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Dairy 4.0

Die digitale Molkerei: Transparenz von der Farm bis zur Tasse

| Autor/ Redakteur: Reinholt Schlechter* / Sebastian Human

Die Gesamteffizienz in der Milchindustrie zu steigern, nachhaltiges Wachstum zu generieren sowie Lebensmittelsicherheit und deren Rückverfolgbarkeit sicherzustellen – diesen Herausforderungen haben sich SIG und Schneider Electric gestellt. Die digitale Molkerei ist zur Realität geworden und stößt auf Interesse.

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Die Digitale Molkerei auf einen Blick – erstmals präsentiert zur SPS IPC Drives 2018 in Nürnberg.
Die Digitale Molkerei auf einen Blick – erstmals präsentiert zur SPS IPC Drives 2018 in Nürnberg.
(Bild: Schneider Electric)

Die Lebensmittel- und Getränkeproduktion verändert sich rasant und wird immer anspruchsvoller – in Bezug auf Produktionsoptimierung bei gleichzeitiger Kostensenkung, aber auch im Hinblick auf Qualitäts- und Sicherheitsstandards. Letztere sind mittlerweile Grundvoraussetzung, um die heutigen Produktanforderungen zu erfüllen.

Dazu bedarf es eines optimalen Setups in der Produktion, perfekt aufeinander abgestimmter Prozesse und eines vollintegrierten Ablaufs. Um diese Entwicklung voranzutreiben und Endkunden ausgereifte Lösungen anbieten zu können, geht SIG, ein führender System- und Lösungsanbieter für aseptische Verpackungen, neue Wege: In Kooperation mit Schneider Electric als Standardausrüster für elektrische Installation und Automationspartner macht der Konzern mit IoT-fähigen Systemen, Daten- und Automatisierungslösungen aus reinen Abfüllbetrieben intelligente, vernetzte Fabriken. Der neue Meilenstein im Food&Beverage-Segment ist die digitale Molkerei.

Dairy 4.0: Vernetzungskonzept für Verpackungsmaschinen

Zentraler Bestandteil des Vernetzungskonzepts ist die „Connector Box“, ein iPC mit umfangreichen installierten Softwarepaketen. Als universelle und erweiterbare IIoT-Lösung für Verpackungsmaschinen erlaubt es die Connector Box, unterschiedliche Maschinen anzubinden, Datenaufbereitung über Templates zu integrieren und verschiedene Spezifikationen von Leitsystemen und MES-Schnittstellen zu bedienen. Konnektivität wird durch ihre über 240 Treiber für verschiedene Kommunikationsprotokolle sichergestellt. Hiermit lassen sich sowohl alte Bestandsmaschinen als auch neue Anlagen und Steuerungen herstellerunabhängig an das gewünschte System anschließen. So wird ein über die Jahre gewachsener Maschinenpark fit für Industrie 4.0.

Der Endkunde profitiert: Wachstum durch die flexible Anpassung des Produktportfolios, Kostenreduzierung durch Produktionsstätten-übergreifende Standardisierung und Unabhängigkeit von der Architekturplattform eines Anbieters sind überzeugende Vorteile.

Für Zukunftssicherheit ist ebenfalls gesorgt: Auf der Connector Box können innovative Softwarepakete wie beispielsweise der Augmented Operator Advisor und der Machine Advisor installiert werden, die mit zukunftsweisenden Diensten wie Teleservice den Produktionsalltag revolutionieren. Eine Einbindung in die Cloud ist optional jederzeit möglich. AR-Applikationen bieten hohe Transparenz und Unterstützung bei der Einrichtung, Bedienung und Wartung der Maschinen. Mit dem Profit Advisor steht zusätzlich ein Tool zur Verfügung, welches die Mitarbeiter informiert, wenn ihre operativen Entscheidungen das Unternehmen profitabler machen. Basis für die genannten Services ist die EcoStruxure Architektur, die Vernetzung auf jeder Ebene vom Sensor bis zur Cloud möglich macht.

Verbrauchervertrauen stärken mit Track & Trace

Im gesamten Lebensmittelsektor gilt: Die Währung der Zukunft heißt Vertrauen. Steigende Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit, zunehmender Transparenzbedarf seitens der Verbraucher und Vertrauensprobleme erfordern neue Lösungen. Diese hat die digitale Molkerei dank End-to-End-Monitoring und Rückverfolgbarkeit zu bieten. Vom Empfang der Rohmilch über die Vorbehandlung und Verarbeitung bis hin zur Verpackung und Logistik – ganzheitliche Vernetzung und Digitalisierung bieten die Chance, Transparenz und Rückverfolgbarkeit in der Lieferkette weiter zu optimieren. Bewährt haben sich dabei Softwarelösungen für „Smart/Safe Food“ mit End-to-End Traceability. Dazu zählen Serialization & Label Assurance, Produkt Information Management (PIM) und Clean-In-Place (CIP). Diese unterstützen gängige Verfahren in der Nahrungs- und Getränkeindustrie und gewährleisten dabei Lebensmittelsicherheit sowie eine lückenlose Dokumentation und Rückverfolgbarkeit von Produkten über den kompletten Produktions- und Logistikprozess hinweg. So entsteht eine vollständige Produktvisibilität auf dem Markt, welche die kontinuierliche Produktverfolgung bis zum Kunden sicherstellt. PIM erfasst alle Daten vom Erzeuger über die Produktion bis zum Verbraucher, um damit Händlern und Kunden alle Daten einfach, schnell und lückenlos bereitzustellen. CIP gewährleistet wiederum durch optimale Reinigungszyklen sowohl eine sichere Lebensmittelproduktion als auch einen reduzierten Ressourcen-Einsatz von Energie und Reinigungsmitteln.

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Der Rollout beginnt: Fazit und Ausblick

Und das Konzept kommt an: Betriebe in Europa und im mittleren Osten haben bereits Fakten geschaffen, in Deutschland befindet sich die digitale Molkerei gerade in der Umsetzungsphase und Unternehmen in anderen Ländern rund um den Globus ziehen nach. Zahlreiche Firmen warten aktuell auf die Implementierung. Das macht deutlich, dass Endkunden die Notwendigkeit zur ganzheitlichen Vernetzung – und damit verbunden zu transparenten Produktionsabläufen und intelligenten Lieferketten – erkannt haben und entsprechend handeln. Auch im Kundenkreis von Schneider Electric, darunter auch große Player der Branche, zeigt sich, dass immer mehr Marktteilnehmer die Lösung zur Vernetzung nutzen möchten. Mittlerweile hält sie auch Einzug in den Joghurt-Sektor sowie in den Bereich anderer Molkereiprodukte wie beispielsweise Käse.

* Reinholt Schlechter ist OEM Segment Manager Material Handling & Packaging.

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