem Unternehmen?“, „Jetzt möchte ich Sie bitten, die drei wichtigsten Handlungsfelder der Politik für ein Gelingen der Digitalisierung der deutschen Wirtschaft zu nennen.“

Über Bitkom

Bitkom vertritt mehr als 2.400 Unternehmen der digitalen Wirtschaft, davon gut 1.600 Direktmitglieder. Sie erzielen mit 700.000 Beschäftigten jährlich Inlandsumsätze von 140 Milliarden Euro und stehen für Exporte von weiteren 50 Milliarden Euro. Zu den Mitgliedern zählen 1.000 Mittelständler, 300 Start-ups und nahezu alle Global Player. Sie bieten Software, IT-Services, Telekommunikations- oder Internetdienste an, stellen Hardware oder Consumer Electronics her, sind im Bereich der digitalen Medien oder der Netzwirtschaft tätig oder in anderer Weise Teil der digitalen Wirtschaft. 78 Prozent der Unternehmen haben ihren Hauptsitz in Deutschland, jeweils 9 Prozent kommen aus Europa und den USA, 4 Prozent aus anderen Regionen. Bitkom setzt sich insbesondere für eine innovative Wirtschaftspolitik, eine Modernisierung des Bildungssystems und eine zukunftsorientierte Netzpolitik ein.

Dieser Beitrag ist auf unserem Partnerportal Marconomy erschienen.

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